Stürzen, Klemmen, Aussperren

Das Kippfenstersyndrom, Sturz vom Balkon und andere Risiken

Gekippte Fenster sind unter Umständen tödliche Fallen für Katzen. Bei dem Versuch durch den Fensterspalt zu klettern, klemmen sich die Katzen ein. Bei den panischen Befreiungsbemühungen rutschen sie immer tiefer in den Spalt hinein, der Körper wird zwischen Rippenbögen und Becken gequetscht. Das Kippfenstersyndrom[1] ist das häufigste Trauma, das Katzen erfahren, noch vor Verkehrsunfällen. Die Blutversorgung und damit die Sauerstoffversorgung des abgeklemmten Gewebes wird unterbrochen, Läsionen der Wirbelsäule, Quetschungen der Nervenbahnen und inneren Organe, häufig der Niere und Beschädigungen der Gelenke und der Muskulatur sind die Folge. Todesfälle durch Strangulation oder durch innere Verletzungen sind an der Tagesordnung. Wenn Ihre Katze einmal in eine solche Notlage gekommen ist, sollten Sie schnell und besonnen handeln. Greifen Sie mit einer Hand unter den Brustkorb, mit der anderen unter den Bauch der Katze. Heben Sie die Katze nur soweit an, dass sie sie vorsichtig aus dem Spalt herausheben können. Bitte zögern Sie nicht und stellen sie ihre Katze unverzüglich einem Tierarzt vor. Dies kann ihr Leben retten. Wickeln Sie die Katze behutsam in eine Decke ein, so dass sie Stoßsicher in ihren Transporter gelegt werden kann. Nur ein Tierarzt kann feststellen, ob keine inneren Verletzungen oder Beschädigungen des Bewegungsapparates (Wirbelsäule) vorliegen. 75 % der Katzen, die mit Kippfenstersyndrom überleben, können durch eine Physiotherapie  (Muskelmassagen, Bewegungstherapie) vollständig geheilt werden.

Alle Fenster und Balkone müssen so gesichert werden, dass die Katze nicht verunglücken kann. In meiner Praxis höre ich oft von Patientenbesitzern, dass ihre Katze nicht so dumm sei und in all den Jahren noch nie abgestürzt sei.

Mich macht solcher Gleichmut oft sprachlos. Keiner würde sein vierjähriges Kind auf der Balkonbrüstung spielen lassen, und blind darauf vertrauen, dass nichts passiert, bloß weil er zu faul ist, eine entsprechende Sicherung einzurichten.

Es besteht nicht nur die Gefahr des Strauchelns oder Abrutschens, sondern auch ein vorbeifliegender Vogel kann, einen reflexartigen Impuls auslösen und die Katze springt hinter dem Vogel her. Auch ein Windstoß kann den Fensterflügel zu schlagen lassen und die Katze wird von der Fensterbank geschmissen. Fliegengitter oder ein Rahmen aus Kaninchendraht oder eine Konstruktion mit einem Katzennetz stellen sichere und einfach zu montierende Lösungen dar. Ein in meinen Augen alle mal gerechtfertigter Aufwand.

Auch Türen sollte man mit Türstoppern sichern, ein Luftzug genügt, um dramatische Verletzungen hervorzurufen. Gefahr geht auch von sich automatisch schließenden Türen aus. Mein Kater hat etwas gegen offene Türen und schließt jede Tür hinter sich, die nicht gesichert ist und hat sich schon oft selber ausgesperrt.



[1] Andre Jaggy: Atlas und Lehrbuch der Kleintierneurologie. Schlütersche 2005 & Krankheiten der Katze Herausgegeben von Marian Christian Horzinek, Vera Schmidt, Hans Lutz Enke Ferdinand Dezember 2005