Babyalarm – wie sage ich’s meiner Katze?

Immer öfter landen Katzen im Tierheim, weil sie eifersüchtig oder aggressiv auf den neuen Familienzuwachs reagiert haben sollen.

Mit eine paar einfachen Verhaltensmaßnahmen könnten sich die Eltern die Sorge und der Katze die Abgabe ins Tierheim ersparen.

Ganz grundsätzlich sind Veränderungen aller Art für die meisten Katzen verstörend und irritierend.

Für die nahende Ankunft des Babys werden neue Gegenstände und Möbel in die Wohnung gebracht, ein Zimmer wird frisch gestrichen, Möbel werden gerückt, Handwerker bevölkern das Rückzugsgebiet der Katze. Die meisten Eltern sind oft zu sehr mit sich und der Ankunft ihres Nachwuchses beschäftigt und übersehen, dass sie die Katze bereits vor der Ankunft des Babys vernachlässigen und großen Veränderungen aussetzen.

Der Lebensraum der Katze verändert sich und wird oft restriktiv beschränkt, denn das neue Kinderzimmer wird oft zu einer Tabuzone für die Katze.

In ihrer Homezone gibt es auf einmal eine verschlossene Tür, hinter der sich vermeintliche Gefahren verbergen können, aber die Katze kann das Zimmer nicht inspizieren und muss also lernen, mit einer verschlossenen Tür, die womöglich nichts Gutes beherbergt, zu leben. Zudem überträgt sich die meist vorhandene Aufregung und Nervosität ihrer Menschen schnell auf die Katze.

Gerade reine Wohnungskatzen begreifen solche Aktivitäten und Neuerungen als einen massiven Eingriff in ihr Territorium, aus dem sie sich nicht zurückziehen können und dessen Kontrolle ihnen aus den Pfoten genommen wurde. Wir haben sie in dieses Territorium eingeschlossen und sollten versuchen ihnen, das Gefühl der Sicherheit und Kontrolle zurück zu geben.

Bereits hier sollten die Menschen also ihre Strategie ändern.

Tun Sie sich und der Katze einen Gefallen, und richten Sie das Kinderzimmer nicht erst zwei Tage vor dem D-Day ein, sondern geben Sie der Katze die Chance die einzelnen Veränderungen, neue Möbel, Renovierungen, Umbauarbeiten zu verarbeiten, in dem Sie die einzelnen Maßnahmen nicht an einem Wochenende durchführen, sondern Schritt für Schritt.

Versuchen Sie den Rest der Wohnung möglichst unverändert zu lassen und sorgen Sie dafür, dass Ihre Katze bei allen Turbulenzen (Lärm, fremde Menschen, Hektik) immer einen sichern Rückzugsort hat.

Machen Sie Ihre Katze mit den Veränderungen sukzessive vertraut, in dem Sie mit ihr in der veränderten Umgebung spielen und ihr erlauben alles gründlich zu erforschen.

Geben Sie der Katze die Gelegenheit sich ausführlich mit den neuen Möbeln und Gegenständen vertraut zu machen, beziehen Sie die Katze in den Veränderungsprozess mit ein.

Zeigen Sie Ihrer Katze, die Windeltonne, die neue Spieluhr und das Mobile, so dass dies alles bekannte Geräusche und Gerüche sind und keine Neugier oder Verunsicherung mehr erzeugen, wenn das Baby nach Hause kommt.

Zeigen Sie ihr die Wickelkommode und das Kinderbettchen und trainieren Sie von Anfang an konsequent, dass diese beiden Gegenstände keine Katzenspielplätze sind.

Springt die Katze auf die Kommode oder in die Wiege, nehmen Sie sie sanft herunter. Beobachten Sie die Katze genau und unterbrechen Sie bereits die Absicht auf diese Möbel zu springen, mit einem klaren ruhigen Nein. Loben Sie sie ausgiebig, wenn sie von ihrem Vorhaben Abstand nimmt. Heben Sie sie immer wieder ruhig herunter, wenn sie dennoch darauf springt.

Verliert ihre Katze nicht von alleine das Interesse an diesen beiden Plätzen, dann verwenden sie anonyme Strafen, um die Attraktivität dieser Dinge zu verringern. Kleben Sie doppelseitiges Klebeband auf die Wickelkommode, platzieren Sie Plastikflaschen mit Murmeln oder Centstücken auf dem Bett, die herunterfallen, wenn die Katze hinauf springt. Oder füllen Sie die Wiege mit derart gefüllten Plastikflaschen, so dass die Katze keinen gemütlichen Platz findet um darin auszuruhen. Die Maßnahmen müssen bis zum Tag der Ankunft des Babys aufrecht gehalten werden.

Machen Sie sich klar, dass Sie die Neugier der Katze nur verstärken, wenn Sie ihr den Zugang zu dem neuen Zimmer komplett verwehren.

Möchten Sie zukünftig nicht, dass die Katze das Kinderzimmer betritt, sollten Sie Ihrer Katze die Möglichkeit geben, das Geschehen im Kinderzimmer z. B. durch den Einbau einer Fliegengittertür verfolgen zu können.

Laden Sie Mütter mit Säuglingen ein, damit die Katze sich mit den Geräuschen, den unkoordinierten Bewegungen und dem Geruch nach Babypuder und Öl vertraut machen kann. Bestärken Sie ihre Katze mit Leckerchen, Spieleinheiten oder Clickertraining positiv, wenn sie in Gegenwart des Kindes entspannt.

Reagiert ihre Katze ängstlich auf Gekreisch und Gebrüll, nehmen Sie die Geräusche auf und spielen Sie sie immer wieder ab, zunächst sehr leise. Entspannt die Katze mit der Zeit bei den unvertrauten Geräuschen, können Sie sie Lautstärke langsam erhöhen. Spielen Sie während dessen mit der Katze und lenken Sie sie ab. Es gibt mittlerweile auch Trainings Cds im Handel mit einer genauen Trainingsanleitung (www.tierverhaltenstherapie-shop.de/cd-trainingsprogramme-c5893156).

Bringen Sie Kleider und Windeln des eugeborenen Babys aus dem Krankenhaus mit nach Hause und gegeben Sie der Katze die Möglichkeit sich mit dem Geruch vertraut zu machen.

Da gerade Gerüche für die Katze, im Rahmen der sozialen Kommunikation, von überaus großer Bedeutung sind, sollten Sie alle Pflegeprodukte bereits vorher an sich selber anwenden, damit auch das für die Katze nicht Neues ist und weder Neugier noch Aufregung auslöst. Es gehört dann einfach zum Gruppengeruch und erleichtert Ihrer Katze, das Baby als Teil dieser Gruppe zu verstehen.

Wenn Sie Ihre Katze in den Wochen vor der Ankunft freundlich und geduldig durch diesen Veränderungsprozess führen, haben Sie am entscheidenden Tag eine ruhige und entspannte Katze, die das neue Familienmitglied nicht als Bedrohung erleben muss.

Nun ist der Tag gekommen und das Baby zum ersten Mal in seinem neuen Zuhause.

Viele Katzen interessieren sich nicht im Geringsten für das haarlose, kreischende und komisch riechende Etwas und sind lediglich etwas verdrießlich, ob der unerfreulichen Veränderungen.

Andere Katzen reagieren mit Angst. Dies Angst und Verunsicherung erfährt ungewollt Verstärkungen, wenn sich der Tagesablauf der Katze verändert, wenn Schmuse- und Spielstunden entfallen, die Fütterung nicht zur gewohnten Zeit erfolgt oder die Katze grundsätzlich mehr aus dem Familienleben ausgeschlossen wird. Auch hier gilt den Gewohnheiten der Katze nach Möglichkeit zu entsprechen. Feste Rituale und Gewohnheiten geben der Katze Sicherheit und reduzieren somit Verunsicherungen und Irritationen.

Neben dem veränderten Verhalten der Halter, deren Nervosität und Aufregung ist die Katze unter Umständen auch mit vielen Besuchern konfrontiert, die das Baby kennenlernen wollen. Bemerken Sie, dass Ihre Katze sich zurückzieht oder in anderer Weise Zeichen von Überforderung zeigt, nehmen Sie sich etwas Zeit für eine Spielstunde und helfen Sie Ihrer Katze so zu entspannen.

Geben Sie der Katze möglichst viele positive Erlebnisse (Futter, Zuwendung, Spiel) in Gegenwart des neuen Familienmitgliedes, damit ihre Katze Angenehmes mit dem neuen seltsamen Wesen verbindet.

Wenn Sie Ihrer Katze die Chance geben, sich auf die Veränderungen, die die Ankunft eines neuen Familienmitgliedes mit sich bringen einzustellen, werden Sie ein harmonisches und friedvolles Miteinander erleben. Ihrem Kind geben Sie gleichzeitig die Chance mit einer anderen Spezies aufzuwachsen, was erwiesenermaßen die Entwicklung von geistigen und emotionalen Fähigkeiten befördert.