Eingewöhnung

Der erste Tag

Nun haben Sie sich für eine oder mehrere Katzen entschieden und stehen mit Ihrer kostbaren Fracht in der Transportbox in Ihrem Zuhause. Überlegen Sie für einen Moment, was dies für die Katze bedeutet. Vor wenigen Augenblicken war sie noch in ihrer gewohnten Umgebung, mit bekannten Geräuschen und Gerüchen, die Menschen und Artgenossen waren ihr vertraut. Sie wusste, wohin sie flüchten konnte, wenn sie sich bedroht fühlte und noch wichtiger, sie konnte einschätzen wo Bedrohung lauern könnte. Verstecke, Schlafplätze, Lieblingsdecken, Futterplatz und Toilette waren Fixpunkte in ihrem Territorium und haben ihr Sicherheit vermittelt. Nun ist von all dem nichts mehr da.

Um Ihrer Katze die Eingewöhnung zu erleichtern, sollten Sie ein paar einfache Vorkehrungen treffen.

 

Ankunft

Richten Sie, vor der Ankunft der Katze, ein Zimmer für sie ein. Stellen Sie eine Katzentoilette, Futter- und Wasserschälchen, eine Kuschelhöhle, einen Pappkarton ein paar Spielsachen auf. Polstern Sie alle potentiellen Verstecke (hinter Sofas, unter Heizkörpern, unter Schränken, …) weich und kuschelig aus, damit sich die Katze in ihrem Versteck wohlfühlt. Wenn möglich lassen Sie sich noch die Lieblingsdecke mitgeben und legen Sie sie auch in das Katzenzimmer.

Lassen Sie die Katze dort aus dem Transporter und lassen Sie sie erst einmal einige Zeit alleine, damit sie das Zimmer erkunden kann, sich an die Geräusche und Gerüche gewöhnen kann. Diese Schutzzone ist umso wichtiger je mehr Konfliktpotential (andere Katzen, Hunde, Kleinkinder)  in ihrem neuen Zuhause wohnt. Die Katze wird sich mit Verstecken und Rückzugsorten vertraut machen und hat im Falle einer Bedrohung einen Fluchtpunkt.

Ein weiterer Vorteil dieses Katzenzimmers besteht darin, dass die Katze nicht mit einem zu großen Bereich überfordert wird. Katzen machen sich ihr Territorium zu eigen, in dem sie ihren Geruch an markanten Stellen hinterlassen. Freundlicherweise machen dies die meisten Katzen in der Wohnung nur durch Köpfchengeben und Flankenreiben. So applizieren Sie aus den verschiedenen Drüsen Pheromone, die zum einen auf die Katze beruhigend wirken und zum anderen Besitz anzeigend sind.

Wenn nun eine Katze in eine völlig neue Umgebung kommt in der viele, vielleicht auch besorgniserregende Gerüche vorherrschen, kann die Katze überfordert sein und greift zu stärkeren Mitteln wie Kratzmarkieren oder Urinmarkieren. Dies kann übrigens auch passieren, wenn Sie beim Reinigen Ihrer Wohnung zu viele dieser Markierstellen und zu viel des Eigengeruches der Katze entfernen.

 

Begrüßung

Unterdrücken Sie Ihre Neugierde und beschwichtigen Sie Ihre Kinder. Für die allerwenigsten Katzen ist eine überschwängliche und stürmische Begrüßung eine Freude. Betreten Sie einzeln und ruhig das Zimmer der Katze. Setzten Sie sich am besten auf den Boden und ignorieren Sie die Katze.

Vermeiden Sie direkten Blickkontakt und vor allem krabbeln Sie nicht unter das Sofa, um der Katze mit Streicheleinheiten klar zu machen, dass sie keine Angst haben muss.

Um die Katze neugierig zu machen, können Sie mit einer Federangel spielen (bitte nicht die Katze anspielen, sondern von der Katze weg spielen), rascheln Sie mit einem Leckerchen, reden Sie sanft mit der Katze und sagen sie oft ihren Namen.

Bedenken Sie, dass Ihre eigene Aufregung und Angst sich auf die Katze übertragen, je nervöser und angespannter Sie sind, umso gefährlicher schätzt die Katze die Situation ein. Der schnellste und einfachste Weg, so meine Erfahrungen aus dem Tierheim, ist sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen. Setzten Sie sich in das Katzenzimmer und lesen Sie etwas, häkeln Sie oder lösen sie Kreuzworträtsel.

Je nach Temperament stellt sich früher oder später der gewünschte Erfolg ein und die Katze kommt aus ihrem Versteck und erkundet Sie.

Lassen Sie die Katze entscheiden, wie lange das Exil dauern soll. Ängstliche Katzen, werden sich länger verstecken und sich zurückziehen, vielleicht nur im Schutze der Nacht, wenn alle schlafen essen und die Toilette benutzen. Für ihre Seelen ist dieser geschützte Raum Balsam. Selbstbewusste und erkundungsfreudige Katzen werden Ihnen nach kurzer Zeit entgegen kommen und Sie begrüßen. Nun können Sie ihnen stückchenweise den Rest ihres neuen Territoriums zeigen.

Vergesellschaftung

Sofern weitere Katzen im Haus leben, stellen Sie die Katzen einander nach einander vor und beobachten Sie die Reaktion. Abwehraggression ist ganz natürlich und gehört zu dem Prozess der Eingewöhnung.

Eskaliert die Situation, setzt eine Katze immer wieder nach, wird eine Katze von einer anderen in einer Ecke fixiert oder wurde eine Katze verletzt, dann müssen Sie die beiden Kontrahenten zunächst wieder räumlich trennen. Bitte bedenken Sie, dass Katzen mehrere Stunden, manchmal sogar ein bis zwei Tage benötigen, um die Aufregung zu verdauen. Daher sollten Sie einen weiteren Versuch erst am darauffolgenden Tag starten.

Bei einer hartnäckigen Abneigung, bleibt Ihnen nichts weiter übrig, als die Annäherung sehr dosiert zu gestalten. Am besten installieren Sie eine Fliegengitter Tür oder einen Holzrahmen, der mit einem Katzennetz oder einem Kaninchendraht bespannt ist, in der Tür des Katzenzimmers. Es ist wichtig, dass die Katzen Sichtkontakt haben und sich riechen können, aber es keine tätlichen Auseinandersetzungen gibt. Von nun an spielen sich alle guten Sachen nur noch in Gegenwart des anderen ab. Essen, Spielen, Schmusen links und rechts der Gittertür, zeigt den Katzen zum einen, dass sie den anderen nicht fürchten müssen und sie verbinden positive Eindrücke mit dem zukünftigen Sozialpartner. Unterschreiten Sie bei diesen Aktivitäten dies- und jenseits der Gittertür nie die erforderliche Distanz. Stellen Sie z. B. Futterschälchen nie direkt an die Gittertür, sondern beobachten Sie alle Beteiligten, wie nah sie einander kommen können und dabei noch entspannt essen können. Verringern Sie die Distanz nur langsam. Kommt es zu einer Auseinandersetzung an der Tür, müssen Sie wieder einen Schritt zurück schalten. Alle zwei bis drei Tage, wechseln Sie die Katzen stundenweise aus. So erhält auch der Neuzugang die Möglichkeit den Rest der Wohnung / des Hauses zu erkunden, Rückzugsorte und Fluchtpunkte kennen zu lernen. Außerdem verhindern sie so, dass der Neuzugang sein Zimmer als sein Territorium betrachtet und beginnt dies zu verteidigen. Aber am wichtigsten ist dieser Umschluss für die Herstellung eines Gruppengeruches. Genauso, wie Katzen bestimmte Objekte mit ihrem Geruch markieren, so werden auch Sozialpartner mit Geruch markiert und es entsteht durch die Nutzung gemeinsamer Liegeplätze ein Gruppengeruch. Dieser Gruppengeruch ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Gruppenstruktur und schließt fremde Individuen aus. Um die Herstellung des Gruppengeruchs zu unterstützen, sollten Sie während der Vergesellschaftung auch Decken und Körbchen zwischen den Katzen austauschen.

Wenn sich die Situation an der Gittertür entspannt hat, können sie die Tür öffnen. Postieren sie sich mit einem Spielzeug und einem Leckerbissen im Türrahmen und beobachten Sie die Kontaktaufnahme. Auch hier gilt eine Abwehraggression (Fauchen, Pfotenhiebe, Verjagen) sind normal, auch hier greifen Sie am besten nur ein, wenn ein Tier in echte Bedrängnis kommt (stundenlanges Fixieren unter einem Möbelstück, Verletzungen, immer wieder aggressives nachsetzten, auch wenn ein Tier die Flucht ergriffen hat und sich zurück gezogen hat….).

Bei Problemen während der Vergesellschaftung wenden Sie sich schnellstmöglich an einen Verhaltensberater oder Tierpsychologen.