Katzenentertainment

Katzenentertainment – überflüssiger Kokolores?

Während dem Hundehalter eine ganze Armada von Trainern, Verhaltensberatern, Hundecoaches  Kynologen oder Kynopädagogen zur Seite stehen, wenn es in der Beziehung um Menschen oder Umwelt klemmt, steht der Katzenbesitzer meist noch immer etwas ratlos auf weiter Flur allein.
Der Hundebesitzer muss aus einer unüberschaubaren Menge unterschiedlicher Schulen und Trainingsformen, von Agility über Obedience und Mantrailing zu Trickdogging, Dogdancing, Lakoko, Flyball und ZOS (Zielobjektsuche), auswählen, um seinen Vierbeiner auszulasten.
Dem Überfluss auf der Seite des Hundes , der schon einem Fluch nahekommt, steht der Mangel auf der Seite der  Katze gegenüber. Obwohl  die Katze den Hund schon lange in Beliebtheit als Haustier wegen ihrer sprichwörtlichen Anpassungsfähigkeit und ihrer Bedürfnislosigkeit, überholt hat,  läuft sie noch immer so nebenher, und die menschliche Sorge erschöpft sich oft im Kauf eines hübschen Kissens oder eines besonders guten  Häppchens.
Aber vielleicht erlaubt das Fehlen einer Beschäftigungsindustrie für Katzen dem engagierten Katzenhalter auch einen klaren Blick auf die arttypischen Bedürfnisse der Katze.
Seit die Anzahl der Katzen, die in reiner Wohnungshaltung leben,  rapide ansteigt, haben sich auch die Probleme im Zusammenleben mit dem Menschen potenziert. Während der Freigänger Haltungsmisstände kompensieren kann, ist uns die Wohnungskatze ausgeliefert. Ihre Strategie mit Haltungsfehlern oder Defiziten umzugehen, führt fast zwangsläufig zu einem Konflikt mit ihrem Halter
In den allermeisten Fällen beginnen Probleme im Zusammenleben von Mensch und Katze bei einer unterforderten Katze in einer reizarmen und stark reglementierten Umgebung ohne Veränderungen und Anregungen. Eine Katze, die nichts erlebt, ist nicht auf Veränderungen eigestellt. Wenn dann doch plötzlich im Wohnzimmer ein neues Sofa steht, ist die Katze fassungslos. Die Statik ihrer Welt hat sich unangenehm verändert. Das Vakuum der letzten Jahre ist implodiert. Am besten markiert man dies falsche, neue, stinkende Ding gründlich. Aber selbst, wenn die Katze nicht mit einem unerwünschten Verhalten auf sich aufmerksam macht, führt Langeweile zu einer Reihe ernsthafter Probleme, wie Übergewicht, Lethargie und Frustration
Der Schlüssel zu einer flexiblen, anpassungsfähigen und ausgelasteten Katze liegt in ihrer artgerechten Beschäftigung.
Beschäftigung verbessert das Selbstwertgefühl und das Wohlbefinden der Katze und stärkt die Bindung zum Menschen. Dies gilt für Wohnungskatzen und Freigänger gleicher maßen.

Umweltreize für eine Wohnungskatze

Eine Katze mit Freigang verbringt zwischen 3-11st draußen mit Lauern, Jagen, Schleichen, Flüchten Sonnenbaden und Erforschen. Sie frisst bis zu 12 Mäuse oder andere kleine Beutetiere. Auf ihren  Streifzügen erlebt sie die unterschiedlichsten Situationen und ist permanent gefordert  situativ zu reagieren. Sie trifft Artgenossen, jagt einen Vogel, nimmt reiß aus vor einem Feind, belauert eine Maus, erforscht  eine unbekannte Ecke in ihrem Revier, klettert einen Baum hoch. Sie lernt mit Veränderungen in ihrem Revier umzugehen, sie meidet den  neuen Kater von Gegenüber, sie markiert einen neuer Zaun,  ein frisch angelegtes Beet ist ein wunderbares neues Klo. All diese Eindrücke sind begleitet von Gerüchen und Geräuschen, die anregend sind und ihre Neugier wecken. In ihrer Welt ist nichts statisch.
Unsere Wohnungskatzen sind oft  bis zu 12 st alleine, bekommen meist zweimal am Tag eine gute gefüllte Futterschüssel und leben in einer begrenzten und  gleichbleibenden Umgebung, mit immer gleichen Geräuschen und Gerüchen, in denen ihr Mensch die Regeln bestimmt. Wie hole ich nun meiner Wohnungskatze die Welt in meine Vier Wände?

Freigehege und Co

Ein Freigehege oder ein gesicherter Balkon sind solide Ausgangspunkte.
Wer den Platz nicht hat, kann auch an einem interessanten Fenster einen gesicherten Ausguck anbringen (Katzenbalkon).
Dazu benötigt man zwei Bretter in der Breite des Fensters. Die Tiefe ist abhängig von der Verankerung, die Katze sollte aber bequem darauf liegen können. Dann benötigt man noch Holzleisten, die man mit Hilfe von Winkeln an den Ecken der Bretter anbringt, ggf. mit einer Querstrebe zur Verstärkung. Der fertige Rahmen wird an drei Seiten mit einem Katzennetz oder Kaninchendraht bespannt.
Der Käfig wird mit Haken an der Fassade oder am Fensterrahmen befestigt.
Man kann den Käfig auch an einer stabilen selbstgebauten Kratzbaumkonstruktion festmachen, die aus dem Fenster ragt. Man verlängert einfach das untere Brett, versieht es mit soliden Füssen  und sichert es ggf. gegen Umstürzen im Zimmer. Im Internet gibt es auch einen Anbieter für ähnliche Konstruktionen (http://www.my-goldys.homepage.t-online.de).
Den Außenbereich kann man, egal wie klein er ist, mit für Katzen ungefährlichen Pflanzen (siehe auch http://www.catplus.de/wp-content/uploads/fur-katzen-ungiftige-pflanzen.pdf) anhübschen. Solche Kräuter und Pflanzen sind auch in der Wohnung für Katzen von besonderem Reiz, da sie der Katze Deckung bieten und die Katze besser unsichtbar sein kann.

Erster Tag im Freigehege

Gerüche

Gerüche spielen im sozialen Leben der Katze eine ausgesprochen große Rolle, daher sind Geruchserlebnisse für Katzen auch sehr wichtig und anregend. Katzen genießen den Duft von frischen und getrockneten Kräutern
(z. B. von Baldrian, oder Katzenminze, Thymian, Katzengamander, Salbei) Sie knabbern an den Blättern, parfümieren sich, in dem sie sich an den Pflanzen reiben und wälzen sich vor Wonne. Einen großen Spaß zum Wälzen, Fressen und Schlafen bietet ein Stückchen Rasen. Einfach ein Katzenklo mit einem Gemisch aus Erde und Sand befüllen und Rasensamen oder Katzengras einsäen.
Katzenminze und Baldrian sollte man nicht täglich präsentieren, da sich eine Gewöhnung einstellen kann.
Baldrian- oder Katzenminze- Spielsachen kann man auch preiswert selber herstellen. Besorgen Sie sich im Bastelgeschäft, feste Wattekugeln und in der Apotheke Baldriantinktur. Ein oder zwei Tropfen auf eine Wattekugel (min. 2,5 cm Durchmesser) etwas verdampfen lassen und die Katze rollt hinterher.
Katzenminze, am besten nur die Blätter,-für Kenner unter Ihren Katzen empfehle ich kanadische Katzenminze- trocknen und zerkrümeln, einen Teelöffel voll in ein Wachspapiertütchen /Butterbrottüte einfüllen und in einen alten Socken stopfen und ggf. mit einer Kordel zuschnüren.  Bitte lassen Sie die Katze mit dem Spielzeug nicht allein und verstauen Sie es nach der Spieleinheit katzensicher, da es Katzen gibt, die sowohl die Wattekugeln als auch die Papiertütchen aufessen wollen. Wenn Sie ihrer Katze schon seit langem keine Gerüche von Draußen mehr präsentiert haben, dosieren Sie die neuen Gaben vorsichtig, um sie nicht zu überfordern.
Zu guter Letzt kommen die Pflanzen und Kräuter auch der Verdauung der Katze zu Gute (Grünlilie, Bambus, Katzengras). Da ich schon mehrfach in der Notaufnahme war, weil meinen Katzen ein harter Grashalm (meist Papyrus) im Rachenraum festsaß und in die Nase wandern wollte, biete ich meinen Katzen vorsichtshalber kein Katzengras aus dem Einzelhandel an, sondern nur noch Grünlilie, Bambus und Katzenminze. Die nachhinten gebogenen Papillen der Katzenzunge, machen es der Katze fast unmöglich, etwas wieder auszuspucken oder aus zu würgen. Sollte Ihre Katze, einen Gegenstand im Rachenraum haben, ist dies immer ein Notfall für den Tierarzt, bitte versuchen Sie nicht selbst, den Gegenstand (Schnur, Grashalm, Haargummi etc.) zu entfernen.

Neues von Draußen

Katzen freuen sich über jedes Mitbringsel von draußen. Jetzt im Herbst bieten sich neben trockenen Blättern und Tannenzapfen auch Kastanien, Nüsse, ein Stück Rinde oder Zweige an. Außerdem präsentieren Sie Ihrer Katze etwas zum explorieren. Wenn man dann noch eine Schnur an ein paar trockene raschelnde Blätter bindet, hat man ein wunderbares preiswertes Spielzeug. Zum Erforschen eigenen sich auch Kartons oder Papiertüten -bitte die Trageschlaufen zerschneiden, Strangulationsgefahr. Einen ganz besonders großen Spaß mache ich meinen Katzen mit einem Karton voll Heu oder Stroh. Achtung wenn man einen delikaten Pinkler im Haus hat, sollte man das Risiko nicht eingehen, denn so ein Heuhaufen ist für manche Katze eine zu große Versuchung, fast wie ein etwas feuchter Duschvorleger.

Erbse und Sushi im Strohbad

Ein Vogelbad oder ein Vogelfutterhäuschen vor einem bequemen Fenster bietet der Katze auch wenn Sie nicht da sind, eine willkommene Abwechslung. Alternativ kann man auch an geeigneter Stelle einen  Schmetterlingsflieder anpflanzen. Wenn dann noch für einen guten Ausguck gesorgt ist mit einer erhöhten Liegefläche und einer Tarnung z. B. durch eine Hängeampel mit Grünlilie, kann die Katze nach Herzenslust lauern und beobachten. Wer seiner Katze gesicherten Freilauf bereitet, kann ihr eine Freude machen, wenn er abends ein Licht anmacht, um Insekten anzulocken; ich bange jedoch zu sehr um die Nachtfalter.

Wasserstellen

Ein weiteres Highlight aus Katzensicht ist eine nette Wasserstelle. Fließendes Wasser, aus einem Zimmerbrunnen oder einer Katzentränke erhöhen meistens nicht nur den Wasserkonsum, sondern bieten auch eine Abwechslung (erforschen, ausprobieren, angeln). Wem das zu aufwendig ist, der kann sich mit einer großen Wasserschale behelfen, um die herum wiederrum Pflanzen einen Sichtschutz bieten. Kleine Korkstücke oder Tischtennisbälle animieren um fischen. Das Wasser darf gerne abgestanden sein. Etwas aufwendiger aber umso „leckererer“ wird das Wasser, wenn Sie ein paar Kieselsteine in die Schale legen und ein paar Wasserlinsen auf der Oberfläche schwimmen lassen. Auch hier kann man einen Sprudelstein mit einer Pumpe integrieren. Bitte achten Sie darauf, wenn Sie Wasserpflanzen einsetzten, dass diese ungiftig für Katzen sind.

Fernsehen

Aquarien und Terrarien, sofern sie katzeneinbruchsicher sind, bieten der Katze ebenfalls eine Abwechslung. Wer weder Aquarist noch Terrarienfreund ist, kann sich Katzen DVDs im Internet bestellen, in denen Mäuse quietschen, Vögel zwitschern, Eichhörnchen huschen, und Käfer krabbeln. 90% der von mir getesteten Katzen sprechen positiv auf diese visuellen und auditiven Reize an. Allerdings sollte man die Katze nicht allein lassen, da manche doch recht rabiat mit dem Bildschirm umgehen. (z. B. „Katzenspaß“ „Purrfect DVD – Cat entertainment“). Bitte nicht exzessiv verwenden denn Fernsehen macht auch Katzen dumm. Nach einer Vorführung sollte man versuchen die aufgebaute Spannung mit einem Jagdspiel abzubauen.