Erstausstattung – Was braucht die Katze wirklich? Ratgeber für werdende Katzenhalter

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Vor dem Hochregal mit unterschiedlichen Katzentoiletten steht ein junges Pärchen. In ihrem Einkaufswagen liegen bereits Näpfe, ein Katzenbett, der obligatorische Weidenkorbtransportkäfig, ein paar Spielsachen, eine Kratzmatte und Trockenfutter– eine klassische Erstausstattung für das neue feline Familienmitglied. Die Wahl der besten Toilette fällt ihnen augenscheinlich besonders schwer, da mittlerweile landläufig bekannt ist, dass Katzen sehr delikate Wesen sind, geht es um ihre Hygiene. Schließlich greifen sie nach dem Klassiker ein mittelgroßes Haubenklo mit Klappe.

Ich hoffe bei mir, dass bei ihnen eine einzelne tolerante, nicht zu große Katze einzieht, die Erfahrungen mit Katzenklappen hat und sich damit arrangiert in eine stickige dunkele Höhe zu klettern, in der sie sich kaum umdrehen kann und in der es ihr nicht möglich ist, die Umgebung zu observieren.

Die Wahl der falschen Toilette kann ein Kardinalfehler sein und die Beziehung zur Katze von Beginn an belasten.

Die ideale Toilette

Bei der Wahl der Toilette sollten Sie sich bewusst machen, dass die Toilette die essentiellste Ressource der Katze ist, da sie einen Ausscheidungsort braucht.
Die ideale Toilette erfüllt für eine Katze folgende Kriterien:

•      Sie hat einen barrierefreien Zugang, das bedeutet sie ist immer zugänglich, witterungsgeschützt, behinderten gerecht bzw. den körperlichen Einschränkungen des Alters entsprechend mit einem niedrige Einstieg versehen, gewährt Bewegungsfreiheit, so dass sich die Katze umdrehen und scharren kann, ohne an den Rändern oder Wänden anzustoßen.

•      Sie steht an einem störungsfreien Standort, das bedeutet: nicht in unmittelbarer Nähe zu Schlaf-, Futter- und Wasserstellen, istunzugänglich für Hunde und Kleinkinder, ist keinen Raum für Schreckerlebnisse oder andere Störungen wie Wasserspritzer aus der Dusch oder der Schleudergang der Waschmaschine und  sie sollte standsicher sein und nicht kibelig

•      Sie ist eine echte Safety-Zone, das bedeutet hier erfolgen keine Übergriffe um Medikamente zu geben oder die Katze einzufangen. In der Toilette es gibt keine Strafen! z. B. . nach einem Malheur die Katze in der Toilette festzusetzten

•      Sie bietet maximalen Überblick bei gleichzeitig größtmöglicher Sicherheit, dies bedeutet, dass die Toilette sowohl einen guten Überblick auf mögliche Gefahren als auch einen Sichtschutz (Zimmerpflanze) gegen mögliche Störenfriede bietet.

Haubentoiletten sind oft ungeeignet, da sie den Katzen den Überblick nehmen, nur einen Fluchtweg zulassen, die Bewegungsfreiheit beschränken und den Uringeruch konzentrieren, was auch für die sensible Nase der Katze sehr unangenehm ist. Wir sollten nie vergessen, dass die Toilettenbenutzung der Katze ein Entgegenkommen uns gegenüber darstellt. Der richtige Ort bietet Privatsphäre und Überblick bzw. Sicherheit. Laute Geräusche, Spritzwasser, Durchgangsverkehr, Bedrohungen jeder Art führen, neben fehlendem Toilettenmanagement, rasch zu Problemen bei der Toilettennutzung.

Die Einstreu

Neben dem Standort und der Toilettengröße und Form ist die Einstreu ein weiterer k.o.-Faktor bei der Katzenhygiene. Die meisten Katzen bevorzugen einen fein-sandigen Untergrund. Die Einstreu sollte weich und möglichst staubfrei, sehr saugfähig und geruchsbindend sein. Die Streu sollte nicht kleben und an den Fußballen oder im Fell der Katze hängen bleiben und min. 5 cm hoch eingestreut werden.

Aber nicht nur bei der Wahl der Katzentoilette kann man die falsche treffen, sondern auch viele andere Katzenbedarfsartikel sind für den Menschen und nicht für die Katze gemacht.

3                Katzentransportbox – Sicherheit und Platzkomfort:
Haben Sie schon einmal versucht eine sich sträubende Katze aus diesen ansprechend hübschen Weidentransportkörben heraus zu pflücken? Vermutlich gibt es keine Tierarzthelferin, die nicht schon einmal vor der unlösbaren Aufgabe stand eine verängstigte und aufgebrachte Katze aus diesem Behältnis zu holen. Verletzungen bei beiden Parteien sind vorprogrammiert. Die Katze hält sich an den harten und spitzen Weidenstreben fest. Doch das ist nicht das einzige Manko. Die nach inne gebogenen Enden der Weidenzweige im Inneren des Korbes stellen für eine aufgeregte Katze eine große Verletzungsgefahr dar. Hat sich die Katze einmal in einem solchen Korb verletzt, ist die Chance sie wieder hinein zu verfrachten gering. Fällt ein solcher Korb einmal auf den Boden, weil die Katze unruhig ist oder einfach, weil er unglücklich abgestellt wird, man im Auto bremsen muss, splittern die harten Weidenzweige und die Katze kann sich dabei erheblich verletzten und was oft noch folgenreicher ist -entkommen. Auch der Verschluss ist wenig komfortabel und mit der Zeit eine echte Sicherheitslücke.

Eine gute Transportbox ist aus Hartschalenplastik, gut belüftet, in der Mitte teilbar und lässt sich auch von oben öffnen, so dass auch eine sich sträubende Katze heraus und hinein bugsiert werden kann. Sie bietet auch der ausgewachsenen Katze genug Platz zu sitzen und sich herum zu drehen. Sie sollte sich gut reinigen lassen, ausbruchsicher sein und stabile Tragegriffe haben. Es gibt mittlerweile auch Modelle, die im Auto mit dem Sicherheitsgurt fixiert werden können. Die Schwachstellen sind häufig die Verschlüsse der vorderen Tür und die Befestigung der Tragegriffe.

Bei Tragetaschen aus Nylon muss auf ausreichen Platz und die Belüftung geachtet werden. Die Tasche sollte in keinem Fall beim abstellen in sich zusammenfallen, sondern ausreichend Stabilität aufweisen und ausreichend groß sein. Der Vorteil einer solchen Tasche ist der Umhängegurt, der sicheres und einfaches Tragen ermöglicht und im Vergleich zur Transportox, einen schaukel- und ruckelfreien Transport ermöglicht.

Wasser- und Futternäpfe

Auch hier gibt es eine unüberschaubare Auswahl an Materialien, Designs und Formen. Nach Möglichkeit sollten die Näpfe aus Keramik sein, weil sie hygienischer sind als Plastiknäpfe und viele Katzen den Geruch von Metall nicht leiden können. Die Näpfe sollten gut zu reinigen und standfest / rutschfest sein. Katzen begrüßen flache und weite Gefäße, da sie ungerne mit den Barthaaren an den Rändern anstoßen. Die Schnurrhaare dienen bei der Futter und Wasseraufnahme der Prüfung der Nahrung (Textur und Temperatur), muss die Katze die Schnurrhaare dicht an die Wangen anlegen, um in das Gefäß zu gelangen, gelingt dies der Katze nicht. Für hektische Esser und Schlinger, die zu häufigem Erbrechen nach dem Essen neigen, gibt es mittlerweile auch Antischlingnäpfe, deren Bodenstruktur, eine zu schnelle Futteraufnahme verhindern. Älteren Katzen mit Gelenkerkrankungen kann man Essen und Trinken vereinfachen, indem man die Näpfchen auf etwas drauf stellt, damit sich die Katze nicht herunter bücken muss.
Den Wasserkonsum der Katze kann man einfach steigern, indem man an verschiedenen Stellen (Durchgangspassagen) in der Wohnung Wasser anbietet. So nimmt die Katze auf ihren Streifzügen durch ihr Revier immer mal wieder einen Schluck. Die Näpfe sollten täglich gründlich gereinigt werden und das Wasser täglich erneuter werden. Einige Katzen bevorzugen abgestandenes Wasser. Bieten Sie ihrer Katze daher in einem großen Gefäß z. B. auf dem Balkon eine weitere Wasserquelle an und tauschen Sie hier das Wasser nur wochenweise aus. Auch Trinkbrunnen können die Wasseraufnahme der Katze steigern, da viele Katzen fließendes Wasser lieben. Aus einer großen Schale mit einer kleinen Pumpe, einen hübschen Stein und einer ungiftigen Wasserpflanze wird schnell ein optischer Hingucker, nicht nur für unsere felinen Freunde.
Futterautomaten gibt es in Hülle und Fülle, und mit enormen Preisunterschieden. Hier muss man sich genau informieren und sich klar machen, wozu man den Futterautomaten einsetzen will. Die Automaten können der Fütterung der Katzen in unserer Abwesenheit dienen, die Katze zur Selbstversorgung auffordern oder unsere Nachtruhe schützen, wenn ein Mitternachtssnack erforderlich ist. Generell sollte man Futterautomaten nur einsetzten um maxi mal 1-2 Mahlzeiten zu überbrücken. Verlässt man sich für eine längere Abwesenheit auf diese Geräte, können Stromausfälle oder andere Unvorhersehbarkeiten das Leben der Katze gefährden.

Der Kratzbaum

Die Katze ist in erster Linie ein Forscher, ihre Neugier ist sprichwörtlich, dazu gehört sich Dinge aus verschiedenen Perspektiven anzuschauen, am liebsten aus einer sicheren Höhe. Die Erschließung des Raums, durch Klettermöglichkeiten, Laufstege (cat-walks), Aussichtspunkten und Höhlen stellt für die Katze Lebensqualität dar. Jeder Schrank der erklommen wird, jedes Regalbrett, über das sie tigert und jede Fensterbank auf der sie sich dekorativ drapiert, sind Fitness-Parcours, Wohlfühloase und Abenteuerspielplatz in einem. Der Kratzbaum sollte als Ergänzung zu diesen vorhandenen Möglichkeiten gedacht sein und nicht die einzige erlaubte Kletterstelle im Haus sein. Trotzdem ist der Kratzbaum ein elementarer Bestandteil der Katzenausrüstung, der vielfältige Bedürfnisse der Katze erfüllt und daher mit Bedacht ausgewählt werden sollte. Die Katze nutz den Baum für Kratzmarken und zur Krallenpflege, zum Ruhen, zum Beobachten, zum Spielen und Turnen. Ihre Katze sollte mindestens einen, nach Möglichkeit deckenhohen Kratzbaum haben. Stabilität und Standfestigkeit entscheiden, ob die Katze den Kratzbaum nutzen möchte, denn er sollte nicht kippeln oder wackeln, selbst wenn die Katze während ihrer schrecklichen Fünfminuten mit Karacho, die Stämme hoch jagt. Auch der Standort entscheidet darüber, ob der Kratzbaum zu Mietzes Lieblingsaufenthaltsort wird. Er solle nicht in einem Abstelltraum stehen, sondern im Herzen des familiären Lebens und einen interessanten Ausblick aus dem Fenster bieten. Die Liegeflächen und Höhlen sollten so groß sein, dass die Katze gemütlich darauf oder darin liegen kann. Ein entspanntes Nickerchen in Hängematten und Kratzbaumhöhlen genießt die Katze im Allgemeinen mehr, wenn diese sich nicht in Bodennähe befinden, sondern dem Sicherheitsbedürfnis der Katze entsprechend erhöht angebracht sind. Die Kratzstämme sollten der Katze die Möglichkeit bieten sich beim Kratzen zur vollen Größe aufzurichten. Für bewegungsfreudige Katzen bieten sich Kratzbäume an, die einen durchgehenden Stamm bis zur Decke haben. Ihre Katze wird Ihnen dankbar sein, wenn Sie ihrer Leidenschaft zu klettern und von erhöhten Aussichtsflächen zu beobachten, Rechnung tragen und den Kratzbaum mit einem Übergang zur Anrichte oder zum Kleiderschrank erweitern.

Die Liegeplätze

Alle Katzen haben eigene Vorstellungen von einem idealen Schlafplatz. Aber in der Regel muss er immer weich und warm und kuschelig sein. Manche Katzen benötigen viel Privatsphäre und ziehen eine Schlafhöhle einem offenen Körbchen oder einer Liegemulde vor. Bei vielen Katzen ist das auch eine Frage der Tagesform. Höhlen lassen sich schnell mit einem Pappkarton herstellen oder räumen Sie ein Fach in Ihrem Kleiderschrank leer. Die meisten Katzen bevorzugen Körbe oder Höhlen, in die sie gerade so rein passen und Materialien in die sie nicht zu sehr einsinken. Zu große Rückzugsorte mit undefinierbarem Untergrunde werden oft abgelehnt. Jeder Katze sollten mehrere Schlaf-, Rückzugs- und Aussichtsplätze angeboten werden. Ein geeigneter Platz findet sich an einem ruhigen warmen Ort mit gutem Beobachtungspotential (Kratzbaum vor einem Fenster). Im Winter sind Heizungsliegen sehr beliebt. Auch beim Kauf einer Heizungsliege sollten Sie die Konstruktion auf Stabilität und Sicherheit prüfen, denn fast alle Katzen lehnen kippelige und wackelige Modelle ab.
Großer Beliebtheit erfreuen sich auch Kisten und Wannen mit Heu oder Stroh, die sich besonders für den Balkon eignen und neben natürlichem Liegekomfort auch interessante Geruchserlebnisse mit sich führen. Mit etwas Geschick lässt sich auch aus einer alten Katzentoilette, etwas Erde und Rasensamen eine Miniaturwiese zaubern, die der Katze an heißen Sommertagen eine willkommene Abkühlung verschafft.

Das Spielzeug

Katzen sind wie gesagt Forscher, erfinderisch und neugierig. Sie machen aus allen Alltagsgegenständen, die sie mit den Pfoten manipulieren können, wie Plastikverschlüssen, Papiertüten, Korken oder Kabelbindern ein reizvolles Spielzeug. Oft bringen Alufolienkügelchen, Tischtennisbälle, Pappkartons, mit Raschelpapier ausgestopfte alte Socken, Fummelbretter aller Art größere Spielspannung und Spaß mit sich, als die teuer gekaufte große Stoffmaus, mit der die Katze oft nichts anzufangen weiß.

Interessant ist Spielzeug, wenn es sich wie Beute verhält, wenn es vor der Katze wegläuft und nicht auf sie zu (Angriff), was krischpelt und kraschpelt, ruckt und krabbelt, innehält und schnell weiter raschelt. Mäuse laufen nicht über den Teppich, sondern sie suchen Deckung an Teppichkanten, in Ecken und hinter Stuhlbeinen und in Nischen. Offene Flächen überwinden sie rennend, um dann schnell innezuhalten und sich umzuschauen oder totzustellen. Wenn Sie mit einem Spielzeug den Bewegungsablauf eines Beutetiers imitieren, sprechen Sie ganz automatisch das Beutefangverhalten der Katze an und sie beginnt zu spielen. Je kleiner das Spielgerät am Anfang ist umso geringer ist das Misstrauen.

Zu einer soliden Grundausstattung gehören Federangeln (Da Bird), Catdancer, Pfauenfedern, Baldriansäckchen oder Catnipspielzeug, und Bällchen. Große Attraktivität erfreuen sich die kleinen Hexbugs, kleine elektronische Insektenattrappen mit schnellen und ruckenden Bewegungsmustern und leise surrendem Geräusch.

Noch ein Wort zum Laserpointer. Er ist ein gutes Distanzspielzeug, und es macht uns viel Freude, die Katze damit zu necken, aber das Frustrationspotential ist hier enorm, denn anders als bei einer Federangel, hat die Katze hier niemals einen Jagderfolg. Verstecken Sie vor einer Session mit dem Laserpointer einige Leckerlis und führen Sie die Katze im Verlauf der Jagd zu diesen Verstecken, dieser Jagderfolg wertet das Spiel für ihre Katze auf.

Hier noch ein allgemeiner Hinweis. Spielzeug, das zur freien Verfügung steht, nutzt sich, wie bei Kindern, schnell ab und die Katzen verlieren das Interesse an ihnen. Also lassen Sie immer nur einzelne Bällchen oder Kuschelkissen liegen, verstauen Sie die anderen außer Sicht der Katze – gerne in einer Kiste mit etwas Katzenminze oder Baldrianwurzel. Alle Spielsachen mit einer Schnur oder einer Kordel stellen eine potentielle Gefahr dar, da sich vielfach Katzen mit ihrem eigenen Spielzeug stranguliert haben oder größere Stücke verschluckt haben. Daher sollten Sie nach dem Gebrauch weggepackt werden.

Fellpflege & Krallenpflege

Die meisten kurzhaarigen Katzen benötigen keine spezielle Fellpflege. Einige Katzen lieben es dennoch gebürstet zu werden und genießen die Zuwendung und die sanfte Massage. Einige Langhaarrassen (Norweger, Sibirische Waldkatze) kommen ebenfalls so gut wie ohne Kamm und Bürste aus. Sie benötigen nur gelegentlich unsere Unterstützung, wenn bestimmte Partien stark verschmutzt sind oder wenn die Beweglichkeit im Alter eingeschränkt ist. Andere Langhaarrassen wie z. B. die Perserkatzen benötigen regelmäßige Fellpflege. Hier empfiehlt sich ein Spezialkamm (z. B. der Furminator), der gegen die Verfilzung ankommt.
Krallenpflege wird vor allem bei älteren Katzen erforderlich, die die Krallen nicht mehr einfahren können und selber mit der Pflege überfordert sind. Hierfür eignen sich spezielle Krallenscheren. lassen Sie sich die Verwendung von Ihrem Tierarzt zeigen.

Klassische Irrtümer Nr. 2 „Ich bin hier der Chef! – Die Mär von Rangordnung und Dominanzbeziehungen und warum sie so hartnäckig in den Köpfen der Menschen überdauert.“

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Rangordnung und Dominanzbeziehungen – ein göttliches Naturgesetz?

Immer wieder werde ich während meiner Arbeit mit dem Konzept der Hierarchie und der Rangordnung konfrontiert, immer wieder bin ich irritiert über die zähe Langlebigkeit mit der sich diese Idee in den Köpfen der Menschen verewigt und wie sie immer wieder aufs Neue an die nachfolgenden Generationen weiter gegeben wird, als handelte es sich dabei um ein unumstößliches Naturgesetz.

Üblicherweise nehmen die Halter erst zu mir Kontakt auf, wenn eine Vergesellschaftung schon eskaliert ist. Meist haben sie den Rat von Züchtern oder Tierheimmitarbeitern beherzigt und die neue Katze zu Hause einfach aus dem Transporter geschüttelt und dann die Katzen sich selbst überlassen, im guten Glauben, die Katzen müsste erst einmal eine Rangordnung auskämpfen. Allerdings: Wenn sich die Katzen bereits mehrere Wochen bekriegt haben, kommt meist jede Hilfe zu spät und der Neuzugang muss das Feld wieder räumen.

Worum geht es bei dem Konzept von der Rangordnung?

Das vereinfachte Konzept der Rangordnung und Dominanzbeziehung ist vor allem unter Hundehaltern weit verbreitet. Es wird dabei meist als ein starres lineares Gebilde, in dem das ranghöchste Rudelmitglied, alle anderen Gruppenmitglieder reglementieren darf, verstanden. Der im Rang folgende darf dann alle anderen unter ihm reglementieren – und so weiter, bis der Rangniedrigste niemanden mehr hat, den er reglementieren kann. Die jeweils Rangniederen zeigen keine Gegenwehr, höchstens Beschwichtigung.

Die Idee der Rangordnung scheint simpel, da man sich als Halter nur an die Spitze der Hierarchie setzten muss, damit der Hund einem dann unterwürfig gehorcht.

Diese Simplifizierung canider Beziehungssysteme vermengt ethologisches Halbwissen über Wölfe und Hunde gefährlich mit dem Allmachtswunsch vieler Menschen bzw. Hundehalter.

Wer möchte, kann gerne mal „Hundeerziehung & Rangordnung“ googeln und schon stößt man auf einen warmen Regen baren Unsinns.

·         der Hund darf nie zuerst essen,

·         der Hund muss uns immer aus dem Weg gehen und uns Platz machen,

·         der Hund darf nie vor einem laufen,

·         der Hund darf nicht auf dem Sofa liegen,

·         der Hund darf beim Spiel niemals gewinnen

·         usf.

Besonders obskur: Der Ranghöhere darf den Rangniederen willkürlich belästigen sowie der „gute Rat“, sich hin und wieder mal in den Hundekorb zu setzen, um zu demonstrieren, dass der Hund keinen Privatbesitz hat und die absolute Verfügungsgewalt beim Menschen liegt.[1]

Der Halter setzt nach diesem Konzept seinen Rang durch ein vielfältiges System von passiver und aktiver Aggression durch. Es entstehen immer neue kuriose und obskure Regeln: so muss der Hund permanent Blickkontakt suchen, egal ob er beim Gassi gehen deswegen ständig gegen Laternen donnert, oder der Hund muss sodann anonym gefüttert werden, weil der „Rudelboss niemals Futter abgeben” würde. Auch das ist wahr: Es gibt tatsächlich Hundehalter, die mit einer Spritze eigenem Urins, die Harnmarken ihre Rüden übermarkieren …

Hunde werden herum gezerrt und unterworfen, indem man sie wortwörtlich auf den Rücken schmeißt, es ist auch keine Sünde sie mit Blechnäpfen zu malträtieren, sondern eine anerkannte Trainingsmethode, genauso wie das an „Führhilfen“ – als solches bereits eine Infamie – durch die Gegend zerren oder in den Nacken kneifen.

Ach so, nicht zu vergessen: In innerartliche Konflikte, sei es auf Spaziergängen oder in den eigenen vier Wänden, darf der Halter jedoch nicht eingreifen, da die Klärung der Rangordnung ja nun mal ein Naturgesetz ist. Und so muss der Schwächste ein elendes Dasein als Prügelknabe führen.

So erschafft man keinen stabilen und souveränen Hund, sondern einen verängstigten Prügelknaben, der ständig auf der Hut sein muss, damit er alles richtig macht, nicht auffällt oder stört, der dulden muss belästigt und gegängelt zu werden, der ständig versucht zu beschwichtigen, der niemals gewinnen darf und sich ständig unterordnen muss. So eine Hundeseele hat mein tiefstes Mitgefühl.

Wie das Konzept der Rangordnung entstanden ist und die vier eklatantesten Irrtümer auf denen es fußt:

Die meisten Vertreter der Rangordnungs-Theorie berufen sich dabei auf die „natürliche Ordnung“ in Wolfsrudeln. Diese Rudel funktionieren nach Meinung der Rangordnungs-Verfechter nur über Dominanz und Unterwerfung. Freundschaft, Toleranz, Rücksicht und Kooperation tauchen in diesem Rudel-Model nicht auf.

Die angebliche Ableitung des Rangordnungsmodells aus der „Natur des Wolfes“ macht es so gefährlich, weil es uns logisch erscheint. Wenn Wölfe ihre Beziehungen so einfach regeln, warum sollte also unser Cocker oder Labrador anders ticken?

Allerdings machen die Anhänger dieses statischen und eindimensionalen Modells gleich vier eklatante ethologische Fehlgriffe, die ich im Folgenden erläutern möchte.

Irrtum Nr. 1:
Das Konzept fußt auf Beobachtungen von Wolfsgruppen, die in Gehegen gehalten wurden, und daher eben kein „normales“ Wolfsverhalten zeigten.  

In Gehegehaltung stellte man tatsächlich eine sehr hohe Rate an aggressiven Verhaltensweisen zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern fest und auch eine stark linear geprägte Hierarchie. Allerdings muss man hier schon korrigieren, die Linearität war bei weitem nicht so eindimensional, wie sie sich nun in den Köpfen verfestigt hat. Es gibt auch hier persönliche Bindungen und Freundschaften in denen die Linearität Sprünge hatte, die nicht über das simple Model von Dominanz, Subordination bzw. Submission erklärt werden konnten.

Nach einiger Zeit stellten einige kluge Köpfe fest, dass die Gehegehaltung der beobachteten Wölfe eine künstliche und nicht artgerechte Haltungsform war, die zwangsweise natürliches Verhalten unterdrückte und an dessen Stelle Verhalten beförderte, dass nicht typisch für den Wolf war, hierzu gehört auch das extensive Display aggressiver Verhaltensweisen. Man begann Freilandbeobachtungen und war überrascht, wie sehr das soziale Verhalten dieser Gruppen vom sozialen Verhalten der Gehegewölfe abwich.

Der erste ethologische Fehlgriff liegt also in der Vorstellung, dass die lineare Hierarchie die natürliche Ordnung von Wölfen sei. Diese Vorstellung ist nicht nur antiquiert, sondern falsch, da es sich bei der linearen Hierarchie um eine Folge der von Menschen geschaffenen sozial gestörten Organisation handelt.

Irrtum Nr. 2
Das Konzept berücksichtigt nicht, dass im Vordergrund der sozialen Organisation von freien Wolfsrudeln Kooperation und familiärer Zusammenhalt stehen.

Wolfsrudel in Freiheit bestehen üblicherweise aus einer Familie von zwei maximal drei Generationen. Die adulten Jungtiere des vergangenen Jahres wandern nach und nach ab und bilden eigene Familiengruppen. Dies dient auch dem Inzuchtschutz. Wolfsrudel werden von Canidenforschern mittlerweile als Familienverband beschrieben, in dem die Elterntiere die Funktion haben, die Gruppe zu führen, zu erziehen und Wissen zu vermitteln, dass den Jungtieren hilft, später außerhalb der relativen Schutzzone der Gruppe, auch alleine zu überleben. Es überwiegen affiliative und freundliche bindungsstärkende Interaktionen, die Kooperation und Zusammenhalt befördern. Konflikte über Ressourcen, werden mit ritualisierten Ausdrucksverhalten (Mimik, Lautgebung, Körperhaltung, Bewegungsmuster) gelöst, ohne dass der Einsatz offensichtlich aggressiver Verhaltensweisen erforderlich ist. Im Gegenteil: unverhohlen aggressive Verhaltensweisen sind überaus selten zu beobachten.

Die beobachteten Unterschiede in der sozialen Organisation zwischen freilebenden Wolfsfamilien und in Gehegen gehaltenden Rudeln, lassen sich vor allem darauf zurück führen, dass ein Abwandern der adulten Jungtiere nicht möglich war und der soziale Stress der durch diesen  Umstand auf der Gruppe lastet nicht anders bewältigt werden konnte.

Es ist also festzuhalten, dass Wölfe, wenn sie wählen können, Familienverbände bilden in denen affiliative Verhaltensweisen, Kooperation und Konfliktvermeidung die Bindeglieder zwischen den einzelnen Tieren darstellen. Das oben beschriebene Konzept der Rangordnung, das auf Dominanz, Subordination bzw. Submission beruht, nur in einer Zwangsgesellschaft in nicht artgerechter Haltung entsteht.

Irrtum Nr. 3: „Hunde sind Wölfe“
Das aus der Gehegehaltung von Wölfen abgeleitete Rangordnungsmodell wird nun auf den domestizierten Hund übertragen, obwohl das Verhalten des Hundes durch Domestizierung und zielgerichteter Züchtung auf bestimmte Fähigkeiten oder ein bestimmtes Aussehen stark vom Verhalten des Wolfs abweicht. Das Rangordnungsmodell wird unreflektiert auf den domestizierten Hund übertragen.

Nicht nur das Ausdrucksverhalten hat durch die Domestikation an Ausdrucksstärke und Variabilität verloren, auch die soziale Organisation von Hunden unterliegt anderen Bindungs- und Konfliktlösungsstrategien. Studien, die mit verwilderten Hunden sowohl in ländlichen als auch städtischen Gebieten, durch geführt wurden, zeigen dass sie keine festen Rudel bilden, die kooperative Jungenaufzucht betreiben oder gemeinsame Jagdstrategien entwickeln, ihre Kohäsion ist labiler und instabiler. Tiere, die eine höhere Fähigkeit besitzen Ressourcen zu kontrollieren und zu monopolisieren, investieren weit weniger Energie in soziopositive Gesten und Rituale, wie es gewöhnlich die Leittiere in Wolfsrudeln tun.

Die soziale Organisation von Hunden basiert auf situativer Unterordnung und Konfliktvermeidung, die abhängig ist von den Vorerfahrungen mit einem bestimmten Sozialpartner, der eigenen Motivation, eine bestimmte Ressource in diesem Moment für sich zu monopolisieren. Viele Faktoren, wie Sozialisation, genetische Dispositionen, Ressourcenverfügbarkeit, erlernte Problemlösungsstrategien, beeinflussen den Ausgang in einem Ressourcenkonflikt. In solchen Konflikten greifen Hunde auf ein ausgeprägtes und komplexes Ausdrucksverhalten zurück, dass dem Mensch nicht annähernd zugänglich ist, da es Körperhaltung und Bewegungsmuster, Gesichtsausdruck, Lautgebung, Geruch und den Einsatz von Pheromonen umfasst.

Irrtum Nr. 4
Nun soll ein Primat das wölfische Verhalten imitieren, um einen domestizierten Hund unterzuordnen.

Das dazu erforderliche komplexe Ausdrucksverhalten kann der menschliche Chef, in seinem kläglichen Dominanzgebaren nicht annähernd spiegeln, da kann er noch so Knurren, Kläffen, Schnappen, Blockieren und Abdrängen. Es macht keinen Sinn sich als Mensch wie ein Wolf verhalten zu wollen, um einen Hund unterzuordnen.

Und was das alles mit Katzen zu tun hat …?

Was nicht für Wölfe gilt, gilt in diesem Fall auch nicht für Hunde, aber nun kommen wir zu dem größten ethologischen Fehlgriff, denn nun wenden die Rangordnungsenthusiasten dieses Model auch noch auf eine mit dem Wolf gar nicht verwandte Spezies, nämlich die Katzen an.
Ungeachtet der Tatsache, dass es keine wilde Kleinkatzenart gibt, die in rudelähnlichen Gruppen lebt, und unter den Großkatzen lediglich, die in Familienverbänden zusammenlebenden Löwen existieren, wird das Hierarchiemodel nun auch zur Erklärung der sozialen Struktur unserer Hauskatzen missbraucht.

Glücklicherweise ist das Bedürfnis zu dominieren bei Katzenhaltern in der Regel weniger stark ausgeprägt als bei Hundehaltern.
Dies mag der Grund sein, warum ich noch keinen Katzenhalter getroffen habe, der um der Rangordnung Willen in der höchsten Kratzbaumhöhle sitzt,  oder der sich Starrduelle liefert, um seinen Wiederpart unter dem Bett zu fixieren. Stellen Sie sich eine KatzenbesitzerIn vor, die sich vor die Katzentoilette platziert, um jeden der rein oder raus will zu drangsalieren oder einen, der „wegen der Rangordnung“ regelmäßig gegen sein eigenes Sofa pinkelt.

Aber: Das unglückselige Denkmodell der Rangordnung führt – wie Eingangs schon beschrieben – auch in Katzenhaushalten zu eskalierten und missglückten Vergesellschaftungen und sozialen Missständen in Katzengruppen, in denen das Sofa beginnt unangenehm zu riechen, weil die Pariakatze, die dort wohnt, sich nicht mehr auf die Toilette traut.

Frage ich einzelne Halter dann nach der sozialen Struktur ihrer Katzengruppe, zeigen viele unverhohlen Stolz für ihren Chef und seine Methoden, für den Paria der Gruppe haben sie meist zumindest warmes Mitgefühl. Aber kaum einer macht sich klar, wie sich die Katze fühlt, die ein Leben, verbannt unter Couch oder Bett verbringt und nur heimlich auf die Toilette oder an den Futternapf huschen darf und ständig der Gefahr ausgesetzt ist, verdroschen zu werden.

Eine derartige Situation als Gottgegeben anzuerkennen, bedeutet einem fühlenden Lebewesen zuzumuten, ein Leben in Angst und Isolation zu führen. Das ist keine Grundlage für eine artgerechte Tierhaltung.

Anstatt dieser mitleidlosen linearen Rangordnung, sollte Kooperation und Respekt vor den artspezifischen Bedürfnissen unsere Beziehung zu unserem Tier und die Beziehungen unserer Tiere untereinander bestimmen.

Wir müssen umdenken und lernen, innerartlichen Konflikte durch positive Impulse und Managementmaßnahmen (Ressourcenverfügbarkeit) zu entschärfen und das soziale Gefüge zu entspannen. Es ist möglich, soziale Spielregeln zu etablieren, sofern man es mit Tieren zu tun hat, die für die Mehrkatzen- oder Mehrhundehaltung geeignet sind. Schlecht sozialisierte Tiere, die mit Aggression und Angst auf Artgenossen reagieren, gehören nicht in solche Gruppen.
Die Moderation der sozialen Umgangsformen setzt aber voraus, dass wir die Schranken in unseren Köpfen öffnen und uns vorbehaltlos mit dem Verhalten unserer Tiere auseinander setzten. Dann finden wir auch Konfliktlösungen, die Hunden oder Wölfen verschlossen sind.

 

Literatur

„Wölfe und Königspudel – Ein Verhaltensvergleich“,  E. Ziemen

„Hundepsychologie” D. Feddersen-Petersen

“Social behavior of wolves and dogs” D. Feddersen-Petersen

“Whatever happened to the term alpha wolf ?” D. Mech

“Bahaviour and social ecology of free-ranging dogs.” Boitani, Ciucci, Ortolani

“A fresh look at the wolf-pack theory of companion animal dog social behavior”, v. Kerkhove

“The social organization of the domestic dog”, Semyonova

“Tretment of behaviour problems in dogs and cats”, H. R. Askew

“Behaviour problems of the Dog & Cat”, G. Lendsberg, W. Hunthausen, L.Ackermann

“Der Wolf im Hundepelz“, G. Bloch

„Wölfisch für Hundehalter: von Alpha Dominanz und anderen populären Irrtümern“, G. Bloch

[1] http://der-tut-nichts.info/hundeerziehung/7-goldene-regeln-der-rangordnung

Vergesellschaftung

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Warum mehr als eine Katze? Katzen sind doch Einzelgänger!

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Falsch! Katzen haben ein reiches Sozialverhalten und Katzengesellschaft bereichert das Leben nicht nur von Wohnungskatzen. Sie freuen sich, wenn sie ihren Kumpel treffen, spielen ein Leben lang mit ihren kätzischen Sozialpartnern und trauern, wenn ein Gefährte nicht mehr wieder kommt. Das zeigt deutlich, dass Katzen ein Bindungsbedürfnis haben, dass wir nicht frustrieren sollten.

Katzen gehen sehr vielfältige soziale Bindungen zu ihren Artgenossen ein und entwickeln unter den richtigen Voraussetzungen sehr individuelle und differenzierte soziale Strukturen.

Die flexible soziale Organisation reicht von hierarchisch organisierten Bruderschaften potenter Kater und nächtliche Zusammenkünfte, die einem Kneipenbesuch ähneln, über enge Lebensgemeinschaften und monogame Bindungen zu freundschaftlich organisierten Familienverbänden (Kolonien) mit gemeinsamer Jungenaufzucht und Ammenschaft (reziproker Altruismus) zu festen individuellen Beziehungen an Futterstellen oder in Mehrkatzenhaushalten.

Die soziale Kompetenz von Katzen hängt von ihren Früherfahrungen in den sensiblen Phasen ab, die jede Katze mit den nötigen Fertigkeiten zur Gestaltung von Sozialbeziehungen, sei es nun zu Artgenossen oder Menschen ausrüsten.

Fehlende positive Erfahrungen mit unterschiedlichen Artgenossen (Mutter, Geschwister, Tanten und Onkels) in diesen Lebensabschnitten, stören die Entwicklung eines normalen Sozialverhaltens. Handaufzuchten oder Einzelkatzenkinder sind in ihren sozialen Fähigkeiten (Ausdrucksverhalten, motorische Selbstkontrolle, Frustrationstoleranz) oft eingeschränkt und eignen sich häufig nicht als Zweitkatze.
Entwicklung des Sozialverhaltens

Zwischen dem 6 Tag und der 12 Woche ist eine besonders wichtige sensible Phase für die Entwicklung des Sozialverhaltens. Alle Lebewesen mit denen Katzen während dieses Zeitraums gute Erfahrungen machen, gehören auch zukünftig zu den guten Dingen im Leben der Katze. In dieser Zeit kann man seiner Katze sogar verkaufen, dass eine Ratte ein netter Sozialpartner und keine Beute ist.

Zwischen dem fünften und 12, bei großen Rassen bis zum 18 Monat, folgt eine zweite sensible Phase, in der die Katze diese Erfahrungen überprüft und verifiziert. Dieser Zeitabschnitt dient als Fixierbad für soziopositive Beziehungen, daher ist die Abgabe eines einzelnen Katzenkindes im Alter von drei Monaten in einen katzenfreien Haushalt eine kleine Tragödie. Die im Familienverbund mit Katzenmutter und Geschwistern erlernten sozialen Skills verblassen und die heranwachsende Katze verlernt kätzisch. Sie verliert, isoliert gehalten, ihre soziale Kompetenz und das Geschick sich in Gesellschaft von Artgenossen zu bewegen in wenigen Jahren. Das oft an dieser Stelle ins Feld geführte Argument, die Katze könne sich ja im Freigang sozialen Bedürfnissen hingeben, dient lediglich der Selbstberuhigung der Halter. Territoriale Tiere, wie Katzen, betrachten in der Regel, Artgenossen, die nicht zum Familienverbund gehören als Rivalen oder Feinde.

Wer eine einzelne Katze will, sollte sich eine ältere Katze anschaffen, die durch fehlende Erfahrungen keinen Wert auf einen Artgenossen legt.

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Wie organisieren Katzen ihre sozialen Beziehungen? – Innerartliche Organisation und Sozialverhalten

Nun wie schaffen es die Katzen solch unterschiedliche soziale Strukturen erfolgreich zu gestalten?

In Rudel jagende Caniden bilden eine transparentere mehr oder weniger eindeutigere Dominanzstruktur, in der der Ressourcenzugang zwar auch situativ entschieden wird, aber ein starkes Ausdrucksvielfalt von Dominanz- und Unterwerfungsgesten viele Auseinandersetzungen erspart und Raum für Kooperation schafft.

Der soziale Frieden und die Kohäsion in Katzengruppen beruht, im Gegensatz zu Hunden, auf dem Prinzip der Konfliktvermeidung[1].

Ausgeklügelte Raumnutzungspläne und ein unglaublich facettenreiches körpersprachliches Signalsystem reduzieren Auseinandersetzungen.

Der Rang unserer Hauskatzen ist abhängig von Ort und Zeit des Aufeinandertreffens und der strittigen Ressource, auch „relative soziale Hierarchie“ genannt.

 

Relative soziale Hierarchie

Die soziale Ordnung oder Rangfolge von Katzen regelt in erster Linie den Zugang zu Ressourcen (Futter, Spielzeug, Wasser, Rückzugsorte, Liegeplätze, Fortpflanzungspartner, Katzentoiletten, Menschen) und ist abhängig von:

  • der Örtlichkeit: Katzen gewinnen an Souveränität je näher sie ihrem Kern-Territorium sind, je weiter sie sich von ihm entfernen, umso mehr verlieren sie an Rang
  • der Tageszeit: Katzen bilden abhängig von der Tageszeit Nutzungsrechte bestimmter Ressourcen z. B. hinsichtlich Wegrechten, Liegeflächen oder Rückzugsorte in ihrem Revier
  • der Ressource: hat die Katze vorrangig Zugang zu z. B. einem bestimmten Menschen, so muss sie nicht zwangsweise auch Vorrang bei Futter oder besonderen Plätzen oder Spielsachen haben
  • der Motivation einer Katze eine bestimmte Ressource zu sichern. Die soziale Toleranz von Katzen gegenüber Artgenossen ist weitestgehend von der Ressourcen Verfügbarkeit abhängig.

Absolute Hierarchien bilden Katzen, vor allem Katergruppen, nur in Extremsituationen, z. B. in nicht verwandten, stark wechselnden Gruppen im Tierheim.

Auf Grund ihres andersgelagerten Konfliktverhaltens, haben Katzen evolutiv auch keine Unterwerfungsgesten und nur wenige schwache Beschwichtigungssignale entwickelt, so dass Konflikte und Aggressionen nicht zur Bildung einer linearen Hierarchie führen, sondern den Zusammenhalt der Gruppe schwächen und die individuelle Beziehung zwischen den Katzen belasten.

Aggression dient bei Katzen weniger dem Ziel eine Rangordnung herzustellen, als der Sicherung von Ressourcen und der Herstellung sozialer Distanz.

In Katzengruppen mit gut sozialisierten Tieren, besteht die ranghöhere Katze nicht immer auf ihr Vorrecht.

Soziale Tiere nehmen insbesondere Rücksicht auf die persönlichen Rückzugsorte eines Artgenossen und reklamieren diese nicht für sich selber. Es überwiegen soziopositive Kontakte.

Soziopositive Signale

  • Blinzeln erlaubt der anderen Katze freundliche Annäherung.
  • Nasenbegrüßung und Analkontrolle wird von befreundeten und vertrauten Katzen gezeigt
  • Der Schwanzgruß (der Schwanz wird in einer fließenden Bewegung bogenförmig aufgerichtet und ein oder zweimal nach vorne gewippt) wird bei einer freundlichen Annäherung gezeigt, meist wenn man längere Zeit außerhalb des Blickfeldes der anderen Katzen war.
  • Auf den Schwanzgruß folgt bei jungen und untergeordneten Katzen oft ein Parallellaufen und Schwanzauflegen. Dabei wird der Schwanz locker über den Rücken der Partnerkatze gelegt
  • Kontaktrufe, hohes Fiepen oder freundliches Gurren

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Weitere Voraussetzung für die Mehrkatzenhaltung

Neben dem Sozialverhalten spielt gerade bei der Mehrkatzenhaltung die Anzahl der Ressourcen und die Strukturierung des Lebensraums eine ausschlaggebende Rolle für eine friedliche Koexistenz

 

Die „fünf Dimensionen“[2] im Lebensraum der Katze und seine Strukturierung

Sabine Schroll hat die Strukturelemente im Lebensraum einer Katze die „fünf Dimensionen“ genannt.

Diese fünf Dimensionen,

  • die drei Dimensionen des Raums
  • die Dimension der Zeit
  • die Dimension der sozialen Beziehungen

stellen den Rahmen für die Ressourcenverteilung der Katzen dar.

Die 3. Dimension erschließt der Katze den Lebensraum neu. Catwalks Kratzbäume, Fensterbretter, Schränke und Regale erweitern nicht nur die zweidimensionale Fläche, die der Katze in der Wohnung zur Verfügung steht, sondern bilden sichere Festungen, erhöhte Aussichtpunkte und eine andere Sicht auf die Dinge, die sich nun unter der Katze in sicherer Entfernung abspielen. Je abwechslungsreicher die vorhandene Wohnfläche für eine Katze strukturiert und erschlossen wird, umso anregender und inspirierender ist das Wohnungsrevier der Katzen. Die 3. Dimension vergrößert den vorhandenen Raum und schafft im Mehrkatzenhaushalt Ausweichmöglichkeiten und Rückzugspunkte. Dies ist echte Lebensqualität!

Die Dimension der Zeit und der sozialen Beziehungen bilden den Rahmen für tägliche Rituale und Abläufe, die das Leben der Katzen strukturieren und ihnen Sicherheit geben. Änderungen dieses Rahmens führen zwangsläufig immer wieder zu starken Eruptionen im Katzenleben und belasten auch die Gruppenstruktur.

Es gilt daher: Je größer die Kontrolle der Katze über ihre eigenen Lebensumstände (physiologisch: Verfügbarkeit von Futter / sozial: Kontinuität der Sozialpartner Mensch/Artgenosse), desto flexibler und effektiver sind ihre Bewältigungsstrategie, mit den gegebenen Umständen zu arrangieren.

Gerade in Mehrkatzenhaushalten ist die Verfügbarkeit von Ressourcen ein integraler Faktor für die Gruppenstabilität.

 

Ressourcen

Katzen sind Ressourcenbesetzer. Aus diesem Grund ist es für ein harmonisches Miteinander der Katzen wichtig, dass alle wichtigen Dinge im Lebensraum der Katzen in ausreichender Menge angeboten werden. Eine ausreichende Menge ist immer die Anzahl der Katzen plus eins mehr (n+1). Allerdings zählt die Katze nicht wie wir. Stehen zwei Toiletten unmittelbar nebeneinander so handelt es sich für die Katze nur um eine Toilette. Auch die Verfügbarkeit einer Ressource spielt eine große Rolle, kann die Katze die Toilette nicht nutzen, weil ihre Mitkatze es spaßig findet, sie darin festzusetzen oder beim Rauskommen zu verprügeln, dann ist dies keine verfügbare Ressource. Gerade in größeren Katzengruppen ist es wichtig, dass sich die Katzen aus dem Weg gehen können und vollständig aus dem Sichtfeld der anderen Katzen verschwinden können, um richtig zu entspannen. Während man die Anzahl der Katzentoiletten und Liegeplätze noch relativ einfach erhöhen kann, ist die Anzahl der vorhandenen streichelnden Hände und der Zimmer meistens begrenzt und sollten die Gruppengröße limitieren

Zu Gruppengrößen gibt es zwei wichtige Kennzahlen:

  • In Katzengruppen von zehn und mehr Tieren ist mit nahezu 100%iger Wahrscheinlichkeit mindestens eine Katze darunter die Harnmarkieren zeigt.
  • In Gruppen von mehr als vier Katzen wird es für die einzelne Katze immer schwieriger individuelle Beziehungen zu den einzelnen Gruppenmitgliedern zu bilden und aufrecht zu erhalten.

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Gründe für die Anschaffung einer Zweitkatze

Häufig ist der Grund eine Zweitkatze anzuschaffen eine Veränderung in unserem Leben, unter der die Katze leidet. Längere Arbeitszeiten, ein neues Hobby, ein neuer Partner, verknappen die Zeit, die wir unserer Katze widmen und da liegt die Idee nahe, unserer Katze kätzische Gesellschaft zu verschaffen.

Auch wenn der Mensch einfach noch eine Katze will, weil eine Katze schon toll ist und zwei noch toller, oder weil man noch Platz hat oder weil einem die Katzen im Tierheim so leidtun. Bei dem Entschluss zur Zweitkatze sollte immer die Frage im Mittelpunkt stehen, ob man der vorhandenen Katze einen Gefallen tut, wenn man ihr einen Artgenossen beiordnet.

War die eigene Katze schon viele Jahre alleine, sollte man andere Wege finden, die Katze zu beschäftigen, denn die Chance ist gering, dass sie einen Artgenossen als Bereicherung ihres Lebens empfindet. Neben geschütztem Freigang, einem aufregenden Fensterplatz mit Blick auf eine Futterhäuschen für Vögel, Katzenfernsehen (Aquarium), regelmäßigen Spielzeiten, Futterverstecken, ist den Eigenbrötlern unter den Katzen eher mit einem artfremden Lebensgefährten gedient, wie zwei großen Kaninchen oder einem Hund, als einer weiteren Katze.

Auch bei sehr alten Katzen oder chronisch kranken Katzen sollte man sehr genau abwägen, ob man ihnen den Stress, den der Einzug eines neuen Artgenossen verursacht, zumuten kann.

 

Sonderfall: Tod der Partnerkatze

Oft verläuft eine Vergesellschaftung auch schlecht, wenn die Halter nach dem Verlust einer langjährigen Partners der verbliebenen Katze zu schnell einen neuen Artgenossen präsentieren. Nach dem Tod der Partnerkatze sollte man sich und seiner Katze eine entsprechende Trauerzeit gewähren. In dieser Zeit sollte man das Verhalten der verbliebenen Katze beobachten, und überlegen, ob eintretende Verhaltensänderungen tatsächlich ein Zeichen von Trauer sind. Wir neigen dazu unsere Gefühle auf unsere Katzen zu projizieren und deuten Verhaltensänderungen gleich welcher Art, dann vorschnell als Trauer. Eine Katze, die sich uns enger anschließt, mehr Kontakt sucht und insgesamt anhänglicher wirkt, muss nicht trauern, sie kann einfach auf die von uns ausgehende vermehrte Aufmerksamkeit eingehen oder nun ohne Konkurrenten ihre Beziehung zu uns neu gestalten. Liegt ein echter Fall von Trauer vor, zieht sich die Katze meist zurück, frisst schlechter, reduziert den Sozialkontakt mit ihren Menschen, spielt weniger, ihr scheint nichts richtig Freude zu machen. Eine neue Katze kann hier in den seltensten Fällen helfen. Trauer ist etwas sehr persönliches und hängt mit einer individuellen Bindung zusammen, für einen neuen Artgenossen ist zu diesem Zeitpunkt oft kein Platz.

 

Wer passt zusammen? Die Wahl der geeigneten Partnerkatze

Die Wahl einer Partnerkatze ist eine diffizile Aufgabe und abhängig von vielen individuellen Faktoren:

Früherfahrungen der Katzen, Sozialisation und Erfahrungen mit Artgenossen, individuelle Wesenszüge, Temperament, Selbstbewusstsein und Vorlieben, Spielverhalten, Beziehung zum Sozialpartner Mensch, Alter, Geschlecht. Selbst Äußerlichkeiten, wie Felllänge und Färbung, können eine Rolle spielen.

Selbst die vorgeburtliche Lage des Katzenembryos und die Versorgungssituation der Mutter während der Tragzeit spielt eine Rolle bei der Entwicklung des Sozialverhaltens und damit bei der Wahl des geeigneten Artgenossen.

Eine Faustregel ist, dass sich die Katzen entsprechen sollten.

Vergesellschaftungen von jungen Katzen mit gutem Sozialverhalten und guten Katzenerfahrungen, gleichen Interessen, gleichem Aktivitätsniveau, gleichen Geschlechts und gleichem Alters, sind die erfolgreichsten Paarungen.

Eine betagte Katzendame mit einem jungen Kater oder eine jahrelang einzeln gehaltene Katze/Kater mit einer weiteren Einzelkatze bringen schlechte Voraussetzungen für ein harmonisches Miteinander mit sich. Genauso sollte man einer sehr menschenbezogen Katze keine Konkurrentin ins Haus holen, die sofort bei Frauchen auf den Schoss will. Schlecht geht es meist auch aus, wenn man einem übergriffigen Raufbold ein zartes schüchternes Katzenmädchen zur Seite stellt.

Keine Regel ohne Ausnahme:

Individuelle Erfahrungen müssen immer mitberücksichtigt werden! Hat ein Kater viele Jahre mit einer Katzendame verbracht und verlief diese Beziehung harmonisch, so ist es vermutlich einfacher ihm wieder eine freundliche Dame zur Seite zu stellen, als einen anderen Kater. Oft ist die Kombination älterer Kater und freundliche junge Dame, vorausgesetzt beide mögen Artgenossen, eine erfolgversprechende Kombination, da viele Kater gewisse Zickerein von Katzendamen gelassen an sich abgleiten lassen, während sie auf Schroffheiten eines männlichen Gefährten schneller in Rage geraten.

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Zusammenführung

Die Mär vom „Zusammenraufen“ oder wie man es nicht machen sollte!

„Lassen Sie die Katze einfach raus, die raufen sich schon zusammen.“ oder „Die klären das untereinander, halten Sie sich einfach raus.“ wird neuen Zweitkatzen-Besitzern leider heute immer noch oft geraten.

In der Tat geht eine solch rabiate Zusammenführung überraschend oft gut aus, geht es aber beim ersten Kontakt schief, ist die Vergesellschaftung meist nicht mehr zu retten.

Läßt man den Neuzugang einfach im Wohnzimmer aus dem Korb, verziehen sich beide im besten Fall in einen entlegene Winkel ihres Reviers, im schlechtesten Fall kommt es zu einer handfesten Prügelei mit anschließender kopfloser Flucht und gefährlichen Unfällen. Mündet solch ein unüberlegtes Vorgehen in einer heftigen Auseinandersetzung, sinkt die Chance auf eine friedliche und harmonische Koexistenz dramatisch.[3] Den ersten Eindruck hinterlässt man schließlich nur einmal.

Auch die Empfehlung berufener Seite, die Katzen eine Rangordnung aus kämpfen zu lassen, meist über mehrere Tage und Wochen, ist ein schlechter Rat. Wie oben erläutert bilden Katzen solche Rangordnungen nicht aus und nach einigen Tagen der andauernden Auseinandersetzungen ist, selbst wenn es nicht zu schweren Verletzungen kommt, keine Chance mehr für eine Befriedung der Situation gegeben. Die Strategie der Katzen ist die Konfliktvermeidung, also sollte man ihnen auch die Chance dazu geben.

Der Schaden, den man zwischen den Katzen anrichten kann, wiegt schwer. Die Entscheidung für eine Zweit- oder Drittkatze ist eine Entscheidung unter Umständen für viele Jahre, so dass ein behutsamere Zusammenführung sicherlich einige Tage oder Wochen Zeit wert sind, vor allem wenn man sich klar macht, was auf dem Spiel steht. Eine Katze zurückgeben zu müssen, ist schon nach wenigen Tagen eine niederdrückende Erfahrung.

Statt auf sich auf selbsternannte zweibeinige Katzenprofis zu verlassen, sollte man sich lieber Rat bei den Betroffenen holen. Einsicht in den Ablauf der felinen Gruppenbildung gewinnt man durch die Beobachtung freilebender Katzengruppen (Katzen-Kolonien). Ethologen haben festgestellt, dass sich einzelne Katzen, die sich einer Katzen-Kolonie anschließen wollen, der Gruppe über mehrere Wochen langsam annähern. Sie bleiben in Sichtweite, ziehen sich sofort zurück, wenn sich ihnen ein Gruppenmitglied nähert, vermeiden Konflikte und Auseinandersetzungen, kommen aber schnell wieder zu Vorschein und bleiben präsent. Über mehrere Wochen geben sie der Gruppe die Möglichkeit sich an ihren Gegenwart und ihren Geruch zu gewöhnen und reduzieren dabei unmerklich den Abstand zum Zentrum des Reviers. Niemals würden sie einfach zu den Schlaf- oder Fressplätzen laufen oder direkt Kontakt aufnehmen. Sie nehmen sich Zeit und bedienen sich intuitiv des Prinzips der systematischen Desensibilisierung

 

Vorbereitung

Vor einer Begegnung, sollte der Neuzugang dem Tierarzt vorgestellt werden, um sicherzugehen, dass er keine Erkrankungen einschleppt.

Um der neuen Katze den Übergang so einfach wie möglich zu machen, sollte man ihr ein Zimmer katzengerecht einrichten, in dem sie den Stress und die Aufregung der Übersiedelung erst verdauen, Rückzugsorte und Fluchtmöglichkeiten erforschen und sich mit den vorhandenen Gerüchen auseinandersetzen kann. Diese Maßnahme empfiehlt sich auch, wenn man sich nur eine Katze anschafft.

Die neue Katze sollte die Möglichkeit erhalten, ihr neues Zuhause Stück für Stück und Zimmer für Zimmer kennen zu lernen. Damit reduziert man die Gefahr, die Katze zu überfordern, denn eine überforderte Katze reagiert oft mit Harnmarkieren auf neue überwältigende oder verunsichernde Eindrücke. Harnmarken dienen in diesem Kontext vor allem der Eigenberuhigung und Absicherung des neuen Geländes.

Auch die ansässige Katze sollte auf den Familienzuwachs vorbereitet werden. Die Tür zu dem Rückzugsort der neuen Katze, sollte schon einige Tage vor der Ankunft geschlossen werden. Sofern das möglich ist, sollte man schon ein Deckchen mit dem Geruch der neuen Katze präsentieren und beobachten, wie die eigene Katze reagiert, nimmt sie es gelassen, ist das ein gutes Zeichen!

Da Freigang eine systematische Zusammenführung erschweren kann, sollte man sich überlegen, ob die eigene Katze vorübergehend auf den Freigang verzichten kann. Oft geht die ansässige Katze Begegnungen mit dem Neuzugang aus dem Weg, in dem sie sich überwiegend draußen aufhält.

Dieses Meideverhalten verlängert den Annäherungsprozess und kann in der Abwanderung der ansässigen Katze münden. Zwingt man nun eine Katze in eine Begegnung mit der neuen Katze, in dem man ihr den Zugang nach draußen verwehrt, wird zusätzlicher Stress erzeugt, der in direkter Verbindung mit dem Neuzugang steht. Reduziert man den Zugang zum Draußen aber schon führzeitig, kann eine solche Verknüpfung mit dem Neuzugang nicht erfolgen. Selbstverständlich muss man sich andere Beschäftigungen für die eigene Katze ausdenken, um den Verzicht auf den Freigang, auszugleichen. Studien haben auch belegt, dass Zugang nach draußen das Erregungslevel auf beiden Seiten erhöht. Vom Freigang werden fremde Gerüche mitgebracht, die die neue Katze zusätzlich irritieren können, und die ansässige Katze kommt oft in erhöhter Erregungslage nach Hause und findet dort einen beinah fremden Artgenossen vor. Das kann zu überschießenden Reaktionen führen.

Passen die beiden Katzen nach Alter, Geschlecht, Aktivitätslevel, Wesen und Hobbys gut zusammen, hat sich die neue Katze schnell in ihrem Rückzugsbereich eingelebt und ist aufgeschlossen, entspannt und neugierig und hat die ansässige Katze auf Geruchs Darbietungen und Geräusche hinter der Tür nicht verstimmt oder verunsichert reagiert, sondern neugierig, sind die Vorzeichen gut und man kann es wagen die beiden mit einander bekannt zu machen. Für den ersten direkten Kontakt sollte man sich eine Pappe oder ein Kissen parat legen, mit dem man bei Animositäten den Sichtkontakt beendet und eine der Katzen aus dem Zimmer manövrieren kan

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Zusammenführung

Ist man zuversichtlich, dass sich die beiden wohlgesonnen sind oder nur eine geringe Verstimmung beim Aufeinandertreffen auftreten wird, kann man die Tür einfach aufmachen. Integriert man eine neue Katze in eine ganze bestehende Gruppe, sucht man sich die Katze aus der Gruppe heraus, die am besten passt und in der Vergangenheit am freundlichsten auf Neuzugänge reagiert hat. Die Gruppen Mitglieder werden der neuen Katze dann in absteigender Komptabilität einzeln vorgestellt.

Während des ersten Kontaktes, ist es wichtig, dass man selber keine Unruhe und Anspannung in die Begegnung bringt. Lieblingsleckerlis dürfen in Richtung beider Katzen fliegen, freundliche oder neutrale Annährungen werden stimmlich belohnt. Bei den ersten Zusammentreffen sollten noch keine wilden Spiele initiiert werden, hieraus können sich Missverständnisse ergeben. Gemeinsames Fressen und Erkunden ist für den Anfang eine hervorragende Leistung.

Bleibt eine gewisse Verunsicherung, so ist es legitim, die Katzen weiterhin zu trennen, wenn man sie nicht beaufsichtigen kann. Die Zeiten in denen die Katzen Umschluss haben müssen langsam immer weiter ausgedehnt werden und freundliche und neutrale Begegnungen werden stets bestärkt.

Kommt es zu Anspannungen oder Unstimmigkeiten, müssen die Katzen vorüber gehend wieder getrennt werden. Fauchen und Pfotenhiebe sind ausdrücklich erlaubt und stellen bei den ersten Kontaktaufnahmen keine Eskalation dar. Diese gemäßigte Distanzierungsaggression entspricht dem Normalverhalten

Kommt es wiedererwarten zu einem Angriff, mit jaulen, schreien und beißen, sollten die Kontrahenten so ruhig und besonnen wie möglich getrennt werden.

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Systematische Vergesellschaftung an der Gittertür

Kam es bei der ersten Begegnung zu einem Angriff oder einer Auseinandersetzung, zeigte eine der beiden Katzen von Anfang an Abneigung, z. B. bei Geruchsdarbietungen, oder erscheint die Kombination der Katzen konfliktträchtig, sollte man noch langsamer an die Vergesellschaftung herangehen. Die Katzen bleiben zunächst räumlich getrennt, bis sich eine gewisse Entspannung bei beiden Parteien abzeichnet. Die Tür wird nicht mehr belauert, es wird nicht an der Tür randaliert oder gezeigtes Meideverhalten nimmt wieder ab. Nach einer Auseinandersetzung kann es zwischen einigen Stunden bis zu einigen Tage dauern, bis das Adrenalin und die Aufregung des Kampfes verraucht sind.

Während der Separierung müssen die Katzen die Lebensbereiche regelmäßig tauschen, damit keine Territorialität entsteht und damit sich die Gerüche der beiden Katzen vermischen bzw. im gesamten Wohngebiet erhalten bleiben. Die Geruchsvermischung kann man unterstützen, indem Lieblingsdecken oder Kuschelhöhlen ausgetauscht werden. Mit einem weiteren Trick vermischt man die Gesichts-Pheromone der Katzen. Mit einem fuselfreien Lappen streicht man sanft über die Wangen der beiden Katzen und reibt mit diesem Läppchen anschließend die andere Katze sanft ab.

Während sich die Situation ohne Sichtkontakt langsam wieder beruhig, sollte man sich eine Gitter- oder Netztür bauen, so dass die Katzen sich später sehen und riechen können, aber nicht Gefahr laufen drangsaliert oder attackiert zu werden.

Zunächst finden Begegnungen an der Gittertür nur im Beisein der Halter statt. Am besten ist es wenn auf jeder Seite der Gittertür ein Mensch sitzt, der sich mit der dort untergebrachten Katze beschäftigt. Die Katzen sollen in Gegenwart der anderen Katze ein gutes Gefühl bekommen, dass bedeutet, dass nun in Gegenwart der anderen Katze nur gute Dinge passieren. Es wird gespielt, gefüttert und geschmust.

Feliway-Geruchsmarken an der Gittertür können beruhigend wirken und das Stresslevel senken. Genauso hilft es oft, wenn sich die Katzen putzen, da dies der anderen Katze signalisiert, es ist alles in Ordnung und entspannt. Putzverhalten kann man hervorrufen, wenn man die Katzen mit einem feuchten Lappen massiert oder etwas Leckeres (Sahen/Thunfischsaft) auf die Katze tröpfelt. Wenn die Katzen schon Erfahrung mit Clickertraining haben, kann man mit dem Clicker zielgerichtet freundliche und neutrale Annäherungen einfangen und verstärken.

Bei Anspannungen wird der Sichtkontakt beendet und die Katzen ignoriert. Bei freundlichen oder neutralem Verhalten werden beide Katzen gelobt und belohnt.

Der Anblick der anderen Katze soll mit positiven Eindrucken und Erlebnissen verknüpft werden, so dass die unguten Gefühle (Angst, Eifersucht, Verunsicherung, Rivalität…) langsam in den Hintergrund treten (Gegenkonditionierung). Gleichzeitig setzt man bei dieser Form der Vergesellschaftung auf einen Gewöhnungsprozess (Desensibilisierung). Der unangenehm empfundene Reiz, der von dem Artgenossen ausgeht, verliert mit jeder einzelnen Begegnung, an der Gittertür, in der es nicht zu einem Angriff kommt, seinen Schrecken. Diese Lernprozesse bedürfen vieler hunderter Wiederholungen, um in der Katze ein neues Verhalten und einen neue positive emotionale Reaktion zu etablieren.

Haben sich die beiden Katzen nach einigen Wochen an die Anwesenheit der Konkurrentin/des Konkurrenten gewöhnt, verlaufen die Begegnungen an der Gittertür friedlich bis gelangweilt, ist es Zeit, direkten Kontakt herzustellen.

 

 

 

Literatur:

Sabine Schroll „Aller guten Katzen sind …“

Christine Hausschild „Katzenzusammenführung“

 

[1] “Social organization in the cat: a modern understanding“ by Sharon L. Crowell-Davis

“Agnostic Behaviour, dominance rank and copulatory success in a large multi-male feral cat, Felis catus L., colony in central Rome” Eugenia Natoli & Emaunuele de Vito

„Feline bahavior Guidelines“ by The american association of feline practitioners

„Feline social behaviour and aggression between cats and other family pets” Tony la Russa

[2] Sabine Schroll „Verhaltensmedizin bei der Katze

[3] “Intercat aggression – general considerations, prevention and treatment” A. Moesta, S. Crowell-Davis

“Intercat aggression in households following the introduction of a new cat” E. Levine, P. Perry, J. Scarlett, K.A. Houpt

 

Bestrafung – Sieben gute Gründe, warum sich aversive Reize nicht gut zur Verhaltensmodifizierung eignen

Oskar (2)

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Das Konzept von Strafe und Belohnung besagt:
• Folgt einem Verhalten eine negative Konsequenz, verringern diese die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten gezeigt wird.
• Folgt einem Verhalten eine positive Konsequenz, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit , dass das Verhalten gezeigt wird.

Die meisten von uns sind mit diesem Konzept von Strafe und Belohnung zur Verhaltensbeeinflussung groß geworden. Unerwünschtes oder störendes Verhalten durch Strafe abzustellen ist uns allen vertraut. Zu strafen liegt uns also nahe und erscheint uns eine einfache Lösung zu sein.

Dr. Kate Fulkerson faßt in einem Artikel „The Trouble with Punishment“ zusammen, warum richtig zu strafen nicht so leicht ist, wie wir landläufig unterstellen:

Um richtig zu strafen müssen folgende Punkte bei der Bestrafung beachtet werden:
• aversiver Stimulus Die Strafe wird mit dem Strafenden verknüpft. Straft der Halter (schlagen/schreien/…) die Katze für ein unerwünschtes Verhalten (z. B. für kratzen an der Couch) verknüpft die Katze den Halter mit dem unangenehmen Reiz. Die Katze lernt, Begegnungen mit meinem Halter sind unangenehm. Im schlechtesten Fall zeigt die Katze von nun an Meideverhalten gegenüber dem Halter, im besten Fall wird das Verhalten nicht mehr in Anwesenheit des Halters gezeigt.
• Eskalation Strafe bei angstbedingtem Verhalten, steigert die Angst und verschärft das Problem. Straft der Halter die Katze in einer bereits unangenehm empfundenen Situation, macht er die Situation für die Katze noch schlimmer. Zum Beispiel straft ein Halter eine Katze, die aus Angst vor Artgenossen das Katzenklo nicht mehr aufsuchen kann, wird die Situation für die Katze ausweglos.
• Fehlverknüpfter Strafreiz Bestrafungen bergen immer die Gefahr in sich, dass ungewollte Fehlverknüpfungen entstehen. Der Halter sperrt die Katze nach dem sie auf den Teppich uriniert, hat in die Katzentoilette ein. Lernerfolg der Katze: ‚Die Toilette ist unangenehm und gefährlich.‘
• Aggressivität Bestrafung erhöht die Aggressivität in Bestraftem und Strafenden. Ein aversiver Reiz ruft eine Gemütsänderung bei der Katze und bei uns hervor. Der Strafende verroht, weil er Angst und Schmerzen hervorruft. Lernerfolg für Mensch und Katze: Konditionierung einer unangenehmen emotionale Reaktion
• Dosierung des Strafreizes Erfolgreiche Bestrafung liegt immer im Grenzbereich zur echten Schädigung des zu Bestrafenden. Echte Strafen sind so hart, dass sie nur wenige Mal eingesetzt werden müssen, um zur Verhaltensänderung zu führen. Tierversuche haben gezeigt, dass eine schwache Bestrafung und ihre Steigerung wirkungslos bleiben, weil sich der Proband an die Strafe gewöhnt und lernt Schmerzen zu ertragen. Die Abschreckung muss also so groß und erschütternd sein, dass wenige Bestrafungen ausreichen. Hier bleiben individuelle Schmerzgrenzen unberücksichtigt, genauso wie individuelles Angstempfinden. Weniger harte Strafen bewirken nur geringfügige und kurzzeitige Unterdrückung des Verhaltens, das Verhalten tritt trotz fortgesetzter Bestrafung immer wieder auf.
• Unmittelbar bei jeder Verfehlung Strafe muss sofort und immer dem unerwünschten Verhalten folgen. Sofort und immer ist nicht umsetzbar, wenn man selber der Strafende ist, weil man zwangsläufig nicht immer da ist und nicht immer unmittelbar während/bei dem unerwünschten Verhalten strafen kann. Jede zeitliche Verzögerung macht den Erfolg der Strafe zu Nichte. (Beispiel drei Gruppen von Hunden werden betraft, wenn sie Futter erhalten und zu fressen beginnen a.) innerhalb einer Sekunde b.) innerhalb 5 Sekunden c.) innerhalb 15 Sekunden = a.) Futternapf wird 2 Wochen b.) 1 Woche c.) drei Minuten nicht angerührt.
• Unvorhersehbarkeit des neuen Verhaltens Strafe verringert die Wahrscheinlichkeit, dass das unter Strafe gestellte Verhalten gezeigt wird, sie formt aber kein Alternativverhalten. Bei positiver Verstärkung wissen wir wohin die Reise geht, ein Verhalten soll häufiger auftreten. Bei einer Bestrafung wissen wir nie, welches Verhalten an die Stelle des unerwünschten Verhaltens tritt. Anstatt zu markieren, beginnt die Katze z. B. sich das Fell zu rupfen

Strafe, die regelmäßig wiederholt werden muss, wiederlegt, dass sie ein Mittel zur Verhaltensänderung ist
Gerade weil richtig zu strafen so schwierig ist und weil strafen so viele Gefahren birgt, stellt sich die Frage der Anwendbarkeit.
Verhaltensänderungen können auch über den Weg der positiven Verstärkung bewirkt werden.
Die Folgen einer falschen Belohnung (Timing/Zusammenhang) sind im Vergleich zu einer misslungenen Bestrafung zu vernachlässigen.

Degenerative Gelenkserkrankungen bei der Katze

Paula beim Bewegungstraining

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Degenerative Gelenkserkrankungen

Degenerative Gelenkserkrankungen sind Veränderungen Gelenke durch den Abbau von Gelenkknorpel, die mit Funktionseinschränkungen und Schmerzen verbunden sind wie Arthrose, Osteoarthrose und Spondylose

Arthrotische Veränderungen gehören bei der alten Katze, zu den häufigsten chronischen Schmerzgeschehen, die leider oft unentdeckt bleiben, weil die Katze nicht zu Schmerzverhalten wie Lahmheit neigt.

Studien haben gezeigt, dass 90 % der über 12jährigen Katzen an einer schmerzhaften Gelenkabnutzung leiden. Bei Katzen von 6 Jahren sind es immerhin schon 34%. Am häufigsten ist das Ellbogengelenk betroffen. Dicht gefolgt von Hüft-, Kniegelenk, Schulter und der Lendenwirbelbereich der Wirbelsäule.

Die (primäre[1]) Arthrose entsteht durch einen mechanischen Verschleiß der Knorpelschicht im Gelenk. Der Knorpelschaden hat schmerzhaften Entzündungen in der Gelenkkapsel zur Folge, in deren Verlauf das Gelenk verdickt und seine Beweglichkeit zunehmend einbüßt. Die Schmerzen führen dazu, dass die Katze die entsprechende Gliedmaße schont. Durch die Schonhaltung wird das geschädigte Gelenk jedoch weniger bewegt. Die fehlende Bewegung führt wiederrum dazu, dass das Gelenk und umliegende Gelenke nicht ausreichend Gelenkschmiere produzieren. Der verbliebene Knorpel baut sich noch schneller ab, da er nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird und die Gleitfähigkeit im Gelenk reduziert ist. Die zunehmenden Verletzungen der Knorpelhaut führen zunächst zu einer Wucherung des Bindegewebes und später zu einem irreversiblen Umbau des Knochens in Form von knöchernen Anlagerungen an den Gelenkflächen (Osteophyten). Gleichzeitig belastet die Katze durch die Schonhaltung andere Gelenke stärker und überanstrengt diese durch die unnatürliche Haltung. Dies ist der Beginn einer Schmerzspirale.

Neben dem Alter begünstigen verschiedene Faktoren die Entstehung von Arthrosen und degenerativen Gelenkserkrankungen:

  • bestimmte Rassen besitzen eine genetischen Dispositionen für bestimmte Gelenkerkrankungen

o    Hüftdysplasie (z. B. Main Coon, aber auch Perserkatzen und Siamesen),

o    Patella Luxation (z.B. bei Rassen wie den Abyssiniern und Devon Rex

o    Knorpelfehlbildungen (Osteochonrodysplasie) der Scottisch Folds sind für die geknickten Ohren der Rasse verantwortlich, betreffen aber den Knorpel des gesamten Körpers, vor allem die Oberschenkelknochen und Gelenke

  • Verletzungen und Traumas (Knochenbrüche, Dislokationen, sekundäre Osteoarthritis)
  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus

 

Zeichen für eine Gelenkerkrankung

Schmerzhafte Veränderungen des Gelenkapparates sind bei der Katze, im Gegensatz zu Hunden, oft nicht offensichtlich, da Katzen im allgemeinen Schmerzen und Beschwerden verbergen.

Katze verändern stattdessen langsam aber stetig ihre Lebensweise.

Es beginnt mit Einschränkungen der Raumnutzung und Bewegung. Die Steifheit und der Schmerz schränken die Bewegungsfreiheit ein und die Katze ändert ihr Komfortverhalten. Der dauernde Schmerz stresst die Katze und dies führt zu einem veränderten Sozialverhalten. Die Katze ist Auseinandersetzungen nicht gewachsen und hat kein Interesse an Sozialspielen. Sozialkontakte und Berührungen werden als unangenehm empfunden, die Katze zieht sich oft zurück. Diese Veränderung führen oft in eine Depression oder Angststörung.

 

Einschränkung der Mobilität

Die Raumnutzung, insbesondere der 3. Dimension, wird immer weiter eingeschränkt. Die Katze

meidet frühere erhöhte Lieblingsorte, liegt oft an ein und demselben Platz,

patrouilliert seltener im Revier und schränkt Ausflüge nach draußen ein, klettert eher als das sie springt, springt nicht mehr oder nicht mehr so hoch, bevorzugt niedrigere einfacher zu erreichende Plätze, verspringt sich öfter und zaudert vor dem Absprung länger, meidet Treppen. Nach längerem Ruhen sind Bewegungsschwierigkeiten (Steifheit/Lahmheit) sichtbar. Auch können Probleme beim Einstieg in die Katzentoilette oder beim Passieren der Katzenklappe, Probleme beim Harn- oder Kotabsatz aufgrund der Schonhaltung, beobachtet werden.

 

Veränderung der Aktivität

Die Katze spielt weniger, ist insgesamt inaktiver und passiver, schläft mehr, nutzt Kratzgelegenheiten seltener, die Krallen werden oft zu lang, da die Katze weniger läuft und seltener die Krallen schärft. Zu lange Krallen führen zu weiteren Problemen beim Laufen und drohen einzuwachsen. Explorations- und Neugierverhalten scheinen reduziert. Die Katze jagt weniger, putzt sich weniger, vor allem an schlecht zugängliche Körperpartien (Rücken/Schwanzansatz) verfilzen. Schmerzhafte Partien werden oft kahlgeleckt oder gerupft (oft Fuß- und Beingelenke und entlang der Wirbelsäule). Verringerter Appetit und vermehrtes Vokalisieren können auch Schmerzmarker sein.

 

Veränderung des Sozialverhaltens

Die Toleranz gegenüber Körperkontakt und sozialer Interaktion ist gesenkt. Die Katze wird berührungsempfindlich, distanziert sich häufiger, reduziert Sozialkontakte. Häufig ist eine Zunahme von Distanzierungsaggression. Das veränderte Erscheinungsbild und Gangbild können bei Mitkatzen aggressives Verhalten auslösen.

 

Veränderung des Ausscheidungsverhaltens

Häufig tritt Unsauberkeit auf, weil der Zugang zur Toilette zu beschwerlich ist (fehlender erniedrigter Einlass). Andere Katzen nehmen beim Kot- oder Harnabsatz eine Schonhaltung ein und hocken sich nicht mehr hin, dadurch geht oft etwas über den Rand hinaus. Mit zunehmendem Schmerz wird es immer schwieriger in der engen Haubentoilette die Schonhaltung einzunehmen oder die Toilette wird insgesamt mit Schmerzen beim Ausscheiden (hocken, krümmen, pressen) in Verbindung gebracht und gemieden.

 

Diagnose

Ab dem siebten Lebensjahr sollte jede Katze regelmäßig auf schmerzhafte Veränderungen des Gelenkapparates untersucht werden. Wichtigste Indizien sind die Beobachtungen des Halters.

Untersuchungen sind schwierig, da die Überprüfung von Beweglichkeit sehr schmerzhaft ist, bildgebende Verfahren sind nicht immer aussagefähig, da vor allem zu Beginn der degenerativen Veränderungen diese z. B. auf Röntgenbildern nicht sichtbar sind. Unter Umständen hilft es für einen bestimmten Zeitraum ein entzündungshemmendes Schmerzmittel zu verabreichen, um festzustellen, ob eine Besserung eintritt. Zuvor sollten Blut- und Urintests durchgeführt werden um weitere Erkrankungen bei der Medikamentierung berücksichtigen zu können. Oft ist die eklatante Verbesserung des Zustandes der Katze unter Schmerzmitteln das einzige Indiz für ein chronisches Schmerzgeschehen.

Bevor durch die Gabe von Schmerzmitteln eine Besserung eintritt können bis zu sieben Tage vergehen. Katzen die über einen langen Zeitraum unerkannt unter chronischen Schmerzen gelitten haben, benötigen einen ungleich längeren Zeitraum, um eine Verbesserung zu erreichen, da zunächst ihr „Schmerzgedächtnis“ überschrieben werden muss.

Unter Schmerzgedächtnis versteht man eine neuronale Veränderung im Gehirn und Rückenmark durch Schmerzerfahrungen. Starke, anhaltende Schmerzreize hinterlassen sehr schnell bleibende Spuren im Gehirn: Nervenzellen erhöhen ihre Reaktionsbereitschaft und setzen verstärkt Botenstoffe frei. Gleichzeitig vermehren sich die Rezeptoren und verändern ihre Eigenschaften. Dadurch funktioniert die Reizübertragung effektiver. Die hochsensiblen Nervenzellen sind lernfähig und senden schon bei schwachen Reizen wie Wärme, Druck, Wetterumschwung, Dehnung oder Berührung oder sogar ganz ohne auslösende Reize, Schmerzsignale an das Gehirn.

Die Schmerzempfindung ist nun nicht mehr allein durch körperliche Veränderungen erklärbar.

Die Schmerzen führen zu einer Schonhaltung, die Katzen bewegen sich weniger, und es entstehen neue Schmerzpunkte im Körper, die sich ebenfalls chronifizieren, wenn keine Schmerztherapie greift. Auch diese Nervenzellen entwickeln sich dann zu Schmerzgeneratoren. Die ursprüngliche Ursache ist mittelfristig nicht mehr feststellbar.

Chronischer Schmerz verändert einerseits auf der Ebene der Nervenzellen, die Reizweiterleitung und der Reizsensibilität und andererseits führt die Reduzierung der Aktivität, die Verringerung der Mobilität und der schmerzbedingte soziale Rückzug zu einer Veränderung des gesamten Verhaltens und des Lifestyls.

Das Schmerzgedächtnis kann nur bei Schmerzfreiheit über einen Lernprozess überschrieben werden. Dazu muss die Katze die Erfahrung machen, dass die zuvor gemiedenen Bewegungsabläufe nicht mehr schmerzhaft sind. Dies ist schon beim Menschen ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess, entsprechend komplizierter ist der Prozess des Umlernens bei der Katze. Neben der Gabe der Schmerzmittel muss die Katze also aktiv zu Bewegung angeregt werden. Passiv kann dies durch Physiotherapie und Massagen geschehen, aktiv durch Spiel und Kletterangebote.

 

Behandlung von degenerativen Gelenkerkrankungen

Barrierefreiheit und Wellness

Da es sich um eine nicht reversible Entwicklung handelt ist es enorm wichtig die Lebensqualität der Katze zu verbessern und die Einschränkungen, die sie durch den Verlust der Beweglichkeit erfährt bestmöglich zu kompensieren.

o   Aufstiegshilfen zu den beliebtesten Ruhe- und Schlafplätzen (Kratzbaum, Sofa, Fensterbrett,…)

o   Etablierung neuer, ruhiger, warmer, weicher und witterungsgeschützter Rückzugsorte,

o   Snuggelpads

o   barrierefreier Zugang und kurze Wege zu Toilette, Katzenklappe, Futter und Wasser

o   Mindestens eine Toilette je Stockwerk

o   erhöhte Futter- und Wasserstellen, so dass die Katze schmerzhafte Bewegungsabläufe vermeiden kann

o   Unterstützung bei Fell- und Krallenpflege

o   vermehrte Aufmerksamkeit und Zuwendung, um eine Depression oder Angststörung zu vermeiden

o   Altersgerechte Spiele und Unterhaltung

Wichtig ist die Flüssigkeitsaufnahme zu fördern, da dies die degenerativen Prozesse verlangsamt. Viele attraktive Wasserstellen, an denen die Katze während ihrer Rundgänge vorbeikommt animieren zu zusätzlicher Wasseraufnahme genauso wie die Aromatisierung mit etwas Thunfischsaft oder der Gabe von Naturjoghurt.

 

Diät und Ernährungsergänzungsmittel

Übergewicht beschleunigt den Abnutzungsvorgang und verschlimmert die Bewegungsschmerzen. Übergewichtige Katzen dürfen jedoch nur sehr langsam abnehmen, nicht mehr als 1-2% des eigenen Köpergewichtes pro Woche, da ein schneller Gewichtsverlust gerade bei übergewichtigen Katzen zu einer lebensbedrohlichen hepatischen Lipidose[2] führen kann. Eine Gewichtsreduktion sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen.

Omega 3 Fettsäuren sollen entzündliche Prozesse reduzieren und schmerzmindernd wirken. Gluckosamin ist ein Baustoff des Knorpels, des Bindegewebes und der Gelenkflüssigkeit und wird aus Chitin (z. B. Schalen von Krebstieren und Muscheln) hergestellt. Glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel z. B. Grünlippmuschelextrakt oder Cosequin® sollen die Bildung von Gelenkknorpel unterstützen, entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.

Chodroitin hingegen wird oral eingenommen nicht resorbiert (Bioverfügbarkeit), sondern verdaut und größtenteils in Glucosamin umgebaut.

Bei den marktüblichen Nahrungsergänzungsmitteln ist die Konzentration meist zu gering. Die Präparate sind nebenwirkungsfrei und ungefährlich, eine eindeutige Wirkung bei Katzen konnte noch nicht nachgewiesen werden.

ASU Avocado/Soybean unsaponifiables (Avocado/Sojabohnen unverseifbare Stoffe) Präparate werden seit einigen Jahren gegen den Knorpelabbau eingesetzt. Sie stehen im Ruf, entzündungshemmend zu sein und helfen die Knorpeloberfläche zu reparieren. Studien haben die Wirksamkeit beim Menschen belegt.

 

Medikamente

Medikamente gegen Arthrose wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend und müssen durch den Tierarzt verordnet und überwacht werden. Da es sich um eine Langzeitgabe handelt, müssen Nebenwirkungen und Dosierungen genau kontrolliert werden.

Meloxicam (Metacam) ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum und das bekannteste Langzeit-Schmerzmittel für Katzen mit den geringsten Nebenwirkungen. In manchen Fällen konnte beobachtet werden, dass die Wirkung von Metacam nach einiger Zeit nach lässt.
Gegenindikation bei Niereninsuffizienz, Erkrankungen der Magen – oder Darmschleimhaut. Nebenwirkungen: Inappetenz, Durchfall, Erbrechen

Onsior nichtsteroidaler Entzündungshemmer

Gegenindikation: bei Magengeschwüren, bei eingeschränkter Herz- Nieren oder Leberfunktion

Nebenwirkungen: Durchfall und Erbrechen

Buprenophine, dem Morphium verwandtes Opiat,
Gegenindikation bei Niereinsuffizienz oder Schilddrüsenüberfunktion,
Nebenwirkungen: Verdauungsprobleme, Magenschmerzen, Sedierung, Schwäche und verlangsamte Atmung

Amantidine blockiert spezielle Schmerz –Rezeptoren, Monoamiooxidase-Hemmer, Gegenindikation bei Niereninsuffizienz, Epilepsie, Lebererkrankungen und Herzfehlern Nebenwirkungen: Durchfall, Halluzinationen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck,

Tramadol Opioid, dass bestimmte Schmerzrezeptoren im Gehirn blockiert, Serotonerge Wirkung (Antidepressiva)
Gegenindikation: Epilepsie
Nebenwirkungen: Verstopfung, Benommenheit, Halluzinationen, Übelkeit und Erbrechen

Gabapentin Anti-Epileptikum und zur Behandlung neuropathischer Schmerzen

Gegenindikation bei Nieren- und Lebererkrankungen oder bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

 

Physiotherapie und Akkupunktur

Die Hilfe eines guten Physiotherapeuten, der Hausbesuche macht ist ein wahrer Segen für Schmerzpatienten. Die wichtigste Therapie für die geschädigten Gelenke ist gerichtete Bewegung. Die krankengymnastischen Bewegungen müssen katzengerecht, in kleinen Dosen über den Tag verteilt durch den Besitzer nach Anleitung durch den Physiotherapeuten geübt werden. Akkupunktur, Magnetfeldtherapie und Matrix-Rhythmus-Therapie können, je nach Temperament der Katze zu einer Erhöhung der Beweglichkeit und einer Reduktion der Schmerzmittel führen.

Auch eine Blutegeltherapie kann bei gut lokalisierten Schmerzpunkten einer duldsamen Katze große Erleichterung verschaffen.

 

 

Quellen:

„Arthritis and degenerative joint diseases in cats“ by International Cat Care

“Osteoarthritis in cats: What we now know about recognition and Treatment” By Shelly A. Robertson

“Treating Chronic Pain In the Geriatric Feline” by Christi Benigni

“A Review of Opioide Use in Cats” by Shelly A. Robertson
“Genetic welfare problems of companion animals – Osteochondrodysplasia” by Rosie and David Godfrey Universities Federation of Animal Welfare (UFAW)

“Neuropathic Pain: Are you Seeing it more than you think?” Mark E. Epstein

 

[1] primäre (idiopathische) Arthrose:

  • Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels (Übergewicht, Überbelastung, etc.),
  • angeborene Fehlstellungen oder Gelenkdysplasien

sekundäre Arthrose:

  • traumatisch bedingt: Gelenkfehlstellungen nach Trauma, etc.
  • metabolisch bedingt: Gewebe-/Knochenschäden bei Mangeldurchblutung, Diabetes mellitus, , Entzündungen, etc.
  • medikamentös bedingt

 

 

[2] www.katzendiabetes.de/1947672.htm

Auf dem Weg zu einem stressfreieren Tierarztbesuch mit Katze

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Ich wundere mich immer wieder darüber, was wir unseren Katzen bei einem Tierarztbesuch zumuten, wie gedankenlos viele Katzenhalter mit ihrer Katze im Wartezimmer beim Tierarzt und wie grobschlächtig und verantwortungslos einige Tierärzte mit ihren Patienten umgehen.

Nach einer kläglich gescheiterten Flucht vor dem Halter und der Transportbox, einer wackeligen Fahrt in einem Auto, bei der der Katze schlecht geworden ist und während der die Angst vor dem Unkalkulierbaren mit jedem Atemzug gestiegen ist, finden sich die allermeisten Katzen, eingesperrt in der Transportbox, auf dem Boden eines Tierarztwartezimmers wieder.
Die Katze ist in der Box an der natürlichsten Reaktion bei Stress, der Flucht gehindert. Sie ist Gerüchen ausgesetzt, die Angst auslösen, wie der Geruch von Hunden und anderen Katzen, der ungewohnte Geruch nach Desinfektionsmitteln und Blut und Harn und nicht zuletzt die Angst, der anderen Tiere, die zuvor behandelt wurden. Gleichzeitig ist die Katze vor allem in gemischten Wartezimmern einer Kakophonie an kläffenden Hunden, nörgelnden Kleinkindern und schreienden Vögeln ausgesetzt.

Anstatt sich das aus einiger Höhe wenigstens von oben anzuschauen, stellt der gedankenlose Halter den Transporter auf den Boden zwischen die kläffenden Hunde und fordert die noch gedankenlosere Hundebesitzer nicht einmal auf, ihre aufdringlichen Wautzis von der Transportbox fernzuhalten. Wiederrum anstatt die Tierarzthelferin zu bitten, der kläglich schreienden Katze und sich selber einen stilleren Rückzugsort anzubieten, wird das alles aus gesessen. Übel riechende fremde und bedrohlich wirkende Hunde kommen viel zu nah, genauso wie viele aufdringliche andere Patientenbesitzer, die die Beklemmung einer ängstlichen Katze mit ihrer Neugier noch vergrößern.
Dann wird sie aus dem Transporter gezerrt, auf einem glitschigen und glatten kalten Tisch gesetzt, mit groben Griffen fixiert und anderen schrecklichen Zwangsmaßnahmen ausgesetzt.

Das alles müsste so nicht sein. Ich glaube zwar nicht, dass man der Katze einen stressfreien Tierarztbesuch ermöglichen kann, aber ich glaube, dass man viel tun kann, um den Stress zu reduzieren.
Zunächst sollte man Zuhause mit einem Training die Katze auf den Tierarztbesuch vorbereiten.

  • Die Transportbox sollte ein Möbelstück sein, in dem die Katze unregelmäßig gefüttert wird, in dem es kuschelig ist und die Katze auch hin und wieder schläft. Das schafft man durch ein sogenanntes „Transportboxtraining“. Die Katze wird bei jeder Annäherung an die Box gelobt und belohnt, bis sie sich freiwillig gerne in der Box aufhält. Dann wird die Box kurz verschlossen, später wird die Katze ein wenig in der Box herumgetragen. Sprühen Sie die Box immer wieder, vor allem aber vor einem Tierarztbesuch, mit Feliway ein.
  • Holt man die Transportbox erst hervor, wenn es ernst wird, dient die Transportbox schon als Ankündigung des bevorstehenden Grauens und die Katze ist alarmiert.
  •  Medizinisches Training macht es der Katze leichter mit den Prozeduren während der Behandlung klar zu kommen. Zuhause sollte man von Beginn an jede Katze an gewisse Manipulationen gewöhnen: in die Ohren schauen, Mund aufmachen, Zähne anschauen, Krallen schneiden und abtasten gehören genauso dazu, wie die Simulation einer Injektion (Hautfalte ziehen und mit einem Kugelschreiber leicht pieken). Die Katze kennt dann im Ernstfall die Handgriffe und im besten Fall haben Sie diese Handgriffe mit der Katze bereits mit Vorankündigungen geübt: Wie „Ohr“ für „jetzt fummeln wir an den Ohren rum“, oder „Mäulchen“ um mit einem Zeigefinger ein Leckerchen in den Mund zu schieben, als wäre es eine Tablette. Für die Verabreichung von Spritzen und anderen längeren Maßnahmen, sollten Sie Durchhalteparolen üben. Sogenannte intermediäre Brücken , zeigen der Katze an, dass das Aushalten gleich belohnt wird.
  • Benutzen Sie immer eine Transportbox für den Gang zum Tierarzt. Nehmen Sie Ihre Katze niemals nur an der Leine oder auf dem Arm mit in eine fremde Gegend. Bei einem unvorhergesehenen Schreck, haben Sie keine Chance Ihre Katze, festzuhalten und Ihre Katze hat keine Chance nach Hause zurück zu finden. Viele Katzenbesitzer, haben ihre Katzen bei solchen Abenteuern verloren. Alle Holzkonstruktionen, inkl. den optisch ansprechenden Weidenkörbchen sind unfallträchtig und meist nicht für den Transport geeignet. Bekommt man die Katze zuhause noch hinein, ist es oft schier unmöglich die Katze aus so einem Behälter hinaus zu bekommen. Am besten geeignet sind stabile Hartschalentransportboxen, die sich in der Mitte teilen und nach oben öffnen lassen.
  • Für die meisten Katzen ist es am stressfreiesten, wenn die Katze in der unteren Hälfte in ihrer Box während der Behandlung sitzen bleiben kann. Am besten auf einer Decke die man mit Feliway behandelt hat und die nach der Katze selber riecht. Sehr ängstlichen Katzen kann man helfen, wenn man die Box während des Transportes mit einer Decke abdeckt. Andere Katzen finden es besser, wenn sie sehen können, was vor sich geht oder aus dem Fenster schauen können.
  • Transportboxen mit Katzen gehören während des gesamten Weges von Zuhause zur Praxis, im Wartezimmer und auch im Behandlungszimmer nicht auf den Boden! Tun Sie das Ihrer Katze nicht an!
  • Gibt es keine getrennten Wartezimmer, sind laute Hunde im Wartezimmer, ist es zu eng oder zu laut, bitten Sie im Auto warten zu können oder in einem ruhigeren Raum. Das steht Ihrer Katze zu und katzenfreundliche Praxen bieten dies bereits an!
  • Die meisten Untersuchungstische haben eine glatte und kalte Oberfläche, auf der sich Katzen noch unsicherer fühlen, weil sie keinen Halt finden. Oft wirkt hier eine mitgebrachte Matte Stress reduzierend.
  • Sprechen Sie mit der Katze während der Behandlung sanft und ruhig. Vielen Katzen hilft es, wenn man die Hand über die Augen hält, in der die Katze ihren Kopf verbergen kann. Auch Handtücher, mit der man die Katze zudeckt, gerne mit Feliway behandelt, wirken oft beruhigend.
  • Wenn Ihre Katze darauf anspricht, geben Sie vor, während und nach der Behandlung besondere Leckerchen, dass ändert den emotionalen Zustand der Katze und wirkt gleichfalls Stress reduzierend.
  • Suchen Sie eine katzenfreundliche Tierarztpraxis, die getrennte Wartezimmer für Hunde und Katzen anbietet oder für Katzen Termine vergibt, so dass die Wartezeit minimiert ist. Das Praxisteam sollte im Umgang mit ängstlichen und angstaggressiven Katzen geschult sein und so wenig Zwang wie möglich auf die Katze ausüben. Die/der Tierärzt/in sollte sich durch sanftes und ruhiges Verhalten auszeichnen und auf Katzenerkrankungen spezialisiert sein. Außerdem sollte sie/er Ernährungstipps und Beschäftigungsvorschläge in den Behandlungsplan einbauen und den Halter verständlich und ausführlich über die Krankheit und die Behandlung informieren.
  • Bitte achten Sie auf Ihr eigenes Bauchgefühl, fühlen Sie sich nicht wohl, sind Sie gestresst und empfinden Sie die Atmosphäre bedrückend, so überträgt sich dass nicht nur auf Ihre Katze, sondern Sie können mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass Ihre Katze sich noch schlechter fühlt als Sie.
  • Achten Sie auf das Verhalten der Tierarzthelferinnen oder des / der behandelnden Tierärztin, wirkt sie uninteressiert, grob oder von einem sich sträubendem Tier genervt, verbuchen Sie den Besuch als Erfahrung und suchen Sie eine neue Praxis und ein neues Team.
  • Ihre Katze hat nicht nur ein Recht auf fachlich qualifizierte Behandlung, sondern auch auf eine einfühlsame und sanfte Behandlungsweise.

Absolute Ausschlusskriterien

Das Behandlungszimmer ist ein intimer Platz für Sie und ihre Katze, und kein Kontakthof. Hier werden immer auch lebenswichtige Entscheidungen getroffen. Störungen durch andere Patienten, Telefonate, Besuchen von Nachbarn haben hier genauso wenig zu suchen wie gelangweilte Kinder von Tierärzten, die ein Problem mit den Mathe-Hausaufgaben haben.
Das würden Sie sich bei Ihrem Hausarzt auch verbitten.
Behandlungszimmer und Vorzimmer müssen räumlich getrennt sein, weil die Behandlung sonst immer wieder unterbrochen wird, weil jemand etwas abholt oder bezahlen möchte.

Seinen Sie skeptisch, gerade bei einer Diagnose, die mit einer Langzeittherapie zusammenhängt. Ihnen sollte Ihre eigene Gesundheit auch eine zweite Meinung wert sein. Bei Ihrer Katze sollten Sie das nicht anders handhaben.
Augen auf beim Diätfutterkauf! Viele Tierärzte empfehlen das Einfachste, eine Fertigdiät, im besten Fall weil sie damit eine Verbesserung der Ernährung erreichen, im schlechtesten Fall weil sie daran verdienen. Fragen Sie nach, woraus das Futter besteht, welche Verbesserung es darstellt, wie die Diät funktioniert und welche Alternativen es zu einem Fertigfutter gibt. Gerade bei der gängigsten Katzen-Spezial-Diät, der Nierendiät, gehen die Meinungen der Tierärzte weit auseinander, da die herkömmlich proteinreduzierte Nierendiät ein zweischneidiges Schwert ist, dass bei vielen Katzen eine Abwärtsspirale einleitet.

Schnippigkeiten und Patzigkeiten bei Rückfragen oder bei Unverständnis bezahlen Sie mit, also überlegen Sie sich, ob Sie so eine Behandlung weiter genießen wollen.

Gerade bei Katzen muss der Halter ganz entschieden eingreifen, wenn die angewendeten Praktiken in Grausamkeit umschlagen. Einer sich sträubenden Katze einen Maulkorb aufzusetzen und dem ahnungslosen Halter noch zu erklären, dass dies die Angst verringert, ist tierschutzrelevant, ungeachtet der großen Verletzungsgefahr, denn eine Katze ist kein Hund!
Bei der Behandlung einer Katze und gerade bei einer ängstlichen Katze ist das Motto immer: So wenig Zwang wie möglich! Alle Restriktionen vergrößern die Angst und die Gegenwehr automatisch!
Fixieren oder Clipping sind bereits harte Bandagen für eine ängstliche Katze. Eskaliert die Situation muss ein seriöser Tierarzt die Behandlung unterbrechen und sich andere Wege einfallen lassen, die entsprechende Prozedur durch zu führen.
Eine gute Katzenpraxis macht aus, dass dort Fachärzte arbeiten, die sich hinsichtlich der speziellen Erkrankungen der Katze weitergebildet haben und bei der Organisation des Praxisablaufes dem speziellen Wesen der Katze Rechnung tragen.
Bei der Suche kann ihnen die vom bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte e. V.) verliehene Auszeichnung „Service Plus für Katzen“ helfen.

Seminarankündigung

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Ich freue mich, meine neuen Seminare zu den Themen

Lernprozesse, Unsauberkeit und Markieren am 09.08.14

Aggressionen, Angst und Aufmerksamkeitsheischendes Verhalten am 20.09.14

ankündigen zu können.

In zwei vierstündigen Seminarblöcken können interessierte Katzenhalter sich mit den
Methoden der Verhaltenstherapie vertraut machen.

Ich erläutere Lernmodelle und stelle die gängigsten Trainingsmethoden vor.
Außerdem werden Lösungen zu den häufigsten Problemen im Zusammenleben mit unseren Katzen anschaulich dargestellt

Themen und einen Anmeldelink finden Sie hier 

Der Eintritt geht komplett als Spende an das Tierheim Rüsselsheim!

Was versteht man unter übermäßigem Vokalisieren und warum neigen taube Katzen zu exzessivem Schreien?

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Was versteht man unter übermäßigem Vokalisieren?

Übermäßiges Vokalisieren fasst

  • normales Vokalisieren zu einer unangebrachten Zeit,
  • dauerndes Nörgeln und Erzählen,
  • lautes kraftvolles und exzessives Schreien oder
  • entartetes Kreischen,

zusammen.

Was übermäßig ist hängt immer auch von der Toleranz und Wahrnehmung des Halters ab. Eine Katze die langanhaltend während der Vorbereitung ihrer Lieblingsspeise schnurrt, wird niemand des übermäßigen Vokalisierens bezichtigen. Eine Katze hingegen, die Nachts scheinbar grundlos vor der verschlossenen Schranktür steht und schreit, stellt einen erheblichen Störfaktor dar.

Welche Ursachen hat übermäßiges Vokalisieren?

Ursachen für übermäßiges Vokalisieren sind vielfältig und es kann

  • auf eine echte Verhaltensstörung (Angststörung/Hyperattachment, Hyperaktivität, feline Hyperästhesie, kognitive Dysfunktion/Demenz, kompulsive Störung/Stereotypie),
  • auf eine schlichte Unterforderung/Frustration oder
  • auf eine ernsthafte Erkrankung

hindeuten.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Taubheit und exzessivem Vokalisieren?

In vielen Ratgebern wird auch Taubheit als eine Ursache für übermäßiges Vokalisieren angegeben. Doch das stimmt nur zur Hälfte.

Eine logische Erklärung, dass allein die Taubheit zu einem vermehrten übermäßigen Vokalisieren führt wurde bislang nicht erbracht. Allenfalls die Lautstärke beim Vokalisieren kann der Taubheit kausal zugeordnet, da sich die Katzen nicht selber hören und nur die erzeugte Resonanz wahrnehmen können.

Es ist jedoch richtig, dass taube Katzen weit häufiger zu übermäßigem Vokalisieren und anderen aufmerksamkeitsheischenden Verhaltensweisen neigen, als andere Katzen.

Das liegt nach meiner Einschätzung an der besonderen Umwelterfahrung tauber Katzen.

Eine taube Katze muss sich mit einem geringeren Informationsinput hinsichtlich ihrer Umgebung und ihrer Bezugspersonen arrangieren und hat durch fehlende akustische Rückmeldungen radikal beschränkte Bindungserlebnisse.

Hinzukommt eine weitere Einschränkung von Umwelterfahrungen und Eindrücken, da taube Katzen meist aus Sicherheitsgründen in der Wohnung gehalten werden und keine ausgleichende alternative und adäquate Förderung und Beschäftigung erhalten, die das Defizit an sensorischen Erfahrungen und Erlebnissen aufwiegt.

Die taube Katze ist also in vielfältiger Weise stark isoliert und jede Abwechslung (spielen, füttern, streicheln) in ihrem Lebensraum ist an den Menschen gekoppelt.

Wie hörende Katzen, instrumentalisieren taube Katzen das Miauen, um eine Reaktion (Futter, Aufmerksamkeit, Zuwendung etc.) von uns zu erhalten. Wir bestärken das Verhalten immer wenn wir auf die Katze eingehen. In den meisten Fällen beobachten uns taube Katzen viel aufmerksamer als hörende Katze, da sie geringere Störfeuer zu verarbeiten haben und lernen daher anhand unserer Reaktionen schneller. Nach teilweise nur drei Reaktionen unsererseits auf das Miauen einer Katze, weiß die Katze dies bewusst einzusetzen.

Gleichzeitig, sensitiviert die taube Katze ihre anderen Sinne (visuelle Wahrnehmungen/Geruch/Sensorik), um das Manko an akustischer Wahrnehmung auszugleichen und zeigt allgemein eine erhöhte Reizempfindlichkeit, die zu überschießenden Reizantworten führt. Es reicht also ein geringerer Reiz (ein langsam am Fenster vorbei segelndes Blatt), um eine Reaktion hervorzurufen (z. B. Frustration). Solche Frustrationen führen bei tauben Katzen allgemein oft zu energiegeladenen Schreianfällen, so als würde sich die Katze Luft machen wollen.

Fazit:

Frustration, Isolation und mangelnde Beschäftigung sind daher die Ursachen für die häufige Verbindung von Taubheit und übermäßigem Vokalisieren und anderen aufmerksamkeitsheischenden Verhaltensweisen.

Warum Aggression keine Verhaltensstörung ist!

Frida (1)

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Eine Familie hatte einen Kater adoptiert und dann in meinem Blog gelesen, dass er anfänglich auf Menschen aggressiv reagiert habe.

Dies hat die Familie derart verunsichert, dass sie den Kater fast wieder zurück gegeben hätten, da sie kein aggressives Tier oder ein Tier mit einer „schweren Verhaltensstörung“ haben wollten.

Aus diesem Anlass möchte ich allgemein etwas zu meinen Blogeinträgen sagen.

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Käptn Einauge

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Bobby wurde mit einem auslaufenden Auge bei uns aufgenommen, das Auge war von einer Tierärztin entfernt worden, aber scheinbar nicht vollständig. Der imposante Kater musste fürchterliche Schmerzen haben. Nach einer Notoperation erholte sich Bobby langsam, er saß in der Box neben Tom und hatte sich auch in seiner Höhle verschanzt. Auch bei Bobby hatten die Pfleger Schwierigkeiten an ihn heran zu kommen. Die größte Schwierigkeit liegt darin, dass man die Stimmung der Katzen in solchen Kuschelhöhlen nur schlecht einschätzen kann, da man nur einen kleineren Ausschnitt zu Gesicht bekommt. Ich hielt Bobby ein Stück Hühnchen hin, er zog sich nicht zurück, aber er schnüffelte auch nicht an meinem Geschenk. Er schaute nur. Ich wagte es trotzdem und hielt ihm meinen ausgestreckten Zeigefinger unter die Nase. Bobby zeigte keine Regung. Ich entscheid mich dennoch noch einen Schritt weiter zu gehen und strich ihm sanft mit einem Finger über die Stirn, er zog den Kopf zurück und ich meine Hand. Alles in allem ein sehr positiver Beginn. Bobby hatte auch in den folgenden Tagen kein Interesse an Hühnchen oder anderen Leckerchen. Annäherungen wehrte er weiter moderat ab. Aber mit einer Pfauenfeder konnte ich mit ihm anbändeln und nach einigen Pföteleien durfte ich ihm auch den Kopf streicheln.

Nun sind fünf Wochen vergangen, seine OP-Wunde ist sehr schön verheilt und die Einäugigkeit scheint ihn nicht zu belasten. Er kommt an die Tür seiner Box wenn ich ihn rufe und freut sich sehr mich zu sehen, er schmust und spielt ausgiebig und hat sich auch mit den Pflegern angefreundet.

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Rätselhaftes Schicksal

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Tom kam halb verhungert und mit atrophierter Muskulatur der Hinterläufe zu uns ins Tierheim. Die Finder behaupteten, er sei versehentlich längere Zeit in einem Kellerraum eingeschlossen gewesen. Dies erklärt aber die Atrophie seiner Hinterbeinmuskulatur nicht. Die Pfleger hatten ihn bislang nur aggressiv erlebt und baten daher um meine Unterstützung.

Als ich ihn das erste Mal vor einigen Wochen sah, lag er verängstigt in einer Kuschelhöhle und beäugte mich misstrauisch. Er war ein großer sehr schöner Kater.

Ich sprach schmeichelnd mit ihm und testete mit einem Stück Hühnchen, wie nahe er mir erlaubte zu kommen. Alles in Reichweite seiner Vorderpfote wurde attackiert und dann zog sich Tom augenblicklich in die hinterste Ecke seiner Höhle zurück. Ich hielt ihm seinen Napf vor den Ausgang seiner Höhle und es stürzte sich mit großem Hunger auf sein Futter, trotz meiner relativen Nähe. Meine Hand hielt ich geschützt unter seinem Teller. Er fraß und fauchte abwechselnd. Offensichtlich, hatte er sich tagsüber, nicht getraut durch die kleine Box zu seinem Futter zu gehen.

In den ersten Tagen verstummten seine Abwehrdrohungen nach etwa 15 Minuten, Huhn, das ich vorsichtig zu ihm in die Höhle warf, wurde regelrecht eingeatmet. Spielzeug machte ihm anfangs noch große Angst, aber er gewann zunehmend Vertrauen zu mir. Zur Begrüßung wurde ich obligatorische durch Fauchen verwarnt, aber schon nach wenigen Minuten reagierte er auf meine Schmeicheleien mit ausgiebigem Köpfchenreiben an der Wand seiner Höhle. Sein Lieblingsspielzeug wurde ein Federwedel, mit dem ich ihn ausgiebig streicheln muss.

Mit Leckerbissen konnte ich ihn nach zwei Wochen bewegen auch ein paar Schritte aus seiner Höhle heraus zu kommen. Als zwei Boxen weiter ein Näpfchen mit leisem Knall umfiel, erschreckte er und fiel zur Seite um. Er fauchte in meine Richtung und rettet sich schnell zurück in seine Höhle. Seine Unsicherheit beruhte vermutlich auch zu einem großen Teil auf seinem unsicheren Gang.

Mittlerweile kommt er mir regelmäßig entgegen und begrüßt mich mit übermütigen Kontaktrufen und Köpfchengeben, sein Schwanz steil erhoben zittert vor Aufregung und er tretelt auf der Stelle. Aber noch immer schwingt auch Misstrauen mit. Trotz seiner Freude verändert sich sein Gesichtsausdruck bei Augenkontakt blitzartig und er wird steif, breche ich den Augenkontakt nicht rechtzeitig ab, attackiert er mich. Allerdings immer ohne Krallen und ohne mich tatsächlich zu verletzten. Nach einer Attacke dreht er um und zieht sich wieder wackelig zurück in seine Höhle. Ich würde zu gerne wissen, was Tom tatsächlich passiert ist. Die Atrophie seiner Beinmuskulatur lässt sich für mich nur so erklären, dass er so eng eingesperrt war, dass er sich nicht aufrichten konnte, denn eine Verletzung konnte der Tierarzt nicht feststellen. Dass Tom so schnell wieder Vertrauen zu einem Menschen fasst und so positiv auf mich reagiert, ist in den vergangenen Wochen mein größter Erfolg.

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Maunzi – ein Happy End

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Ist eine 9 jährige puschelige Grautigerin, die von der Silhouette und ihrem buschigen kurzen Schwanz an eine Wildkatze erinnert. In ihrem ersten Zuhause wurde sie misshandelt und landete mit zwei Jahren zum ersten Mal im Rüsselsheimer Tierheim. Nun ist ihre zweite Halterin unerwartet verstorben und Maunzi saß einige Tage unversorgt neben ihrem Frauchen.

Ich konnte Maunzi bislang fast nur durch den offenen Schieber sehen. Mit einen Menschen im selben engen Raum zu sein, erträgt sie fast nicht. Zweimal sprang sie auf Grund meiner Anwesenheit schreiend in das Gitter ihres Zwingers und suchte verzweifelt nach einem rettenden Ausgang.

Mittlerweile besuche ich sie nur noch in ihrem Freigehege. Dort ist sie etwas gelassener. Sie sitzt unter dem Abgehängten Stuhl und ich am anderen Ende des Zwingers und lese ihr leise vor, spiele für mich mit der Federangel. Sofern ich ein Loch in ihrer Deckung entdecke lasse ich die Federangel in ihrem Sichtfeld vorbei huschen. Maunzi reagiert leider auch nicht auf Futter.

 

Tatsächlich hat sich auch für Maunzi jemand gefunden. Eine junge Frau war so von Maunzis Schicksal gerührt, dass sie sich auf das Abenteuer eine so verstörte Katze zu adoptieren eingelassen hat. Wir haben viel besprochen und bei einem Hausbesuch alle Vorkehrungen abgestimmt. Ich habe ein gutes Gefühl, dass sich Maunzi hier wieder regenerieren kann und drücke allen beiden feste die Daumen.

Barney ist zurück

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Nach acht Wochen ist nun auch Barney endlich wieder in seiner Gruppe. Das Bein ist verheilt und er hat diese langwierige und schmerzhafte Prozedur einigermaßen überstanden. Zu meiner großen Freude, hat ihm diese Erfahrung nicht zurück geworfen. Er kam tatsächlich sofort an den Zaun als ich ihn ansprach und erwartete mich (oder das Hühnchen) mit Ludwig und Oli an der Tür. Er ist noch etwas verunsichert und sehr mager. Seine Stellung in der Gruppe ist wackelig und er geht, schlauerweise, Auseinandersetzungen aus dem Weg. Die beiden Rüpel in der Gruppe, Justus und Ludwig, rennen jeden über den Haufen und kennen kein Pardon, wenn es um meine Aufmerksamkeit, Spielzeug oder Hühnchen geht. Sobald ich mich der Tür nähere, toben Justus und Ludwig hysterisch durch den Raum, springen auf und über alle Möbel und blasen die anderen richtig gehend um, Oliver, Barney Ulf und Betty, rennen aufgescheucht durch das Zimmer bemüht, den beiden zu entgehen, aber auch mich zu begrüßen, jeder selbstverständlich mit dem ihm eigenen Abstand. Ich hatte um etwas mehr Ruhe in die Gruppe zu bekommen, dem größten Störenfried, Ludwig beigebracht, auf den Tisch in der Zimmermitte zu springen und sich hinzusetzten, bevor er ein Stück Hühnchen bekam. Das beruhigte die Situation zunächst, alle anderen gruppierten sich drum herum und ich konnte mich jedem einzelnen etwas widmen. Allerdings war diese Ruhe nur von kurzer Dauer. Justus schaute sich den Trick ab und sprang auch auf den Tisch. Allerdings wusste er dann nicht Recht, wie er mit der Situation umgehen sollte, denn ich war ihm dadurch viel zu nah und aus der Hand nahm er gleich gar kein Hühnchen. Dafür stürzte sich Ludwig auf Justus Stückchen und die beiden rangelten und stürzten regelmäßig ab um dann sofort wieder auf den Tisch zu springen und alles fing wieder von vorne an. Oliver sitzt immer ganz artig neben mir und versucht genau wie Barney nicht in den Tumult zu geraten. Nun setzte ich mich wieder auf den Boden und warte, bis die anfängliche Aufregung verfliegt. Betty sitzt meist hinter mir unter dem Bett und ich darf sie bereits beim Füttern mit einem Finger berühren, Ludwig rechts von mir, Oliver links und Barney unter dem Tisch, Justus rennt aufgeregt von einem zum anderen, immer in der Hoffnung, jemandem etwas wegzuschnappen. Ulf hält sich meist etwas abseits, ihm ist das alles zu hektisch.

Nur Alex sitzt noch immer ängstlich draußen unter seiner Bank und kommt nicht zu uns herein. Immerhin sieht man ihn zwischenzeitlich hin und wieder im Zimmer oder durch das Gehege laufen. Den Bauch auf den Boden gedrückt und sich ängstlich nah allen Richtungen absichern.

Leider hat Betty in den letzten Wochen sehr abgebaut, sie ist abgemagert und gestern habe ich einen ungewöhnliche Verdickung im Bauchraum bemerkt, wir vermuten leider dass es sich um VIP handelt. Heute wird er zum Tierarzt gebracht.

 

PS: Einen Tag später wurde Betty eingeschläfert. Sie hatte leider keine schönen ersten oder letzten Tage.

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Tschüss Luna! Viel Glück Wölkchen!

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Beide hatten in den letzten Wochen kleine Fortschritte gemacht. So konnte ich Luna mittlerweile in ihrem Korbversteck streicheln und Wölkchen schnurrte bereits zur Begrüßung, wenn ich zu ihr unter den Tisch krabbelte. Und nun haben beide in kurzer Zeit nach einander ein neues Zuhause gefunden. Luna als Einzelkatze mit geschütztem Freigang und Wölchen als Zweitkatze mit Haus und Hof.

 

Tschüss Wökchen und Tschüss Luna!!!!

 

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Oskar hat ein Zuhause

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Auch Oskar hat nun ein neues Zuhause gefunden. Ein alleinstehender Mann ließ sich von dem schlechten Benehmen nicht abschrecken. Oskar wohnt ich an Feldrandlage und hat sich gut eingewöhnt. Ich freue mich sehr für ihn, obwohl ich seine Schmuseattacken auch ein wenig vermisse. Tschüss Oskar!

 

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