Die Anschaffung

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich eine Katze anzuschaffen sollten Sie sich über folgendes im Klaren sein:

Die Katze wird voraussichtlich die kommenden 15-20 Jahre ein Mitglied Ihrer Hausgemeinschaft sein und sollte daher ein integraler Bestandteil Ihrer Lebensplanung sein. Berufliche Veränderung, Familienzuwachs, Umzüge, greifen ganz entscheidend auch in das Leben Ihrer Katze ein.

Eine Katze hat Bedürfnisse, teilweise ganz individueller Natur, die Sie in diesen kommenden Jahren erfüllen werden. Sie braucht neben der Grundversorgung (Futter, Wasser, Kuschelplätzen, medizinischer Versorgung, Toiletten) vor allem Ihre Zuwendung, Beschäftigung, Fürsorge und Pflege. Dies bedeutet finanzielle Aufwendungen und einen nicht unerheblichen Teil Ihrer Zeit.

Die menschliche Bindung ist für unsere Hauskatzen ein elementares Bedürfnis. Über Jahrhunderte wurde die Bindungsfähigkeit der Katze an den Menschen immer stärker heraus gezüchtet. Die Stärke der Bindung an den Menschen hängt sowohl von genetischen Faktoren (Rasse, usw.) als auch von individuellen Erfahrungen ab. Selbst verwilderte Katzen bilden eine Bindung zu ihren Pflegern und nächsten Bezugspersonen aus. Es ist also sicherlich nicht verkehrt die Bindungsmöglichkeit an den Menschen als eines der wichtigsten Kriterien für die Katzenhaltung herauszustellen. Über die Qualität (Spielen/Schmusen/Beobachten) und die erforderliche Dosis (von distanzierten Beobachtern hin zu Schmusekletten) dieser Bindung entscheidet die Katze. Sie sollten sich also frühzeitig fragen, was Sie sich von Ihrer zukünftigen Katze erwarten. Anhänglich und verschmust? Verspielt und erkundungsfreudig? Überlegen Sie auch, ob diese Katze in Ihr Lebens passt. In einen turbulenten Haushalt mit Kindern und Hunden sollte man sicherlich keine ältere Perserkatze aufnehmen, die Ruhe und Frieden sucht. Umgekehrt kann ein Reiz affiner und bewegungsfreudiger Orientale in einem soliden Rentnerhaushalt fehl am Platz sein. Für eine glückliche und dauerhafte Beziehung, ist es erforderlich, dass die Bedürfnisse der Katze nach menschlicher Zuwendung weder ständig frustiert werden (z.B. durch häufige Abwesenheiten der Halter) noch permanent überfrachtet werden, weil der Mensch unter einem Schmusezwang leidet.

Eine Katze sollte nicht alleine gehalten werden, wenn ihr Mensch länger als 8 Stunden außer Haus ist. Rechnen Sie Ihre Abwesenheiten ehrlich zusammen (Arbeitswege, Arbeitszeit, Einkaufen, Sport, Freizeitgestaltung…). Lassen Sie Ihre Katze mit ins Bett? Oder müssen, Sie die Nachtruhe auch zu den katzenlosen Stunden hinzurechnen? Wie viele Stunden am Tag stehen Sie ihrer Katze nun als Sozialpartner zur Verfügung? Kommen Sie bei dieser Rechnung auf täglich weniger als 6 Stunden, in denen Sie Ihrer Katze die Möglichkeit geben, in Kontakt mit Ihnen zu treten, sollten Sie sich keine Katze anschaffen. Diese sechs Stunden beziehen sich auf passive Anwesenheit.

Aktive Ansprache, Schmuse- und Spielzeiten sollten drei Mal täglich für mindestens 15 Minuten von Ihnen initiiert werden. Eine solide Beziehung zwischen Mensch und Katze basiert auf Ritualen und Gewohnheiten. Katzen, gerade Wohnungskatzen, sind ihrem Halter völlig ausgeliefert und können die meisten existentiellen Dinge (Futter, Toilette) ihres Lebens nicht steuern oder kontrollieren. Sie  müssen sich auf ihren Menschen verlassen können. Daher sind für Katzen feste Regeln und Abläufe von so immenser Bedeutung, sie geben ihnen Kontrolle über ihr Leben und dadurch Sicherheit und Struktur.

Eine Katze benötigt Platz. Eine Katze rechnet nicht in Flächen, sondern in räumlichen Strukturen.

Für eine Katze ist nicht die m² Zahl wichtig, vorausgesetzt das Minimum ist gegeben, sondern die Nutzungsmöglichkeit aus Katzensicht. Räumliche Strukturen bilden sich aus einzelnen Räumen, die ruhig klein sein dürfen, wenn sie der Katze die Möglichkeit zum klettern und turnen geben. Im Gegensatz zum Hund, bewegt sich eine Katze von einem Möbel zum anderen. Fensterbänke, Kommoden, Tische, Sofas, Sessel sind Fitnessgerät, Aussichtsplatz, Rennstrecke, und Kuschelplatz.

Stört es Sie, wenn Ihre Katze zwischen Ihren Schreibtischutensilien im Arbeitszimmer herum balanciert oder wenn sie sich sehr malerisch auf ihrem Esstisch drapiert? Finden Sie Haare auf Sofas, Sesseln, und dem Lieblingspullover schwierig? Vielleicht ist dann eine Katze nicht das richtige Haustier für Sie.

Sicherlich kann man bestimmte Möbel zur Tabuzone erklären, z. B. den Esstisch. Aber solche Tabuzonen müssen Ausnahmen sein, da eine Katze mit einer streng reglementierten Umwelt nicht zurechtkommt. Insbesondere einer Wohnungskatze, die ohnehin schon durch die Wohnungshaltung restriktiv beschränkt ist, sollte so wenig wie möglich verboten werden, es sei denn es dient ihrer eigenen Sicherheit (Küche/Herd/Ofen….).

Überlegen Sie sich vorher, wer Ihre Katze während Ihres Urlaubes oder Ihrer Dienstreisen versorgt. Für die Katze ist es immer besser, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung, ihrem Zuhause, versorgt wird. Haben Sie keine Verwandten oder Freunde, die in der Umgebung wohnen, kalkulieren Sie ca. 12-15 Euro pro Tag für einen Katzensitter in Ihr Urlaubsbudget mit ein.

Fragen Sie vor der Anschaffung bei Ihrem Vermieter nach, ob einer Katzenhaltung nichts im Wege steht. Zu den vielfältigen Sicherheitsaspekten gehört auch die eine obligatorisch Sicherung des Balkons und der Fenster. Nehmen Sie für Ihre liebe Katze in Kauf, dass Sie sich letzten Endes selber auf Ihrer hübschen Terrasse einzäunen? Denken Sie auch daran die Zustimmung für die Anbringung der Netzten beim Vermieter oder der Hausgemeinschaft einzuholen.

Sofern Sie Ihrer Katze Freigang gewähren, müssen Sie sich auch darüber in Klaren sein, dass sie Ihnen immer wieder kleine und größere Geschenke von ihren Ausflügen mitbringen wird. Können sie mit toten oder gerade noch lebenden Beutetieren umgehen?