Auf dem Weg zu einem stressfreieren Tierarztbesuch mit Katze

Ich wundere mich immer wieder darüber, was wir unseren Katzen bei einem Tierarztbesuch zumuten, wie gedankenlos viele Katzenhalter mit ihrer Katze im Wartezimmer beim Tierarzt und wie grobschlächtig und verantwortungslos einige Tierärzte mit ihren Patienten umgehen.

Nach einer kläglich gescheiterten Flucht vor dem Halter und der Transportbox, einer wackeligen Fahrt in einem Auto, bei der der Katze schlecht geworden ist und während der die Angst vor dem Unkalkulierbaren mit jedem Atemzug gestiegen ist, finden sich die allermeisten Katzen, eingesperrt in der Transportbox, auf dem Boden eines Tierarztwartezimmers wieder.
Die Katze ist in der Box an der natürlichsten Reaktion bei Stress, der Flucht gehindert. Sie ist Gerüchen ausgesetzt, die Angst auslösen, wie der Geruch von Hunden und anderen Katzen, der ungewohnte Geruch nach Desinfektionsmitteln und Blut und Harn und nicht zuletzt die Angst, der anderen Tiere, die zuvor behandelt wurden. Gleichzeitig ist die Katze vor allem in gemischten Wartezimmern einer Kakophonie an kläffenden Hunden, nörgelnden Kleinkindern und schreienden Vögeln ausgesetzt.

Anstatt sich das aus einiger Höhe wenigstens von oben anzuschauen, stellt der gedankenlose Halter den Transporter auf den Boden zwischen die kläffenden Hunde und fordert die noch gedankenlosere Hundebesitzer nicht einmal auf, ihre aufdringlichen Wautzis von der Transportbox fernzuhalten. Wiederrum anstatt die Tierarzthelferin zu bitten, der kläglich schreienden Katze und sich selber einen stilleren Rückzugsort anzubieten, wird das alles aus gesessen. Übel riechende fremde und bedrohlich wirkende Hunde kommen viel zu nah, genauso wie viele aufdringliche andere Patientenbesitzer, die die Beklemmung einer ängstlichen Katze mit ihrer Neugier noch vergrößern.
Dann wird sie aus dem Transporter gezerrt, auf einem glitschigen und glatten kalten Tisch gesetzt, mit groben Griffen fixiert und anderen schrecklichen Zwangsmaßnahmen ausgesetzt.

Das alles müsste so nicht sein. Ich glaube zwar nicht, dass man der Katze einen stressfreien Tierarztbesuch ermöglichen kann, aber ich glaube, dass man viel tun kann, um den Stress zu reduzieren.
Zunächst sollte man Zuhause mit einem Training die Katze auf den Tierarztbesuch vorbereiten.

  • Die Transportbox sollte ein Möbelstück sein, in dem die Katze unregelmäßig gefüttert wird, in dem es kuschelig ist und die Katze auch hin und wieder schläft. Das schafft man durch ein sogenanntes „Transportboxtraining“. Die Katze wird bei jeder Annäherung an die Box gelobt und belohnt, bis sie sich freiwillig gerne in der Box aufhält. Dann wird die Box kurz verschlossen, später wird die Katze ein wenig in der Box herumgetragen. Sprühen Sie die Box immer wieder, vor allem aber vor einem Tierarztbesuch, mit Feliway ein.
  • Holt man die Transportbox erst hervor, wenn es ernst wird, dient die Transportbox schon als Ankündigung des bevorstehenden Grauens und die Katze ist alarmiert.
  •  Medizinisches Training macht es der Katze leichter mit den Prozeduren während der Behandlung klar zu kommen. Zuhause sollte man von Beginn an jede Katze an gewisse Manipulationen gewöhnen: in die Ohren schauen, Mund aufmachen, Zähne anschauen, Krallen schneiden und abtasten gehören genauso dazu, wie die Simulation einer Injektion (Hautfalte ziehen und mit einem Kugelschreiber leicht pieken). Die Katze kennt dann im Ernstfall die Handgriffe und im besten Fall haben Sie diese Handgriffe mit der Katze bereits mit Vorankündigungen geübt: Wie „Ohr“ für „jetzt fummeln wir an den Ohren rum“, oder „Mäulchen“ um mit einem Zeigefinger ein Leckerchen in den Mund zu schieben, als wäre es eine Tablette. Für die Verabreichung von Spritzen und anderen längeren Maßnahmen, sollten Sie Durchhalteparolen üben. Sogenannte intermediäre Brücken , zeigen der Katze an, dass das Aushalten gleich belohnt wird.
  • Benutzen Sie immer eine Transportbox für den Gang zum Tierarzt. Nehmen Sie Ihre Katze niemals nur an der Leine oder auf dem Arm mit in eine fremde Gegend. Bei einem unvorhergesehenen Schreck, haben Sie keine Chance Ihre Katze, festzuhalten und Ihre Katze hat keine Chance nach Hause zurück zu finden. Viele Katzenbesitzer, haben ihre Katzen bei solchen Abenteuern verloren. Alle Holzkonstruktionen, inkl. den optisch ansprechenden Weidenkörbchen sind unfallträchtig und meist nicht für den Transport geeignet. Bekommt man die Katze zuhause noch hinein, ist es oft schier unmöglich die Katze aus so einem Behälter hinaus zu bekommen. Am besten geeignet sind stabile Hartschalentransportboxen, die sich in der Mitte teilen und nach oben öffnen lassen.
  • Für die meisten Katzen ist es am stressfreiesten, wenn die Katze in der unteren Hälfte in ihrer Box während der Behandlung sitzen bleiben kann. Am besten auf einer Decke die man mit Feliway behandelt hat und die nach der Katze selber riecht. Sehr ängstlichen Katzen kann man helfen, wenn man die Box während des Transportes mit einer Decke abdeckt. Andere Katzen finden es besser, wenn sie sehen können, was vor sich geht oder aus dem Fenster schauen können.
  • Transportboxen mit Katzen gehören während des gesamten Weges von Zuhause zur Praxis, im Wartezimmer und auch im Behandlungszimmer nicht auf den Boden! Tun Sie das Ihrer Katze nicht an!
  • Gibt es keine getrennten Wartezimmer, sind laute Hunde im Wartezimmer, ist es zu eng oder zu laut, bitten Sie im Auto warten zu können oder in einem ruhigeren Raum. Das steht Ihrer Katze zu und katzenfreundliche Praxen bieten dies bereits an!
  • Die meisten Untersuchungstische haben eine glatte und kalte Oberfläche, auf der sich Katzen noch unsicherer fühlen, weil sie keinen Halt finden. Oft wirkt hier eine mitgebrachte Matte Stress reduzierend.
  • Sprechen Sie mit der Katze während der Behandlung sanft und ruhig. Vielen Katzen hilft es, wenn man die Hand über die Augen hält, in der die Katze ihren Kopf verbergen kann. Auch Handtücher, mit der man die Katze zudeckt, gerne mit Feliway behandelt, wirken oft beruhigend.
  • Wenn Ihre Katze darauf anspricht, geben Sie vor, während und nach der Behandlung besondere Leckerchen, dass ändert den emotionalen Zustand der Katze und wirkt gleichfalls Stress reduzierend.
  • Suchen Sie eine katzenfreundliche Tierarztpraxis, die getrennte Wartezimmer für Hunde und Katzen anbietet oder für Katzen Termine vergibt, so dass die Wartezeit minimiert ist. Das Praxisteam sollte im Umgang mit ängstlichen und angstaggressiven Katzen geschult sein und so wenig Zwang wie möglich auf die Katze ausüben. Die/der Tierärzt/in sollte sich durch sanftes und ruhiges Verhalten auszeichnen und auf Katzenerkrankungen spezialisiert sein. Außerdem sollte sie/er Ernährungstipps und Beschäftigungsvorschläge in den Behandlungsplan einbauen und den Halter verständlich und ausführlich über die Krankheit und die Behandlung informieren.
  • Bitte achten Sie auf Ihr eigenes Bauchgefühl, fühlen Sie sich nicht wohl, sind Sie gestresst und empfinden Sie die Atmosphäre bedrückend, so überträgt sich dass nicht nur auf Ihre Katze, sondern Sie können mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass Ihre Katze sich noch schlechter fühlt als Sie.
  • Achten Sie auf das Verhalten der Tierarzthelferinnen oder des / der behandelnden Tierärztin, wirkt sie uninteressiert, grob oder von einem sich sträubendem Tier genervt, verbuchen Sie den Besuch als Erfahrung und suchen Sie eine neue Praxis und ein neues Team.
  • Ihre Katze hat nicht nur ein Recht auf fachlich qualifizierte Behandlung, sondern auch auf eine einfühlsame und sanfte Behandlungsweise.

Absolute Ausschlusskriterien

Das Behandlungszimmer ist ein intimer Platz für Sie und ihre Katze, und kein Kontakthof. Hier werden immer auch lebenswichtige Entscheidungen getroffen. Störungen durch andere Patienten, Telefonate, Besuchen von Nachbarn haben hier genauso wenig zu suchen wie gelangweilte Kinder von Tierärzten, die ein Problem mit den Mathe-Hausaufgaben haben.
Das würden Sie sich bei Ihrem Hausarzt auch verbitten.
Behandlungszimmer und Vorzimmer müssen räumlich getrennt sein, weil die Behandlung sonst immer wieder unterbrochen wird, weil jemand etwas abholt oder bezahlen möchte.

Seinen Sie skeptisch, gerade bei einer Diagnose, die mit einer Langzeittherapie zusammenhängt. Ihnen sollte Ihre eigene Gesundheit auch eine zweite Meinung wert sein. Bei Ihrer Katze sollten Sie das nicht anders handhaben.
Augen auf beim Diätfutterkauf! Viele Tierärzte empfehlen das Einfachste, eine Fertigdiät, im besten Fall weil sie damit eine Verbesserung der Ernährung erreichen, im schlechtesten Fall weil sie daran verdienen. Fragen Sie nach, woraus das Futter besteht, welche Verbesserung es darstellt, wie die Diät funktioniert und welche Alternativen es zu einem Fertigfutter gibt. Gerade bei der gängigsten Katzen-Spezial-Diät, der Nierendiät, gehen die Meinungen der Tierärzte weit auseinander, da die herkömmlich proteinreduzierte Nierendiät ein zweischneidiges Schwert ist, dass bei vielen Katzen eine Abwärtsspirale einleitet.

Schnippigkeiten und Patzigkeiten bei Rückfragen oder bei Unverständnis bezahlen Sie mit, also überlegen Sie sich, ob Sie so eine Behandlung weiter genießen wollen.

Gerade bei Katzen muss der Halter ganz entschieden eingreifen, wenn die angewendeten Praktiken in Grausamkeit umschlagen. Einer sich sträubenden Katze einen Maulkorb aufzusetzen und dem ahnungslosen Halter noch zu erklären, dass dies die Angst verringert, ist tierschutzrelevant, ungeachtet der großen Verletzungsgefahr, denn eine Katze ist kein Hund!
Bei der Behandlung einer Katze und gerade bei einer ängstlichen Katze ist das Motto immer: So wenig Zwang wie möglich! Alle Restriktionen vergrößern die Angst und die Gegenwehr automatisch!
Fixieren oder Clipping sind bereits harte Bandagen für eine ängstliche Katze. Eskaliert die Situation muss ein seriöser Tierarzt die Behandlung unterbrechen und sich andere Wege einfallen lassen, die entsprechende Prozedur durch zu führen.
Eine gute Katzenpraxis macht aus, dass dort Fachärzte arbeiten, die sich hinsichtlich der speziellen Erkrankungen der Katze weitergebildet haben und bei der Organisation des Praxisablaufes dem speziellen Wesen der Katze Rechnung tragen.
Bei der Suche kann ihnen die vom bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte e. V.) verliehene Auszeichnung „Service Plus für Katzen“ helfen.