Was uns das Schwanzwedeln unseres Hundes verraten kann![1]

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„Thus, the link between emotion, cognition, and lateralisation opens the door to new ways for measuring the affective states of dogs with direct implications for animal welfare and successful social communication.“ M. Siniscalchi and Angelo Quaranta aus “The social dog”

Die italienischen Biologen Siniscalachi und Quarnata der Universität Bari haben sich mit der Frage beschäftigt, was die Lateralisation bei Hunden über ihre Gestimmtheit und Verhaltenssteuerung aussagen kann.

Unter Lateralisation versteht man die funktionale Asymmetrie zwischen der rechten und linken Großhirnhemisphäre. Die Gehirnhälften unterscheiden sich in der Funktionstüchtigkeit bei der Steuerung von Wahrnehmung, Kognition, Verhaltensweisen sowie bei der Informationsverarbeitung von Reizen. Obwohl die beiden Hemisphären bei den meisten höheren kognitiven Funktionen zusammenarbeiten, dominiert meist eine der beiden Hemisphären bei der Verarbeitung und Steuerung der Aufgabe, da eine Aufgabenspezialisierung innerhalb der jeweiligen Hemisphäre erfolgt. Diese Arbeitsteilung zwischen den Großhirnhälften beschleunigt die Reizverarbeitung und Reizreaktionen, da Redundanzen und Konkurrenzen zwischen den einzelnen Gehirnarealen verringert werden. Die Hemisphären kontrollieren viele Bereiche überkreuz (kontralateral), so dass die linke Gehirnhälfte z. B. die rechte Hand steuert. Andere Funktionen, die meist den älteren Gehirnstrukturen zu geordnet werden, wie die Geruchsverarbeitung, werden ipsilateral, also von der gleichen Körperseite verarbeitet.

Lateralisation wurde zunächst nur dem Menschen zugeschrieben, mittlerweile weiß man aber, dass die räumliche Aufgabenteilung des Gehirns unter Wirbeltieren und wirbellosen Tieren weit verbreitet ist.
Das grundlegende Muster der Lateralisation gleicht sich innerhalb der Arten:

  • Die linke Gehirnhälfte, zuständig für die rechte Körperhälfte, ist beschäftigt mit der Verwendung von erlernten Regeln und Mustern, der Kategorisierung von Reizen nach Relevanz. Hier werden relevante Details, wie sich wiederholende und unveränderliche Merkmale gefiltert und nach Funktionen geordnet. Man spricht hier von Weisungs- bzw. Anleitungsgesteuert (instruction-driven) bzw. Aufgabengesteuert (task-driven)
  • Die rechte Gehirnhälfte hat sich spezialisiert auf den Umgang mit Neuem, dem verarbeiten von Details, dem Ausdruck von starken Gefühlen, wie Aggression, Fluchtverhalten, Angst und Furcht und ist assoziiert mit der Reizantwort in einer „Fight-or-Flight“ Situation. Im Gegensatz zur linken Gehirnhälfte spricht man hier von einer reizgesteuerten Verarbeitung („stimulus-driven“)

Die landläufig beschriebene Aufgabenteilung, die der linken Hemisphäre analytische und der rechten Hemisphäre emotionale Funktionen zuordnet, stellt eine nicht zulässige Simplifizierung dieses hochkomplexen und stark vernetzten Systems dar, dessen größte Leistungen nur durch eine Zusammenarbeit der beiden unterschiedlich spezialisierten Hemisphären entstehen kann[2].
Letztlich unterscheiden sich die Methoden der Informationsverarbeitung der beiden Hemisphären, es handelt sich aber nicht um exklusive Funktionen und Zuständigkeiten, sondern um Spezialisierungen und Schwerpunkte.

 „Das Schwanzwedel-Experiment“ 

Auch bei Hunden zeigt sich die Asymmetrie der Gehirnaktivitäten in strukturellen und funktionalen Ebenen z. B. bei der Pfotenpräferenz und beim Schwanzwedeln.

Im „Schwanzwedelverhalten“ sahen Forscher die Möglichkeit die Asymmetrie, die gegensätzliche Spezialisierung der zwei Gehirnseiten, bei Hunden nachzuweisen. Dazu stellten Forscher eine Gruppe von Familienhunden unterschiedlicher Rassen zusammen und präsentierten ihnen unterschiedliche emotionale Reize. Die Reaktion des jeweiligen Hundes wurde an Hand des asymmetrischen Schwanzwedelns gemessen und bewertet.

Die Hunde befanden sich in einer großen rechteckigen Holzbox, die an der Kopfseite geöffnet war und den Hunden erlaubte, die unterschiedlichen Reize wahrzunehmen. Zwischen den einzelnen Reizpräsentationen, wurde die Öffnung durch eine undurchsichtige Trennscheibe versperrt. Den Hunden wurde ihr Halter, eine fremde Person, ein Hund mit agonistischem Verhaltensdisplay und eine Katze gezeigt. Die Reaktion des Hundes wurde aufgezeichnet und nachträglich bewertete. Gemessen wurde der Winkel der maximalen Bewegung von der Mittellinie zur linken und zur rechten Seite des Hundes.
Richtung und Amplitude des Schwanzwedelns waren eindeutig mit der Emotion den der Reiz auslöste verbunden. Die Hunde wedelten vornehmlich zur rechten Seite, somit wurde ihre linke Gehirnhälfte aktiviert, wenn ihnen ein Reiz präsentiert wurde, der einen Annäherungswunsch und vermutlich positive Emotionen auslöste, wie die Präsentation ihres Halters. Bei Reizen, die eher einen Rückzugsimpuls auslösten, wie ein aggressiver Artgenosse, die also vermutlich mit negativen emotiven Zuständen verknüpft waren, wedelten die Hunde linkslastig und somit war die rechte Gehirnhälfte aktiviert.

Die Amplitude des Schwanzwedelns ist also ein entscheidender Hinweis auf die emotionale Gestimmtheit, die ein Reiz auslöst. Die Quantifizierung der Amplitude macht sogar den Grad der emotionalen Aktivierung sichtbar. So war der Ausschlag nach rechts bei der Präsentation einer unbekannten Person weniger enthusiastisch als bei der Präsentation des eigenen Halters und die Reaktion wurde nochmals schwächer, wenn dem Hund eine Katze präsentiert wurde.

Diese komplementäre Spezialisierung der Gehirnhälften des Hundes (Annäherungswunsch/Rückzugsimpuls) belegen die „laterality-valance“ Hypothese des Hirnforschers Davidson, die besagt, dass die linke Gehirnhälfte positive Gefühle verarbeitet oder steuert, während die rechte Gehirnhälfte für negative Gefühle zuständig ist. Zu gleichen Ergebnissen kam auch eine Forschergruppe, die den Hunden der Versuchsgruppe Bilder mit Gesichtsausdrücken von freundlichen oder wütenden Artgenossen präsentierten.

Die Messung der links bzw. rechts Lastigkeit der Schwanzwedelbewegung stell eine einfache und nicht invasive Methode dar, die Gestimmtheit des Hundes in Abhängigkeit zu einem bestimmten Stimulus zu quantifizieren und zu erkennen.

Die Forscher interessierte aber nun auch, ob diese Asymmetrie auch in der sozialen Kommunikation zwischen Hunden eine Rolle spielt, also ob, die Hunde die Abweichung der Schwanzwedelbewegung nach einer Seite erkennen eine Relevanz einordnen und verstehen, ob sie es mit einer positiven oder negativen Gestimmtheit zu tun haben. Dazu setzten die kanadische Forscher (Artelle et all., 2011) einen lebensgroßen Robodog in einem freilebenden Hunderudel ein. Tatsächlich näherten sich die Hunde dem Roboterhund häufiger, wenn der Schwanz nach links schlug, was eine Aktivierung der rechten Hemisphäre anzeigt und den Wunsch sich zurückzuziehen bzw. negative Gestimmtheit. Die Forscher hatten erwartet, dass sich die Hunde mehr für einen Hund interessieren, dessen Amplitude stärker zur rechten Seite ausschlug, da dies einen positiven Annäherungswunsch signalisierte. Eine mögliche Erklärung für dieses unerwartete Interesse an einem Artgenossen, der eher einen Rückzugswunsch signalisiert, liegt für die Forscher im Fehlen ergänzender Ausdruckssignale (Gesichtsausdruck, Lautgebung). Um mit Sicherheit sagen zu können, ob die Richtung der Schwanzwedelbewegung tatsächlich einem Hund eine Information über die Gestimmtheit eines Artgenossen vermittelt, bedarf es noch weitere Tests.

„Head-turning-response“ und “Schnüffel-Modus”

Weitere Versuche belegen, dass auch bedrohliche visuelle, auditive und olfaktorische Reize durch die rechte Gehirnhälfte verarbeitet werden.
Wird beiden Augen bzw. Ohren eines Hundes simultane ein visueller bzw. auditiver Reiz präsentiert, kann man an der „head-turning-respons“ erkennen, welche Hemisphäre aktiviert wurde. Bei aversiven Reizen (Schlange/Gewitter) haben die Hunde automatisch den Kopf nach links gedreht. Die Bewegung nach links, zeigt eine Aktivierung der rechten Hemisphäre an, die Angstreize bearbeitet.
Mit gleichem Versuchsaufbau wurde Hunden verschiedene Lautgebungen von Artgenossen vorgespielt. Die Ton- Aufnahmen wurden während einer Spielsituation (Entspannung), einer Gefahrensituation (Arousal) und während der Hund von seinem Halter getrennt war (Isolation) aufgezeichnet. Beim Vorspielen, zeigten die Zuhörer-Hunde eine konsistent signifikante Reizantwort auf diese Tonaufnahmen, in dem sie den Kopf nach rechts drehten. Dies zeigt, dass die Verarbeitung intraspezifischer Kommunikation einer Prädominanz der linken Hemisphäre unterliegt.
Bei einem ganz ähnlichen Versuchsaufbau wurde der wichtigste Sinn des Hundes hinsichtlich seiner Lateralisation getestet. Die Forscher untersuchten, ob Hunde eine Asymmetrie im Gebrauch der Nasenlöcher beim Verarbeiten von Gerüchen zeigen, die sich im emotionalen Gehalt unterscheiden, während Hunde freies Schnüffeln zeigen. Da olfaktorische Kontrollen bei Hunden sehr schnell vor sich gehen, wurden die Geruchspräsentationen gefilmt und Bild für Bild verglichen. Auch hier wurden aversive Gerüche oder Gerüche, die in Konnotation mit einem stressvollen Erlebnis stehen, konsequent mit dem rechten Nasenloch inspiziert. Vorausschicken muss man an dieser Stelle, dass die Verarbeitung von Gerüchen im olfaktorsichen System (Riechschleimhaut, Bulbi olfactorii, Riechhirn, Riechbahnen, olfaktorischer Cortex) nicht wie visuelle oder auditive Reize kontralateral verarbeitet werden, sondern auf der gleichen Körperseite (ipsilateral). So erfolgt die Reizantwort innerhalb der gleichen Hemisphäre wie die Reizverarbeitung.
Die Rechtseitige olfaktorische Untersuchung dieser aversiven Gerüche, belegt daher die Aktivierung der rechten Hemisphäre und ist assoziiert mit gesteigerter Anspannung oder einer höheren emotionalen Antwort. Wurden den Hunden nicht-aversive Gerüche präsentiert, wie Futter, Vaginalsekret, begannen die Hunde die Inspektion meist rechts und wechselten dann aber schnell zur linken Nasenöffnung. Der Wechsel von rechts nach links steht nach Meinung der Forscher damit Zusammenhang, dass unbekannte und neue Reize zunächst immer erst auf Gefährlichkeit geprüft werden müssen.

Pfotenpräferenz und was sie uns über die Kognition unseres Hundes verrät

Die Händigkeit bei Menschen, also welche Hand überwiegend oder bevorzugt für welche Tätigkeit eingesetzt wird, wurde im Zusammenhang mit der Lateralisations- und Kognitionsforschung sehr eingehend untersucht. So wurde in einer großangelegten europäischen Studie, eine signifikante Korrelation zwischen Linkshändigkeit und einem erhöhten Risiko depressiver Symptome zu entwickeln festgestellt. Neben dieser Verbindung zwischen Händigkeit und emotionaler Reaktivität , konnten auch einzelne kognitiven Fähigkeiten (z. B. räumliches Sehen) in Zusammenhang mit der Händigkeit bei Menschen gebracht werden. Während eine geringe funktionale und anatomische Asymmetrie, also das Fehlen einer zerebralen Dominanz einer der beiden Hemisphären, eine signifikante Verbindung zu psychotischen Störungen aufwies.

Auch bei Hunden wurde in vielen Versuchen untersucht, welche Pfote sie zur Lösung einer Aufgabe bevorzugt einsetzten (eine Decke, vom Kopf zu entfernen oder Futter aus einem Behältnis zu holen, einen Klebestreifen von der Schnauzte zu entfernen). Hierbei wurde festgestellt, dass Hunde mit einer schwach ausgeprägten Pfotenpräferenz, insgesamt eine stärkere Reaktivität zeigen, deutlich ängstlicher auf aversive Reize (Gewitter) reagieren und sich schneller von einer Aufgabe ablenken (Kognition) lassen. Eine schwache Pfotenpräferenz ist ein Indiz für eine schwache oder fehlende Prädominanz einer Hemisphäre über die andere und damit für eine schwache oder fehlende funktionale Arbeitsteilung zwischen den Großhirnhemisphären. Dies schränkt die Fähigkeit ein, zwei Aufgaben geleichzeitig auszuführen oder eine einmal eingeleitete Reizantwort durch die andere Hemisphäre zu hemmen oder zu beeinflussen.
Gleichzeitig konnte festgestellt werden, dass Hunde, die bei einem Kong-Futter-Test eine stark ausgeprägte Pfotenpräferen zeigten, sehr viel häufiger, entspanntes und freundliches Verhalten zeigten, wenn sie mit unbekannten Reizen in einer unbekannten Umgebung konfrontiert wurden. Auch waren sie erfolgreicher beim  absolvieren von Hunde-Trainings-Programmen.
Tierethische Aspekte werden adressiert, bei der Untersuchung der Immunantwort von Hunden mit linker oder rechter Pfotenpräferenz bei der Lösung einer Aufgabe. So wurde festgestellt, dass „Linkshänder-Hunde“ im Vergleich mit „Rechtsänder-Hunden“ einen deutlich erhöhten Cortisolspiegel nach der Präsentation eines aversiven Reizes zeigen. Dies führt zu der Hypothese, dass die Händigkeit daraufhin deutet, ob ein Individuum (Hund, Primat; Katze…) dazu neigt neuen Dingen und Situationen eher aufgeschlossen gegenüber zu treten, oder sie eher zu meiden.
Man könnte also aus der Händigkeit bzw. der Pfotenpräferenz die Tendenz ableiten, ob für das einzelne Individuum das Glas eher halb leer oder halb voll ist.

 

Fazit

Festzuhalten ist, dass die zwei Seiten des Hundegehirns, wie das der Primaten, auch einer Arbeitsteilung unterliegen und eine Prädominanz für einzelne Funktionen besteht.
Die linke Hemisphäre dominiert bei der Bewältigung von Alltagssituationen (Futtersuche/Jagd). Hierbei spielen Gewöhnung oder Kategorisierung eine große Rolle. Gleichzeitig ist sie für  intraspezifische Kommunikation zuständig. Die rechte Hemisphäre übernimmt die Aufgabe Erregungspotentiale und Unbekanntes zu analysieren.
Den beiden Hemisphären konnten auch die zwei Copingstrategien, die (proaktive) Annäherung und das (passivem) Meideverhalten zugeordnet werden. So ist die linke Hemsiphäre aktiviert, wenn der Hund sich einem Stimulus annähern möchte und die linke Hemisphäre, wenn er einen Rückzugswunsch hegt.

Diese Fakten können dem Hundehalter letztlich Aufschluss über die Gestimmtheit seines Hundes geben, gerade wenn der Halter keine anderen Verhaltenssignale, die auf die Gestimmtheit hinweisen, wahrnehmen kann.
[1] Dieser Artikel basiert größten Teils auf dem Aufsatz „Wagging to the Right or to the Left: Lateralisation and What It tells of the Dog’s Social Brain” von M. Siniscali and Angelo Quaranta, erschienen in “The social Dog”, hrsg. Von J. Kaminski & S. Marshall-Pescini.

[2] https://www.youtube.com/watch?v=dFs9WO2B8uI

Wie kommt das Runde in das Kratzbürstige?

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Hilfreiche Tipps rund um die Medikamentengabe für Katzen!

Glücklich kann sich schätzen, wer eine entspannte Katze sein eigen nennt. Eine Katze, die alles stoisch über sich ergehen lässt, ob man ihr nun Tabletten in die Schnute stopft, sie mit Augen oder Ohrentropfen traktiert, ihr täglich mehrmals den Blutzuckerspiegel misst, sie mit Lanzetten piekst oder an die Infusion hängt. Eine Katze, die zwar unlustig, aber keineswegs widerstrebend selbstständig in die Transportbox trottet, wenn man sie nur freundlich bittet. Die generell gegen Manipulationen, wie Zecken entfernen und die Krallen kürzen nicht rebelliert, die Schicksalsergeben Wundversorgung und Salbenverbände hinnimmt und selbst mit einer Halskrause Contenance bewahrt.

Aber es gibt auch die anderen, die sich mit achtzehn Krallen, allen noch vorhandenen Zähnen und einer bei chinesischen Kinderakrobaten abgeschauten Beweglichkeit aus unseren hilflosen Versuchen, sie zu fixieren oder zu fesseln entwinden. Die bei Bedarf Pit-Bullgleiche Kiefernkräfte aufbieten, um die Schnauze auf keinen Fall auch nur für einen einzigen Blick kurz zu öffnen. Katzen, die sich schon 5 Minuten bevor mir einfällt, dass sie ihre Tropfen brauchen, in Luft aufgelöst haben. Die Tabletten und Lösungen mit großer Zielsicherheit und einer teilweise recht erstaunlichen Reichweite wieder ausspucken, obwohl man überall lesen kann, dass dies den katzenartigen wegen der nach hinten gebogenen Papillen auf der Zunge unmöglich sei.

Viele Katzenhalter, mich eingeschlossen, versetzt die Aussicht der eigenen Katze Medikamente verabreichen zu müssen in blanke Panik. Fatal wird dies, wenn es sich um eine Langzeittherapie handelt.

Doch es gibt einige Tricks und Tipps, die helfen können das Grauen zu reduzieren.

Training, Training, Training

Die wirkungsvollste Methode um von der Katze in gewissen Grenzen kooperatives Verhalten zu erhalten, besteht in einem frühzeitigen Training. Die Katze lernt durch gezielte positive Verstärkung ein Verhalten (Pfote geben zum Krallenschneiden) mit einer angenehmen Erfahrung (Belohnung) zu verknüpfen (operante Konditionierung).
Der Erfolg des (medizinisches) Trainings beruht einerseits darauf, dass die Katze mit dem Vorgang etwas positives verbindet und andererseits darauf, dass die Katze mit verschiedensten Manipulationen vertraut gemacht wurde. Sie kennt den Ablauf und die Dauer der Manipulation (z. B. Krallenschneiden), die damit verbundenen Geräusche (z.B. Krallenschere) und Gerüche (z.B. Ohrentropfen) und weiß, was auf sie zukommt und dass sie sich nicht in einer Bedrohungslage befindet, sondern danach auch noch etwas Tolles passiert.
Das Training wird in kleinen Schritten aufgebaut und beginnt zunächst mit sehr kurzen Übungseinheiten. Geübt werden sollte vom ersten Tag an, regelmäßig, täglich, in freundlicher Stimmung und mit Spaß, sprich mit Belohnungen und viel sanfter Überzeugungskraft. Geübt wird mit einer entspannten Katze, an einem Ort an dem viel Positives im Leben der Katze passiert, wie spielen, bürsten, schmusen, ruhen. Geübt wird nicht an Fress- oder Ausscheidungsplätzen. Diese Orte sind Tabu, hier dürfen niemals Dinge passieren, die die Katze auch nur im mindesten unangenehm empfindet oder Dinge, die sie nicht toleriert. Denn genauso schnell, wie die Katze Ort, Zeit, Mensch, aktuellen Geruch und Geräusche mit einer positiven Erfahrung (Belohnung) verknüpft, verknüpft sie diese Dinge mit einer unangenehmen Erfahrung und kann nicht mehr entspannt essen oder die Toilette benutzen.
Hilfreich sind sicherlich Erfahrungen mit dem Clickertraining. Zum einen ist positive Verstärkung der Dreh- und Angelpunkt jedes Verhaltenstrainings. Zum anderen kann der Halter in unbefangeneren Situationen mit Timing und Aufbau weniger komplexer Übungen Erfahrungen sammeln.

Geübt werden sollten alle Vorgänge, die bei einer Eingangsuntersuchung durch den Tierarzt durchgeführt werden und alle Maßnahmen mit denen die Katze im Rahmen einer soliden Gesundheitsvorsorge konfrontiert wird. Hierzu gehört:

  • Kontrolle von Zähnen, Rachen, Augen, Ohren
  • Abtasten, Abhören
  • Fieber messen
  • Rasieren
  • Injektionen
  • Krallen schneiden
  • Anlegen eines Stauschlauchs
  • Tragen eines Kragens oder einer Halskrause
  • Tragen eines OP-Katzenbodys oder Thundershirts[1]
  • Einsteigen in die Transportbox
  • verabreichen von Tabletten oder Flüssigkeiten mit und ohne Hilfsmittel

Die einzelnen Übungen sollte man unbedingt vorher mit seinem Tierarzt zumindest theoretisch durchgehen. Bei der Kontrolle der Ohren niemals zu tief in das Ohrinnere eindringen oder bei der Kontrolle der Augen nie die Lieder oder Nickhäute manipulieren.

Erbse beim Tablettentraining

 

 

Hier zwei exemplarische Beispiele für den Aufbau einer solchen Übung:

Kontrolle von Zähnen und Rachen:

  1. Die Katze lernt, dass sich der Mensch mit seinem Kopf in ungewohnter Weise ihrem Kopf nähert. Dies ist für ängstliche oder scheue Katzen bereits ein Albtraum, da die Katze eine berechtigte Angst vor den Zähnen anderer Spezies hat. So stellen andauernder Blickkontakt und die unmittelbare Nähe zum menschlichen Mund eine gefährliche Exponierung für die Katze dar.
  2. Die Katze lernt, dass der Mensch ihr sanft die Mundregion und die Lippen massieren darf
  3. Die Katze lernt, dass der Mensch einen Finger hinter die Backenzähne schieben oder die Lippen hochziehen und an einem Zahn kratzen darf. Die Schnauze, Lippen und Vibrissen sind sehr berührungsempfindlich und ungewohnte Manipulationen sind unangenehm. Einen Finger im Mund zu haben, fühlt sich für eine Katze ähnlich an, wie wenn wir eine ganze Hand in den Mund gesteckt bekommen, man kann nicht schlucken und bekommt einen Würgereiz.
  4. Die Katze lernt, dass der Mensch den Kopf mit einer Hand umfasst und leicht nach oben anheben darf. Dieser Griff ist sehr bedrohlich, da nicht nur die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt wird, sondern auch die sehr verwundbare Kehle exponiert wird.
  5. Die Katze lernt, den Mund zu öffnen und auf zu halten, wenn der Halter mit dem Zeigefinger den Unterkiefer an den Schneidezähnen herabdrückt. Damit entwaffnet sich die Katze freiwillig.

Diese Übung kann Ausgangspunkt für die regelmäßige Zahnpflege sein, wenn man die Katze in kleinen Teilschritten mit einer Katzenzahnpaste und einer weichen Zahnbürste vertraut macht. Darf man das Zahnfleisch der Katze berühren, zeigt man ihr die Zahnpasta, lässt sie riechen und schmecken. Findet sie die Zahnpasta akzeptabel, dann kann man sie sanft mit einem Finger auf Zahnfleisch und Zähnen verreiben, ekelt sie sich vor der Zahnpasta, sollte man eine andere Marke versuchen oder ohne Zahnpasta arbeiten. Dann kommt die weiche Zahnbürste dazu, auch damit soll sich die Katze erst bekannt machen und bevor man die Zähne damit streichelt, sollte man erst unsensiblere Körperpartien damit berühren. Es kann hilfreich sein, die Zahnbürste in Thunfischsaft zu tauchen .

Kontrolle der Ohren

  1. Die Katze lernt, dass sich der Mensch mit seinem Kopf ihrem Kopf nähern darf (siehe 1.1)
  2. Die Katze lernt, dass der Mensch ihre Ohren anfassen und massieren darf.
  3. Die Katze lernt, dass der Mensch den Kopf umfassen darf.
  4. Die Katze lernt, dass der Mensch in die Ohren reinschauen darf und auch mit einem Finger (Otoskop) und einem weichen Tuch in die Ohrmuschel greifen darf
  5. Die Katze wird mit einer leeren Flasche Ohrentropfen bekannt gemacht
  6. Die Katze lernt das Geräusch kennen, dass das Ohrentropfenfläschchen beim Drücken macht
  7. Die Katze lernt, dass der Mensch das leere Fläschchen in die Ohrmuschel halten darf
  8. Die Katze lernt, den sensorischen und akustischen Reiz beim Drücken des Fläschchens im Ohr zu ertragen

Jeder Halter sollte zunächst die einzelnen Handgriffe der jeweiligen Übung ohne Katze üben und sich über Ablauf und Teilschritte klarwerden. Jeder Teilschritt wird dann einzeln mit Katze geübt und langsam hintereinandergeschaltet. Klappt ein oben beschriebener Teilschritt überhaupt nicht, muss er oft noch feiner unterteilt werden.

Ankündigungen

Ankündigungen klären die Katze über unsere Vorhaben auf und geben der Katze enorme Sicherheit. Meine Katze Erbse hat schreckliche Angst vor Menschen. Selbst ich bin ihr nach acht Jahren in bestimmten Situationen unheimlich. Die Verwendung von Ankündigungen, macht ihr mein Verhalten vorhersehbar und damit kalkulierbarer. Begegnen wir uns im engen Treppenhaus, so wende ich mich leicht ab und sage „Passieren“, so weiß sie, dass ich stehen bleibe und ihr den Vortritt gebe. Sitzt sie am geschlossenen Fenster und möchte ich es für sie öffnen, muss ich mich ihr nähern und den Arm nach dem Fenstergriff heben, für Erbse eine bedrohliche Situation, die ich damit entschärfe, dass ich „Fenster“ sage. Erbse weiß nun, dass ich nicht nach ihr greifen werde, sondern nur das Fenster öffne und sie beruhigt sitzen bleiben darf.

Ankündigungen sind gerade beim medizinischen Training eine hilfreiche und auch der Katze gegenüber faire Vorgehensweise. Man sollte sich für jede einzelne Übung ein Wort ausdenken, dass man sagt bevor die Manipulation/Übung beginnt. Auch sollte die Katze immer die Möglichkeit erhalten, sich mit allen erforderlichen Hilfsmittel vertraut zu machen, so dass sie Anblick, Geruch, Geräusch von Tablettengeber, Ohrentropfen und Krallenschere etc. kennt. Bevor diese Gerätschaften zum Einsatz kommen, sollte der Halter sie der Katze zeigen und mit einem gängigen Begriff ankündigen.

intermediäre Brücken

Übungen, die von der Katze verlangen etwas Unangenehmes auszuhalten, zum Beispiel bei der Untersuchung der Zähne den Mund geöffnet zu lassen oder bei einer Spritze stillzuhalten, können durch sogenannte „intermediäre Brücken“ für die Katze ertragbarer gestaltet werden.

Intermediäre Brücken sind akustische Durchhaltesignale, die der Katze anzeigen, dass die unangenehme Situation noch einen Augenblick weiter ertragen werden muss, bevor sie beendet wird und die Katze belohnt wird. Ertönt die intermediäre Brücke, weiß die Katze, dass die unangenehme Situation auch wieder beendet wird und nicht ewig dauert und danach eine Belohnung auf sie wartet. Diese Gewissheit beruhigt und erlaubt der Katze die Situation entspannter zu meistern.

Intermediäre Brücken folgen auf Ankündigungen („Spritze“) oder Kommandos („Bleib!“) und sind sprachlich gedehnte oder oft wiederholte Worte „Eeeeeeeeeaaaaaaaaaaasyyyyy“ oder Silben (lalalalalalalalalalalalalalalala), die während der gesamten Dauer, die die Katze ein bestimmtes Verhalten einfrieren oder halten soll, wiederholt werden.

Die Ankündigung bereitet die Katze also auf das bevorstehende Procedere z. B. „Spritze“ vor.

Die intermediäre Brücke markiert die Zeit, die die Katze etwas (aus-)halten soll. „Eeeeeeeaaaaaaaaasssssssyyyyy“

Der Haltezustand wird durch ein Erlösungssignal („Supiii“) oder den Marker („Click“) beendet. Sie signalisieren der Katze, dass sie alles richtig gemacht hat und nun für ihre Geduld belohnt wird[2].

Entspannungssignale

Entspannungssignale dienen der Katze dazu, die Gefährlichkeit einer Situation zu bestimmen und wirken zumindest in milden Angstsituationen oder bei Stress und Anspannung beruhigend. Bei echter Panik, sind sie nach meiner Erfahrung wirkungslos. Ein Entspannungssignal etabliert man in entspannten Situationen, zum Beispiel, wenn es sich die Katze auf Ihrem Schoß bequem macht. Nun beobachten Sie die Katze und warten Sie bis die Atmung tiefer und langsamer wird, bis das treteln der Katze langsamer wird, sie sich in eine offene Position legt (Seitenlage oder Rückenlage), bis sie blinzelt oder die Augen langsam schließt. In diesen Situationen wiederholen Sie nun Ihr Entspannungsmantra mit ruhiger Stimme und streicheln die Katze mit langen und ruhigen Strichen, an den Stellen, die die Katze mag. Mit der Zeit verknüpft die Katze den Zustand der Entspannung mit dem Entspannungssignal (klassische Konditionierung). Ziel ist es, dass das Wort die Katze an den emotionalen Zustand der Entspannung erinnert und automatisch entspannt oder zumindest die Erregung senkt. Die Wirkung des Entspannungssignals wird durch den Einsatz in angespannten Situationen verringert, denn das Wort wird automatisch auch mit der unangenehmen Erfahrung verknüpft. Aus diesem Grund muss man die Verknüpfung mit der positiven entspannten Situation erneuern. Allerdings klappt diese Erneuerung nicht immer. Als sich Erbse zwei Tage nach einem Tierarztbesuch auf meinem Schoß einkuschelte und ich unser Entspannungssignal („Sweeeet“) wieder aufladen wollte, stand sie grußlos auf und ging. Das Signal hatte sich als Entspannungssignal erledigt.
Hilfreich kann auch ein ruhiges Musikstück[3] sein, dass man genauso wie das Entspannungssignal in ruhigen Situationen, während Schmuse und Kuschelstunden laufen lässt. Es kann bei länger andauernden stressvollen Erfahrungen (Autofahrten/Physiotherapie/Fellpflege …) der Vermittlung einer positiven Gemütslage dienen.

Tricks rund um die Tablette

Haben Sie keine Zeit die Medikamentengabe mit ihrer Katze zu trainieren, bleibt Ihnen zu nächst nichts Anderes übrig, als sie zu bezirzen oder zu zwingen. Ist eine längerfristige Medikamentengabe erforderlich, sollten Sie parallel mit dem Training beginnen. Die folgenden Tipps können in das Training integriert werden und stellen eine Notlösung dar, z. B. wenn man ein erkranktes Tier übernimmt oder im Tierheim ein untrainiertes Tier behandeln muss.

Bei vielen Katzen ist der Moment am besten für Manipulationen geeignet, wenn sie aus einem Schläfchen erwachen und noch etwas dösen. Je gleichmütiger und beiläufiger Sie die Maßnahme durchführen, desto gelassener bleibt Ihre Katze. Am einfachsten ist es, wenn die Katze bereits erhöht liegt oder, wenn Sie sie an einen erhöhten Ort locken können. Positionieren Sie sich leicht seitlich hinter der Katze, so können Sie verhindern, dass die Katze zur Seite und nach hinten entfleucht. Sind Sie Rechtshänder, positionieren Sie sich rechts von der Katze, so, dass Ihre rechte Hand das Medikament verabreicht, während die linke Hand den Kopf der Katze fixieren kann. Sind sie Linkshänder stellen Sie sich am besten auf die linke Seite. Legen Sie vor die Katze ein Leckerchen und streicheln Sie sie mit langen Strichen und reden sie beruhigend mit ihr. Greifen Sie mit der der Katze zugewandten Hand sanft den Kopf halten Sie ihn waagerecht, bitte nicht nach hinten oder oben ziehen und überstrecken, die Katze kann so nicht schlucken. Mit der von der Katze abgewandten Hand schieben Sie die Medikamente seitlich hinter den Backenzähnen in den Mund. Öffnet die Katze nicht freiwillig den Mund, können Sie mit einem Finger der Hand, die den Kopf festhält, leichten Druck auf die Kiefer hinter den Backenzähnen ausüben, so dass die Katze kurz den Mund aufmacht. Sie können auch die Tablette zwischen Zeigefinger und Daumen festhalten und mit dem Mittelfinger versuchen den Unterkiefer auf Höhe der Schneidezähne nach unten zu drücken. Platzieren Sie die Tablette dann soweit wie möglichhinten im Rachen.
Beginnt die Katze zu zappeln, können Sie die Katze in dieser Position zwischen ihrem Oberkörper und dem Arm, der den Kopf festhält, fixieren. Neigt Ihre Katze dazu, an Ihnen hoch zu klettern, um sich der Prozedur zu entziehen oder schlägt sie auf Ihre Hände, so hilft es ein großes Badehandtuch oder eine leichte Decke zur Fixierung zu Hilfe zu nehmen. Schlagen Sie das Handtuch oder die Decke locker um den Hals der Katze, und raffen Sie es hinter einem Ohr zusammen, so dass die Vorderbeine komplett unter dem Handtuch verschwinden. Die Katze kann Sie so nicht verletzen und nicht an Ihnen hochklettern.
Ist die Medizin in der Katze muss der Kopf noch einen Augenblick festgehalten werden und das Maul zu, bis die Katze geschluckt hat. Den Schluckreflex kann man auslösen in dem man den Hals mit der freien Hand leicht streichelt oder in dem man mit einer Spritze (ohne Kanüle) einen winzigen Schluck Wasser nachschiebt. Auch eine sanfte Berührung des Nasenspiegels kann die Katze dazu anregen, sich die Nase zu lecken und dabei zu schlucken. Die Katze wird sofort für ihre heldenhafte Leistung überschwänglich gelobt, geknuddelt und belohnt. Freudentänze sind erwünscht!

Der „Suppentrick“

Prinzipiell ist eine flüssige Medizin einfacher zu applizieren als eine Tablette. Tabletten bleiben oft im vorderen Bereich des Mundes stecken und werden wieder ausgespuckt. Fragen Sie den Arzt, ob die Tablette in Flüssigkeit aufgelöst und dann verabreicht werden kann. Es gibt Tabletten, die mit einem Magenschutzfilm überzogen sind oder Tabletten, die nach und nach ihre Wirkstoffe freisetzen sollen, diese Tabletten dürfen nicht geteilt oder in Flüssigkeit aufgelöst werden[4].
Gibt Ihr Tierarzt grünes Licht, nehmen Sie etwas Hühnerbrühe oder Thunfischsaft, je nach persönlicher Vorliebe der Katze und lösen das Medikament in so wenig Brühe wie möglich auf. Ein Tablettenmörser kann hier hilfreich sein. Beachten Sie, dass warme Brühe oder warmes Wasser den Geruch und Geschmack generell verstärkt, und eine „bittere Pille“ damit noch unangenehmer wird. Schlabbert die Katze die Lösung nicht freiwillig, ziehen Sie es in eine Spritze ohne Kanüle auf und verfahren Sie wie oben beschrieben. Bei einer größeren Menge Flüssigkeit muss die Katze zwischendrin abschlucken dürfen.

Das trojanische Pferd

Eine weitere Möglichkeit ist das Verstecken in besonders beliebtem Futter (Leberwurst und allerlei Pasten), sofern der Tierarzt der Verabreichung mit Futter zustimmt, denn manche Medikamente müssen nüchtern eingenommen werden. Leider finden viele Katzen schnell heraus, dass man etwas versteckt hat. Ich kenne tatsächlich Halter, die mit einem Nagelknipser eine Ecke einer Knuspertasche abgezwickt haben und mit einer Stopfnadel den Inhalt rauskratzen, um die gemörserte Tablette mit Hilfe kleiner Medizinspachtel in der Knuspertasche zu versenken.
Das Verstecken in Futter hat den Nachteil, dass die Katze alles aufessen muss, damit auch die gesamte Dosis in der Katze landet. Das bringt mit sich, dass man unter Umständen einer heiklen Katze das Futter den ganzen Tag hinterhertragen muss und es immer wieder streckt, damit das Futter nicht vollends verschmäht wird, weil es schon angelaufen ist. Als Versteck eignen sich weiche stark riechende Lebensmittel mit einem starken Eigengeschmack, wie Ziegenfrischkäse, Leberwurst, Dosen-Thunfisch, griechischer Schafssahnejoghurt. Die Lebensmittel sollten kühl sein und die Tablette sollte ganz darin verschwinden. Da die Katze erfahrungsgemäß die erste Portion eingehend auf Genießbarkeit prüft, sollte diese ohne Medikament gegeben werden. Sie können gerne auch andeuten, dass Sie das tolle Geschenk nicht so gerne hergibt, ist die Katze gierig, entfällt oft die olfaktorische Vorkontrolle.
Ist die Katze verspielt, machen Sie ein Jagdspiel draus und schnicken oder werfen Sie die Beute. Auch im Jagdfieber vergisst die Katze oft die Beute sorgfältig zu überprüfen. Nach dem das Leckerchen mit Tablette in der Katze ist, bekommt die Katze noch schnell zwei oder drei Leckereien, damit der ggf. unangenehme Geschmack schnell vergessen wird.
Relativ unwiderstehlich hat sich folgender Trick erwiesen: Medikament zerdrücken mit einer kleinen Portion Butter vermischen, mit Hilfe von Butterbrotpapier zu einer kleinen Kugel formen und kurz im Kühlschrank wieder fest werden lassen.
Wenn Ihre Katze Sie genau zu lesen weiß, kann es sein, dass sie Ihre unbewussten Hinweise, wann die „vergiftete“ Portion anrollt, erkennt und genau diese Portion liegen lässt. In diesem Fall kann man es mit einer Doppelblindverkostung probieren. Stellen Sie einige Kügelchen ohne und ein Kügelchen mit Medikament her. Dann mischen Sie diese so, dass Sie selber nicht mehr wissen, in welcher Portion das Medikament ist. Der Nachteil ist, dass die Katze alle Kügelchen essen muss, um sicherzustellen, dass alles in der Katze angekommen ist.
Anstelle von Butter eignen sich auch Käserollis, die man zerdrücken kann und mit einem Tropfen Wasser wieder zu einer Kugel formen kann, in der sich eine Tablette versteckt. Die Firma Greenies vertreibt „Pill Pockets“, runde kleine Leckerchen, die Stängelchen ähneln, in denen man eine Tablette verstecken kann. Sie haben bei meinen Versuchen eine hohe Akzeptanz

Kleine und große Helfer

Magistrale Zubereitung von Medikamenten in Apotheken

In der Pädiatrie ist es üblich, Medikamente für Kinder „lecker“ zu machen, um die Verabreichung zu erleichtern. Dieser Trick wirkt selbstverständlich auch bei Tieren und so haben einige Tierärzte und Apotheker begonnen, Medikamente für Tiere zu aromatisieren. Manche Medikamente, wie Fortekor oder Onsior, werden bereits aromatisiert hergestellt[5]. Wenn es sich um einen gängigen Wirkstoff handelt kann man sich diesen in einer Apotheke[6], die sich auf magistrale Zubereitung von Medikamenten versteht, ansetzen lassen.
Das hat viele Vorteile:

  • der Halter erhält das Medikament bereits in der verordneten Dosis in einer managbaren Form und muss keine 2mm Tablette in 16 Teile zerstückeln.
  • das Medikament kann bereits in flüssiger Form hergestellt werden, was in vielen Fällen einfacher zu verabreichen ist.
  • bestimmte Zusätze, die der einzelne Patient nicht verträgt, können weggelassen werden.
  • das Medikament kann aromatisiert werden. Geschmackszusätze für die Katze variieren von Huhn, Sardine zu Tuhnfisch und Käse, für Hunde von Büffel, Rind hin zu Huhn und Leberwurst. Bei Vegetariern überwiegen Fruchtvarianten, so gibt es z. B. Panacur für Pferde mit Apfel-Zimtgeschmack.

Auch hier ist das Vorgehen mit dem Arzt abzustimmen.

Applikatoren

Ein Tabletten-Applikator kann hilfreich sein, wenn die Tabletten nicht aufgelöst werden dürfen und nicht mit Futter eingegeben werden können. Die Tablette lässt sich einfacher weit hinten im Rachen der Katze platzieren, als mit den Fingern ohne einen Würgereflex auszuüben. Mit etwas Übung merkt die Katze gar nicht, dass sie etwas verschluckt hat. An einen Tabletten Applikator kann man die Katze ganz einfach gewöhnen, in dem man ihr Leckerchen mit dem  pplikator reicht und das „Abfeuern“ spielerisch steigert.

Tablettenmörser, Tablettenteiler, Medizinspachtel, Tablettengeber, Einwegspritze

Tablettenmörser & Tablettenteiler

Der Tablettenteiler ist ein kleiner nützlicher Helfer, um die Tabletten akkurat in gleiche Teile zu teilen, um entweder eine schluckbare Größe zu erhalten oder die Wirkstoffmenge auf die vorgeschriebene Dosis zu reduzieren. Bei kleinen Tabletten wird diese Methode allerdings schnell zu einer filigranen Gradwanderung. Einfach ist es dann die Tablette im Mörser zu zerdrücken und dann mit Hilfe eines Spachtels zu teilen. Aber Achtung wie oben erläutert, nicht alle Tabletten dürfen geteilt oder zerstoßen verabreicht werden.

Leerhüllen

Leerhüllen kann man in unterschiedlichen Größen im Internet bestellen und mit der verordneten Dosis befüllen. Sie sind vor allem dann wichtig, wenn Sie Tabletten teilen oder zerstoßen müssen, um die richtige Dosis zu erhalten, die ausdrücklich nicht geteilt werden dürfen (s. o.).

Hände waschen nicht vergessen

Bitte achten Sie darauf sich nach allen Zerdrück-, Pulverisierungs- oder Verabreichungsaktionen die Hände zu waschen. Schließlich sollen die Wirkstoffe der Medikamente weder Ihnen, noch anderen Lebewesen versehentlich zusätzlich verabreicht werden!

Die Injektion[7]

Subkutan zu verabreichende Medikamente, wie einige Schmerzmittel, Antibiotika, Krampflöser oder Insulin können auch vom Halter zu Hause verabreicht werden. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn die Medikamente täglich oder über einen langen Zeitraum gegeben werden müssen und man der Katze so den Stress eines Tierarztbesuches erspart. Auch bei einer Injektion wartet man einen ruhigen Augenblick für die Verabreichung ab. Zwischen den Schulterblättern ist die Haut am lockersten und flexibelsten. Man greift mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte direkt zwischen den Schulterblättern hinter dem Genick und zieht diese etwas hoch. Es entsteht eine Hautfalte, die wie ein Zelt oder ein umgedrehtes „V“ aussieht. Die Injektionsnadel wird sanft und gleichmäßig parallel zum Körper in das Zentrum der „V“-Hautfalte geschoben. Bevor man die Spritze auslöst zieht man den Kolben ein kleines Stück zurück, dringt nun Blut in die Spritze ein, hat man ein Blutgefäß getroffen und sollte eine andere Stelle für die Injektion suchen. Bilden sich Luftbläschen, hat man durch die Hautfalte hindurch gestochen und Luft angesaugt. Auch in diesem Fall muss man es nochmals versuchen. Dringen weder Luftbläschen noch Blut ein, kann man die Injektion langsam und gleichmäßig auslösen. Damit die Katze den Einstich nicht oder nur mäßig wahrnimmt, kann man ein Ablenkungsmanöver anwenden, indem man eine andere Hautstelle energisch krabbelt, bis die Injektion erfolgt ist. Diese Irritation lenkt die Aufmerksamkeit von den Handgriffen des Tierarztes ab, die Katze konzentriert sich auf Ihre Manipulation und ignoriert im besten Fall den Einstich komplett – zumindest wenn es sich nicht um ein brennendes Mittel wie z. B. Vitamin B handelt.

[1] www.easy-dogs.net/home/blog/training/gastautor/thundershirt.html

[2] Die Belohnung ist nicht immer ein Leckerchen und kann beim Tierarztbesuch darin bestehen, nach der Untersuchung oder der Spritze wieder in die Transportbox zurück zu dürfen.

[3] www.youtube.com/watch?v=05o–LM53p4 oder www.musicforcats.com

[4] www.hexal.de/praeparate/arzneimittel-richtig-anwenden/tabletten-kapseln/hinweise-tabletten-kapseln.php

[5] m.tierwelt.ch/?rub=4483&id=34254 oder www.praeventivmedizin-praxis.de/Praventivmedizin-Praxis/Bioidentische_Hormone_-_Apotheken_und_Arzte.html

[6] www.aponet.de/wissen/arzneimitteldatenbank/arzneimittel/rezepturen.html

[7] de.wikihow.com/Einer-Katze-eine-Injektion-verabreichen

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Das Konzept des „Behavioural Wellbeing“

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Ich hoffe bei mir, dass bei ihnen eine einzelne tolerante, nicht zu große Katze einzieht, die Erfahrungen mit Katzenklappen hat und sich damit arrangiert in eine stickige dunkele Höhe zu klettern, in der sie sich kaum umdrehen kann und in der es ihr nicht möglich ist, die Umgebung zu observieren.

Die Wahl der falschen Toilette kann ein Kardinalfehler sein und die Beziehung zur Katze von Beginn an belasten.

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Klassische Irrtümer Nr. 2 „Ich bin hier der Chef! – Die Mär von Rangordnung und Dominanzbeziehungen und warum sie so hartnäckig in den Köpfen der Menschen überdauert.“

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Rangordnung und Dominanzbeziehungen – ein göttliches Naturgesetz?

Immer wieder werde ich während meiner Arbeit mit dem Konzept der Hierarchie und der Rangordnung konfrontiert, immer wieder bin ich irritiert über die zähe Langlebigkeit mit der sich diese Idee in den Köpfen der Menschen verewigt und wie sie immer wieder aufs Neue an die nachfolgenden Generationen weiter gegeben wird, als handelte es sich dabei um ein unumstößliches Naturgesetz.

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Vergesellschaftung

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Warum mehr als eine Katze? Katzen sind doch Einzelgänger!

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Bestrafung – Sieben gute Gründe, warum sich aversive Reize nicht gut zur Verhaltensmodifizierung eignen

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Das Konzept von Strafe und Belohnung besagt:
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Die meisten von uns sind mit diesem Konzept von Strafe und Belohnung zur Verhaltensbeeinflussung groß geworden. Unerwünschtes oder störendes Verhalten durch Strafe abzustellen ist uns allen vertraut. Zu Strafen liegt uns also nahe und erscheint uns eine einfache Lösung zu sein. Weiterlesen →

Degenerative Gelenkserkrankungen bei der Katze

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Degenerative Gelenkserkrankungen

Degenerative Gelenkserkrankungen sind Veränderungen Gelenke durch den Abbau von Gelenkknorpel, die mit Funktionseinschränkungen und Schmerzen verbunden sind wie Arthrose, Osteoarthrose und Spondylose

Arthrotische Veränderungen gehören bei der alten Katze, zu den häufigsten chronischen Schmerzgeschehen, die leider oft unentdeckt bleiben, weil die Katze nicht zu Schmerzverhalten wie Lahmheit neigt.

Studien haben gezeigt, dass 90 % der über 12jährigen Katzen an einer schmerzhaften Gelenkabnutzung leiden. Bei Katzen von 6 Jahren sind es immerhin schon 34%. Am häufigsten ist das Ellbogengelenk betroffen. Dicht gefolgt von Hüft-, Kniegelenk, Schulter und der Lendenwirbelbereich der Wirbelsäule.

Die (primäre[1]) Arthrose entsteht durch einen mechanischen Verschleiß der Knorpelschicht im Gelenk. Der Knorpelschaden hat schmerzhaften Entzündungen in der Gelenkkapsel zur Folge, in deren Verlauf das Gelenk verdickt und seine Beweglichkeit zunehmend einbüßt. Die Schmerzen führen dazu, dass die Katze die entsprechende Gliedmaße schont. Durch die Schonhaltung wird das geschädigte Gelenk jedoch weniger bewegt. Die fehlende Bewegung führt wiederrum dazu, dass das Gelenk und umliegende Gelenke nicht ausreichend Gelenkschmiere produzieren. Der verbliebene Knorpel baut sich noch schneller ab, da er nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird und die Gleitfähigkeit im Gelenk reduziert ist. Die zunehmenden Verletzungen der Knorpelhaut führen zunächst zu einer Wucherung des Bindegewebes und später zu einem irreversiblen Umbau des Knochens in Form von knöchernen Anlagerungen an den Gelenkflächen (Osteophyten). Gleichzeitig belastet die Katze durch die Schonhaltung andere Gelenke stärker und überanstrengt diese durch die unnatürliche Haltung. Dies ist der Beginn einer Schmerzspirale.

Neben dem Alter begünstigen verschiedene Faktoren die Entstehung von Arthrosen und degenerativen Gelenkserkrankungen:

  • bestimmte Rassen besitzen eine genetischen Dispositionen für bestimmte Gelenkerkrankungen

o    Hüftdysplasie (z. B. Main Coon, aber auch Perserkatzen und Siamesen),

o    Patella Luxation (z.B. bei Rassen wie den Abyssiniern und Devon Rex

o    Knorpelfehlbildungen (Osteochonrodysplasie) der Scottisch Folds sind für die geknickten Ohren der Rasse verantwortlich, betreffen aber den Knorpel des gesamten Körpers, vor allem die Oberschenkelknochen und Gelenke

  • Verletzungen und Traumas (Knochenbrüche, Dislokationen, sekundäre Osteoarthritis)
  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus

 

Zeichen für eine Gelenkerkrankung

Schmerzhafte Veränderungen des Gelenkapparates sind bei der Katze, im Gegensatz zu Hunden, oft nicht offensichtlich, da Katzen im allgemeinen Schmerzen und Beschwerden verbergen.

Katze verändern stattdessen langsam aber stetig ihre Lebensweise.

Es beginnt mit Einschränkungen der Raumnutzung und Bewegung. Die Steifheit und der Schmerz schränken die Bewegungsfreiheit ein und die Katze ändert ihr Komfortverhalten. Der dauernde Schmerz stresst die Katze und dies führt zu einem veränderten Sozialverhalten. Die Katze ist Auseinandersetzungen nicht gewachsen und hat kein Interesse an Sozialspielen. Sozialkontakte und Berührungen werden als unangenehm empfunden, die Katze zieht sich oft zurück. Diese Veränderung führen oft in eine Depression oder Angststörung.

 

Einschränkung der Mobilität

Die Raumnutzung, insbesondere der 3. Dimension, wird immer weiter eingeschränkt. Die Katze

meidet frühere erhöhte Lieblingsorte, liegt oft an ein und demselben Platz,

patrouilliert seltener im Revier und schränkt Ausflüge nach draußen ein, klettert eher als das sie springt, springt nicht mehr oder nicht mehr so hoch, bevorzugt niedrigere einfacher zu erreichende Plätze, verspringt sich öfter und zaudert vor dem Absprung länger, meidet Treppen. Nach längerem Ruhen sind Bewegungsschwierigkeiten (Steifheit/Lahmheit) sichtbar. Auch können Probleme beim Einstieg in die Katzentoilette oder beim Passieren der Katzenklappe, Probleme beim Harn- oder Kotabsatz aufgrund der Schonhaltung, beobachtet werden.

 

Veränderung der Aktivität

Die Katze spielt weniger, ist insgesamt inaktiver und passiver, schläft mehr, nutzt Kratzgelegenheiten seltener, die Krallen werden oft zu lang, da die Katze weniger läuft und seltener die Krallen schärft. Zu lange Krallen führen zu weiteren Problemen beim Laufen und drohen einzuwachsen. Explorations- und Neugierverhalten scheinen reduziert. Die Katze jagt weniger, putzt sich weniger, vor allem an schlecht zugängliche Körperpartien (Rücken/Schwanzansatz) verfilzen. Schmerzhafte Partien werden oft kahlgeleckt oder gerupft (oft Fuß- und Beingelenke und entlang der Wirbelsäule). Verringerter Appetit und vermehrtes Vokalisieren können auch Schmerzmarker sein.

 

Veränderung des Sozialverhaltens

Die Toleranz gegenüber Körperkontakt und sozialer Interaktion ist gesenkt. Die Katze wird berührungsempfindlich, distanziert sich häufiger, reduziert Sozialkontakte. Häufig ist eine Zunahme von Distanzierungsaggression. Das veränderte Erscheinungsbild und Gangbild können bei Mitkatzen aggressives Verhalten auslösen.

 

Veränderung des Ausscheidungsverhaltens

Häufig tritt Unsauberkeit auf, weil der Zugang zur Toilette zu beschwerlich ist (fehlender erniedrigter Einlass). Andere Katzen nehmen beim Kot- oder Harnabsatz eine Schonhaltung ein und hocken sich nicht mehr hin, dadurch geht oft etwas über den Rand hinaus. Mit zunehmendem Schmerz wird es immer schwieriger in der engen Haubentoilette die Schonhaltung einzunehmen oder die Toilette wird insgesamt mit Schmerzen beim Ausscheiden (hocken, krümmen, pressen) in Verbindung gebracht und gemieden.

 

Diagnose

Ab dem siebten Lebensjahr sollte jede Katze regelmäßig auf schmerzhafte Veränderungen des Gelenkapparates untersucht werden. Wichtigste Indizien sind die Beobachtungen des Halters.

Untersuchungen sind schwierig, da die Überprüfung von Beweglichkeit sehr schmerzhaft ist, bildgebende Verfahren sind nicht immer aussagefähig, da vor allem zu Beginn der degenerativen Veränderungen diese z. B. auf Röntgenbildern nicht sichtbar sind. Unter Umständen hilft es für einen bestimmten Zeitraum ein entzündungshemmendes Schmerzmittel zu verabreichen, um festzustellen, ob eine Besserung eintritt. Zuvor sollten Blut- und Urintests durchgeführt werden um weitere Erkrankungen bei der Medikamentierung berücksichtigen zu können. Oft ist die eklatante Verbesserung des Zustandes der Katze unter Schmerzmitteln das einzige Indiz für ein chronisches Schmerzgeschehen.

Bevor durch die Gabe von Schmerzmitteln eine Besserung eintritt können bis zu sieben Tage vergehen. Katzen die über einen langen Zeitraum unerkannt unter chronischen Schmerzen gelitten haben, benötigen einen ungleich längeren Zeitraum, um eine Verbesserung zu erreichen, da zunächst ihr „Schmerzgedächtnis“ überschrieben werden muss.

Unter Schmerzgedächtnis versteht man eine neuronale Veränderung im Gehirn und Rückenmark durch Schmerzerfahrungen. Starke, anhaltende Schmerzreize hinterlassen sehr schnell bleibende Spuren im Gehirn: Nervenzellen erhöhen ihre Reaktionsbereitschaft und setzen verstärkt Botenstoffe frei. Gleichzeitig vermehren sich die Rezeptoren und verändern ihre Eigenschaften. Dadurch funktioniert die Reizübertragung effektiver. Die hochsensiblen Nervenzellen sind lernfähig und senden schon bei schwachen Reizen wie Wärme, Druck, Wetterumschwung, Dehnung oder Berührung oder sogar ganz ohne auslösende Reize, Schmerzsignale an das Gehirn.

Die Schmerzempfindung ist nun nicht mehr allein durch körperliche Veränderungen erklärbar.

Die Schmerzen führen zu einer Schonhaltung, die Katzen bewegen sich weniger, und es entstehen neue Schmerzpunkte im Körper, die sich ebenfalls chronifizieren, wenn keine Schmerztherapie greift. Auch diese Nervenzellen entwickeln sich dann zu Schmerzgeneratoren. Die ursprüngliche Ursache ist mittelfristig nicht mehr feststellbar.

Chronischer Schmerz verändert einerseits auf der Ebene der Nervenzellen, die Reizweiterleitung und der Reizsensibilität und andererseits führt die Reduzierung der Aktivität, die Verringerung der Mobilität und der schmerzbedingte soziale Rückzug zu einer Veränderung des gesamten Verhaltens und des Lifestyls.

Das Schmerzgedächtnis kann nur bei Schmerzfreiheit über einen Lernprozess überschrieben werden. Dazu muss die Katze die Erfahrung machen, dass die zuvor gemiedenen Bewegungsabläufe nicht mehr schmerzhaft sind. Dies ist schon beim Menschen ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess, entsprechend komplizierter ist der Prozess des Umlernens bei der Katze. Neben der Gabe der Schmerzmittel muss die Katze also aktiv zu Bewegung angeregt werden. Passiv kann dies durch Physiotherapie und Massagen geschehen, aktiv durch Spiel und Kletterangebote.

 

Behandlung von degenerativen Gelenkerkrankungen

Barrierefreiheit und Wellness

Da es sich um eine nicht reversible Entwicklung handelt ist es enorm wichtig die Lebensqualität der Katze zu verbessern und die Einschränkungen, die sie durch den Verlust der Beweglichkeit erfährt bestmöglich zu kompensieren.

o   Aufstiegshilfen zu den beliebtesten Ruhe- und Schlafplätzen (Kratzbaum, Sofa, Fensterbrett,…)

o   Etablierung neuer, ruhiger, warmer, weicher und witterungsgeschützter Rückzugsorte,

o   Snuggelpads

o   barrierefreier Zugang und kurze Wege zu Toilette, Katzenklappe, Futter und Wasser

o   Mindestens eine Toilette je Stockwerk

o   erhöhte Futter- und Wasserstellen, so dass die Katze schmerzhafte Bewegungsabläufe vermeiden kann

o   Unterstützung bei Fell- und Krallenpflege

o   vermehrte Aufmerksamkeit und Zuwendung, um eine Depression oder Angststörung zu vermeiden

o   Altersgerechte Spiele und Unterhaltung

Wichtig ist die Flüssigkeitsaufnahme zu fördern, da dies die degenerativen Prozesse verlangsamt. Viele attraktive Wasserstellen, an denen die Katze während ihrer Rundgänge vorbeikommt animieren zu zusätzlicher Wasseraufnahme genauso wie die Aromatisierung mit etwas Thunfischsaft oder der Gabe von Naturjoghurt.

 

Diät und Ernährungsergänzungsmittel

Übergewicht beschleunigt den Abnutzungsvorgang und verschlimmert die Bewegungsschmerzen. Übergewichtige Katzen dürfen jedoch nur sehr langsam abnehmen, nicht mehr als 1-2% des eigenen Köpergewichtes pro Woche, da ein schneller Gewichtsverlust gerade bei übergewichtigen Katzen zu einer lebensbedrohlichen hepatischen Lipidose[2] führen kann. Eine Gewichtsreduktion sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen.

Omega 3 Fettsäuren sollen entzündliche Prozesse reduzieren und schmerzmindernd wirken. Gluckosamin ist ein Baustoff des Knorpels, des Bindegewebes und der Gelenkflüssigkeit und wird aus Chitin (z. B. Schalen von Krebstieren und Muscheln) hergestellt. Glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel z. B. Grünlippmuschelextrakt oder Cosequin® sollen die Bildung von Gelenkknorpel unterstützen, entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.

Chodroitin hingegen wird oral eingenommen nicht resorbiert (Bioverfügbarkeit), sondern verdaut und größtenteils in Glucosamin umgebaut.

Bei den marktüblichen Nahrungsergänzungsmitteln ist die Konzentration meist zu gering. Die Präparate sind nebenwirkungsfrei und ungefährlich, eine eindeutige Wirkung bei Katzen konnte noch nicht nachgewiesen werden.

ASU Avocado/Soybean unsaponifiables (Avocado/Sojabohnen unverseifbare Stoffe) Präparate werden seit einigen Jahren gegen den Knorpelabbau eingesetzt. Sie stehen im Ruf, entzündungshemmend zu sein und helfen die Knorpeloberfläche zu reparieren. Studien haben die Wirksamkeit beim Menschen belegt.

 

Medikamente

Medikamente gegen Arthrose wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend und müssen durch den Tierarzt verordnet und überwacht werden. Da es sich um eine Langzeitgabe handelt, müssen Nebenwirkungen und Dosierungen genau kontrolliert werden.

Meloxicam (Metacam) ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum und das bekannteste Langzeit-Schmerzmittel für Katzen mit den geringsten Nebenwirkungen. In manchen Fällen konnte beobachtet werden, dass die Wirkung von Metacam nach einiger Zeit nach lässt.
Gegenindikation bei Niereninsuffizienz, Erkrankungen der Magen – oder Darmschleimhaut. Nebenwirkungen: Inappetenz, Durchfall, Erbrechen

Onsior nichtsteroidaler Entzündungshemmer

Gegenindikation: bei Magengeschwüren, bei eingeschränkter Herz- Nieren oder Leberfunktion

Nebenwirkungen: Durchfall und Erbrechen

Buprenophine, dem Morphium verwandtes Opiat,
Gegenindikation bei Niereinsuffizienz oder Schilddrüsenüberfunktion,
Nebenwirkungen: Verdauungsprobleme, Magenschmerzen, Sedierung, Schwäche und verlangsamte Atmung

Amantidine blockiert spezielle Schmerz –Rezeptoren, Monoamiooxidase-Hemmer, Gegenindikation bei Niereninsuffizienz, Epilepsie, Lebererkrankungen und Herzfehlern Nebenwirkungen: Durchfall, Halluzinationen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck,

Tramadol Opioid, dass bestimmte Schmerzrezeptoren im Gehirn blockiert, Serotonerge Wirkung (Antidepressiva)
Gegenindikation: Epilepsie
Nebenwirkungen: Verstopfung, Benommenheit, Halluzinationen, Übelkeit und Erbrechen

Gabapentin Anti-Epileptikum und zur Behandlung neuropathischer Schmerzen

Gegenindikation bei Nieren- und Lebererkrankungen oder bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

 

Physiotherapie und Akkupunktur

Die Hilfe eines guten Physiotherapeuten, der Hausbesuche macht ist ein wahrer Segen für Schmerzpatienten. Die wichtigste Therapie für die geschädigten Gelenke ist gerichtete Bewegung. Die krankengymnastischen Bewegungen müssen katzengerecht, in kleinen Dosen über den Tag verteilt durch den Besitzer nach Anleitung durch den Physiotherapeuten geübt werden. Akkupunktur, Magnetfeldtherapie und Matrix-Rhythmus-Therapie können, je nach Temperament der Katze zu einer Erhöhung der Beweglichkeit und einer Reduktion der Schmerzmittel führen.

Auch eine Blutegeltherapie kann bei gut lokalisierten Schmerzpunkten einer duldsamen Katze große Erleichterung verschaffen.

 

 

Quellen:

„Arthritis and degenerative joint diseases in cats“ by International Cat Care

“Osteoarthritis in cats: What we now know about recognition and Treatment” By Shelly A. Robertson

“Treating Chronic Pain In the Geriatric Feline” by Christi Benigni

“A Review of Opioide Use in Cats” by Shelly A. Robertson
“Genetic welfare problems of companion animals – Osteochondrodysplasia” by Rosie and David Godfrey Universities Federation of Animal Welfare (UFAW)

“Neuropathic Pain: Are you Seeing it more than you think?” Mark E. Epstein

 

[1] primäre (idiopathische) Arthrose:

  • Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels (Übergewicht, Überbelastung, etc.),
  • angeborene Fehlstellungen oder Gelenkdysplasien

sekundäre Arthrose:

  • traumatisch bedingt: Gelenkfehlstellungen nach Trauma, etc.
  • metabolisch bedingt: Gewebe-/Knochenschäden bei Mangeldurchblutung, Diabetes mellitus, , Entzündungen, etc.
  • medikamentös bedingt

 

 

[2] www.katzendiabetes.de/1947672.htm

Auf dem Weg zu einem stressfreieren Tierarztbesuch mit Katze

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Ich wundere mich immer wieder darüber, was wir unseren Katzen bei einem Tierarztbesuch zumuten, wie gedankenlos viele Katzenhalter mit ihrer Katze im Wartezimmer beim Tierarzt und wie grobschlächtig und verantwortungslos einige Tierärzte mit ihren Patienten umgehen.

Nach einer kläglich gescheiterten Flucht vor dem Halter und der Transportbox, einer wackeligen Fahrt in einem Auto, bei der der Katze schlecht geworden ist und während der die Angst vor dem Unkalkulierbaren mit jedem Atemzug gestiegen ist, finden sich die allermeisten Katzen, eingesperrt in der Transportbox, auf dem Boden eines Tierarztwartezimmers wieder.
Die Katze ist in der Box an der natürlichsten Reaktion bei Stress, der Flucht gehindert. Sie ist Gerüchen ausgesetzt, die Angst auslösen, wie der Geruch von Hunden und anderen Katzen, der ungewohnte Geruch nach Desinfektionsmitteln und Blut und Harn und nicht zuletzt die Angst, der anderen Tiere, die zuvor behandelt wurden. Gleichzeitig ist die Katze vor allem in gemischten Wartezimmern einer Kakophonie an kläffenden Hunden, nörgelnden Kleinkindern und schreienden Vögeln ausgesetzt.

Anstatt sich das aus einiger Höhe wenigstens von oben anzuschauen, stellt der gedankenlose Halter den Transporter auf den Boden zwischen die kläffenden Hunde und fordert die noch gedankenlosere Hundebesitzer nicht einmal auf, ihre aufdringlichen Wautzis von der Transportbox fernzuhalten. Wiederrum anstatt die Tierarzthelferin zu bitten, der kläglich schreienden Katze und sich selber einen stilleren Rückzugsort anzubieten, wird das alles aus gesessen. Übel riechende fremde und bedrohlich wirkende Hunde kommen viel zu nah, genauso wie viele aufdringliche andere Patientenbesitzer, die die Beklemmung einer ängstlichen Katze mit ihrer Neugier noch vergrößern.
Dann wird sie aus dem Transporter gezerrt, auf einem glitschigen und glatten kalten Tisch gesetzt, mit groben Griffen fixiert und anderen schrecklichen Zwangsmaßnahmen ausgesetzt.

Das alles müsste so nicht sein. Ich glaube zwar nicht, dass man der Katze einen stressfreien Tierarztbesuch ermöglichen kann, aber ich glaube, dass man viel tun kann, um den Stress zu reduzieren.
Zunächst sollte man Zuhause mit einem Training die Katze auf den Tierarztbesuch vorbereiten.

  • Die Transportbox sollte ein Möbelstück sein, in dem die Katze unregelmäßig gefüttert wird, in dem es kuschelig ist und die Katze auch hin und wieder schläft. Das schafft man durch ein sogenanntes „Transportboxtraining“. Die Katze wird bei jeder Annäherung an die Box gelobt und belohnt, bis sie sich freiwillig gerne in der Box aufhält. Dann wird die Box kurz verschlossen, später wird die Katze ein wenig in der Box herumgetragen. Sprühen Sie die Box immer wieder, vor allem aber vor einem Tierarztbesuch, mit Feliway ein.
  • Holt man die Transportbox erst hervor, wenn es ernst wird, dient die Transportbox schon als Ankündigung des bevorstehenden Grauens und die Katze ist alarmiert.
  •  Medizinisches Training macht es der Katze leichter mit den Prozeduren während der Behandlung klar zu kommen. Zuhause sollte man von Beginn an jede Katze an gewisse Manipulationen gewöhnen: in die Ohren schauen, Mund aufmachen, Zähne anschauen, Krallen schneiden und abtasten gehören genauso dazu, wie die Simulation einer Injektion (Hautfalte ziehen und mit einem Kugelschreiber leicht pieken). Die Katze kennt dann im Ernstfall die Handgriffe und im besten Fall haben Sie diese Handgriffe mit der Katze bereits mit Vorankündigungen geübt: Wie „Ohr“ für „jetzt fummeln wir an den Ohren rum“, oder „Mäulchen“ um mit einem Zeigefinger ein Leckerchen in den Mund zu schieben, als wäre es eine Tablette. Für die Verabreichung von Spritzen und anderen längeren Maßnahmen, sollten Sie Durchhalteparolen üben. Sogenannte intermediäre Brücken , zeigen der Katze an, dass das Aushalten gleich belohnt wird.
  • Benutzen Sie immer eine Transportbox für den Gang zum Tierarzt. Nehmen Sie Ihre Katze niemals nur an der Leine oder auf dem Arm mit in eine fremde Gegend. Bei einem unvorhergesehenen Schreck, haben Sie keine Chance Ihre Katze, festzuhalten und Ihre Katze hat keine Chance nach Hause zurück zu finden. Viele Katzenbesitzer, haben ihre Katzen bei solchen Abenteuern verloren. Alle Holzkonstruktionen, inkl. den optisch ansprechenden Weidenkörbchen sind unfallträchtig und meist nicht für den Transport geeignet. Bekommt man die Katze zuhause noch hinein, ist es oft schier unmöglich die Katze aus so einem Behälter hinaus zu bekommen. Am besten geeignet sind stabile Hartschalentransportboxen, die sich in der Mitte teilen und nach oben öffnen lassen.
  • Für die meisten Katzen ist es am stressfreiesten, wenn die Katze in der unteren Hälfte in ihrer Box während der Behandlung sitzen bleiben kann. Am besten auf einer Decke die man mit Feliway behandelt hat und die nach der Katze selber riecht. Sehr ängstlichen Katzen kann man helfen, wenn man die Box während des Transportes mit einer Decke abdeckt. Andere Katzen finden es besser, wenn sie sehen können, was vor sich geht oder aus dem Fenster schauen können.
  • Transportboxen mit Katzen gehören während des gesamten Weges von Zuhause zur Praxis, im Wartezimmer und auch im Behandlungszimmer nicht auf den Boden! Tun Sie das Ihrer Katze nicht an!
  • Gibt es keine getrennten Wartezimmer, sind laute Hunde im Wartezimmer, ist es zu eng oder zu laut, bitten Sie im Auto warten zu können oder in einem ruhigeren Raum. Das steht Ihrer Katze zu und katzenfreundliche Praxen bieten dies bereits an!
  • Die meisten Untersuchungstische haben eine glatte und kalte Oberfläche, auf der sich Katzen noch unsicherer fühlen, weil sie keinen Halt finden. Oft wirkt hier eine mitgebrachte Matte Stress reduzierend.
  • Sprechen Sie mit der Katze während der Behandlung sanft und ruhig. Vielen Katzen hilft es, wenn man die Hand über die Augen hält, in der die Katze ihren Kopf verbergen kann. Auch Handtücher, mit der man die Katze zudeckt, gerne mit Feliway behandelt, wirken oft beruhigend.
  • Wenn Ihre Katze darauf anspricht, geben Sie vor, während und nach der Behandlung besondere Leckerchen, dass ändert den emotionalen Zustand der Katze und wirkt gleichfalls Stress reduzierend.
  • Suchen Sie eine katzenfreundliche Tierarztpraxis, die getrennte Wartezimmer für Hunde und Katzen anbietet oder für Katzen Termine vergibt, so dass die Wartezeit minimiert ist. Das Praxisteam sollte im Umgang mit ängstlichen und angstaggressiven Katzen geschult sein und so wenig Zwang wie möglich auf die Katze ausüben. Die/der Tierärzt/in sollte sich durch sanftes und ruhiges Verhalten auszeichnen und auf Katzenerkrankungen spezialisiert sein. Außerdem sollte sie/er Ernährungstipps und Beschäftigungsvorschläge in den Behandlungsplan einbauen und den Halter verständlich und ausführlich über die Krankheit und die Behandlung informieren.
  • Bitte achten Sie auf Ihr eigenes Bauchgefühl, fühlen Sie sich nicht wohl, sind Sie gestresst und empfinden Sie die Atmosphäre bedrückend, so überträgt sich dass nicht nur auf Ihre Katze, sondern Sie können mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass Ihre Katze sich noch schlechter fühlt als Sie.
  • Achten Sie auf das Verhalten der Tierarzthelferinnen oder des / der behandelnden Tierärztin, wirkt sie uninteressiert, grob oder von einem sich sträubendem Tier genervt, verbuchen Sie den Besuch als Erfahrung und suchen Sie eine neue Praxis und ein neues Team.
  • Ihre Katze hat nicht nur ein Recht auf fachlich qualifizierte Behandlung, sondern auch auf eine einfühlsame und sanfte Behandlungsweise.

Absolute Ausschlusskriterien

Das Behandlungszimmer ist ein intimer Platz für Sie und ihre Katze, und kein Kontakthof. Hier werden immer auch lebenswichtige Entscheidungen getroffen. Störungen durch andere Patienten, Telefonate, Besuchen von Nachbarn haben hier genauso wenig zu suchen wie gelangweilte Kinder von Tierärzten, die ein Problem mit den Mathe-Hausaufgaben haben.
Das würden Sie sich bei Ihrem Hausarzt auch verbitten.
Behandlungszimmer und Vorzimmer müssen räumlich getrennt sein, weil die Behandlung sonst immer wieder unterbrochen wird, weil jemand etwas abholt oder bezahlen möchte.

Seinen Sie skeptisch, gerade bei einer Diagnose, die mit einer Langzeittherapie zusammenhängt. Ihnen sollte Ihre eigene Gesundheit auch eine zweite Meinung wert sein. Bei Ihrer Katze sollten Sie das nicht anders handhaben.
Augen auf beim Diätfutterkauf! Viele Tierärzte empfehlen das Einfachste, eine Fertigdiät, im besten Fall weil sie damit eine Verbesserung der Ernährung erreichen, im schlechtesten Fall weil sie daran verdienen. Fragen Sie nach, woraus das Futter besteht, welche Verbesserung es darstellt, wie die Diät funktioniert und welche Alternativen es zu einem Fertigfutter gibt. Gerade bei der gängigsten Katzen-Spezial-Diät, der Nierendiät, gehen die Meinungen der Tierärzte weit auseinander, da die herkömmlich proteinreduzierte Nierendiät ein zweischneidiges Schwert ist, dass bei vielen Katzen eine Abwärtsspirale einleitet.

Schnippigkeiten und Patzigkeiten bei Rückfragen oder bei Unverständnis bezahlen Sie mit, also überlegen Sie sich, ob Sie so eine Behandlung weiter genießen wollen.

Gerade bei Katzen muss der Halter ganz entschieden eingreifen, wenn die angewendeten Praktiken in Grausamkeit umschlagen. Einer sich sträubenden Katze einen Maulkorb aufzusetzen und dem ahnungslosen Halter noch zu erklären, dass dies die Angst verringert, ist tierschutzrelevant, ungeachtet der großen Verletzungsgefahr, denn eine Katze ist kein Hund!
Bei der Behandlung einer Katze und gerade bei einer ängstlichen Katze ist das Motto immer: So wenig Zwang wie möglich! Alle Restriktionen vergrößern die Angst und die Gegenwehr automatisch!
Fixieren oder Clipping sind bereits harte Bandagen für eine ängstliche Katze. Eskaliert die Situation muss ein seriöser Tierarzt die Behandlung unterbrechen und sich andere Wege einfallen lassen, die entsprechende Prozedur durch zu führen.
Eine gute Katzenpraxis macht aus, dass dort Fachärzte arbeiten, die sich hinsichtlich der speziellen Erkrankungen der Katze weitergebildet haben und bei der Organisation des Praxisablaufes dem speziellen Wesen der Katze Rechnung tragen.
Bei der Suche kann ihnen die vom bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte e. V.) verliehene Auszeichnung „Service Plus für Katzen“ helfen.

Seminarankündigung

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Ich freue mich, meine neuen Seminare zu den Themen

Lernprozesse, Unsauberkeit und Markieren am 09.08.14

Aggressionen, Angst und Aufmerksamkeitsheischendes Verhalten am 20.09.14

ankündigen zu können.

In zwei vierstündigen Seminarblöcken können interessierte Katzenhalter sich mit den
Methoden der Verhaltenstherapie vertraut machen.

Ich erläutere Lernmodelle und stelle die gängigsten Trainingsmethoden vor.
Außerdem werden Lösungen zu den häufigsten Problemen im Zusammenleben mit unseren Katzen anschaulich dargestellt

Themen und einen Anmeldelink finden Sie hier 

Der Eintritt geht komplett als Spende an das Tierheim Rüsselsheim!

Was versteht man unter übermäßigem Vokalisieren und warum neigen taube Katzen zu exzessivem Schreien?

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Was versteht man unter übermäßigem Vokalisieren?

Übermäßiges Vokalisieren fasst

  • normales Vokalisieren zu einer unangebrachten Zeit,
  • dauerndes Nörgeln und Erzählen,
  • lautes kraftvolles und exzessives Schreien oder
  • entartetes Kreischen,

zusammen.

Was übermäßig ist hängt immer auch von der Toleranz und Wahrnehmung des Halters ab. Eine Katze die langanhaltend während der Vorbereitung ihrer Lieblingsspeise schnurrt, wird niemand des übermäßigen Vokalisierens bezichtigen. Eine Katze hingegen, die Nachts scheinbar grundlos vor der verschlossenen Schranktür steht und schreit, stellt einen erheblichen Störfaktor dar.

Welche Ursachen hat übermäßiges Vokalisieren?

Ursachen für übermäßiges Vokalisieren sind vielfältig und es kann

  • auf eine echte Verhaltensstörung (Angststörung/Hyperattachment, Hyperaktivität, feline Hyperästhesie, kognitive Dysfunktion/Demenz, kompulsive Störung/Stereotypie),
  • auf eine schlichte Unterforderung/Frustration oder
  • auf eine ernsthafte Erkrankung

hindeuten.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Taubheit und exzessivem Vokalisieren?

In vielen Ratgebern wird auch Taubheit als eine Ursache für übermäßiges Vokalisieren angegeben. Doch das stimmt nur zur Hälfte.

Eine logische Erklärung, dass allein die Taubheit zu einem vermehrten übermäßigen Vokalisieren führt wurde bislang nicht erbracht. Allenfalls die Lautstärke beim Vokalisieren kann der Taubheit kausal zugeordnet, da sich die Katzen nicht selber hören und nur die erzeugte Resonanz wahrnehmen können.

Es ist jedoch richtig, dass taube Katzen weit häufiger zu übermäßigem Vokalisieren und anderen aufmerksamkeitsheischenden Verhaltensweisen neigen, als andere Katzen.

Das liegt nach meiner Einschätzung an der besonderen Umwelterfahrung tauber Katzen.

Eine taube Katze muss sich mit einem geringeren Informationsinput hinsichtlich ihrer Umgebung und ihrer Bezugspersonen arrangieren und hat durch fehlende akustische Rückmeldungen radikal beschränkte Bindungserlebnisse.

Hinzukommt eine weitere Einschränkung von Umwelterfahrungen und Eindrücken, da taube Katzen meist aus Sicherheitsgründen in der Wohnung gehalten werden und keine ausgleichende alternative und adäquate Förderung und Beschäftigung erhalten, die das Defizit an sensorischen Erfahrungen und Erlebnissen aufwiegt.

Die taube Katze ist also in vielfältiger Weise stark isoliert und jede Abwechslung (spielen, füttern, streicheln) in ihrem Lebensraum ist an den Menschen gekoppelt.

Wie hörende Katzen, instrumentalisieren taube Katzen das Miauen, um eine Reaktion (Futter, Aufmerksamkeit, Zuwendung etc.) von uns zu erhalten. Wir bestärken das Verhalten immer wenn wir auf die Katze eingehen. In den meisten Fällen beobachten uns taube Katzen viel aufmerksamer als hörende Katze, da sie geringere Störfeuer zu verarbeiten haben und lernen daher anhand unserer Reaktionen schneller. Nach teilweise nur drei Reaktionen unsererseits auf das Miauen einer Katze, weiß die Katze dies bewusst einzusetzen.

Gleichzeitig, sensitiviert die taube Katze ihre anderen Sinne (visuelle Wahrnehmungen/Geruch/Sensorik), um das Manko an akustischer Wahrnehmung auszugleichen und zeigt allgemein eine erhöhte Reizempfindlichkeit, die zu überschießenden Reizantworten führt. Es reicht also ein geringerer Reiz (ein langsam am Fenster vorbei segelndes Blatt), um eine Reaktion hervorzurufen (z. B. Frustration). Solche Frustrationen führen bei tauben Katzen allgemein oft zu energiegeladenen Schreianfällen, so als würde sich die Katze Luft machen wollen.

Fazit:

Frustration, Isolation und mangelnde Beschäftigung sind daher die Ursachen für die häufige Verbindung von Taubheit und übermäßigem Vokalisieren und anderen aufmerksamkeitsheischenden Verhaltensweisen.

Warum Aggression keine Verhaltensstörung ist!

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Eine Familie hatte einen Kater adoptiert und dann in meinem Blog gelesen, dass er anfänglich auf Menschen aggressiv reagiert habe.

Dies hat die Familie derart verunsichert, dass sie den Kater fast wieder zurück gegeben hätten, da sie kein aggressives Tier oder ein Tier mit einer „schweren Verhaltensstörung“ haben wollten.

Aus diesem Anlass möchte ich allgemein etwas zu meinen Blogeinträgen sagen.

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Käptn Einauge

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Bobby wurde mit einem auslaufenden Auge bei uns aufgenommen, das Auge war von einer Tierärztin entfernt worden, aber scheinbar nicht vollständig. Der imposante Kater musste fürchterliche Schmerzen haben. Nach einer Notoperation erholte sich Bobby langsam, er saß in der Box neben Tom und hatte sich auch in seiner Höhle verschanzt. Auch bei Bobby hatten die Pfleger Schwierigkeiten an ihn heran zu kommen. Die größte Schwierigkeit liegt darin, dass man die Stimmung der Katzen in solchen Kuschelhöhlen nur schlecht einschätzen kann, da man nur einen kleineren Ausschnitt zu Gesicht bekommt. Ich hielt Bobby ein Stück Hühnchen hin, er zog sich nicht zurück, aber er schnüffelte auch nicht an meinem Geschenk. Er schaute nur. Ich wagte es trotzdem und hielt ihm meinen ausgestreckten Zeigefinger unter die Nase. Bobby zeigte keine Regung. Ich entscheid mich dennoch noch einen Schritt weiter zu gehen und strich ihm sanft mit einem Finger über die Stirn, er zog den Kopf zurück und ich meine Hand. Alles in allem ein sehr positiver Beginn. Bobby hatte auch in den folgenden Tagen kein Interesse an Hühnchen oder anderen Leckerchen. Annäherungen wehrte er weiter moderat ab. Aber mit einer Pfauenfeder konnte ich mit ihm anbändeln und nach einigen Pföteleien durfte ich ihm auch den Kopf streicheln.

Nun sind fünf Wochen vergangen, seine OP-Wunde ist sehr schön verheilt und die Einäugigkeit scheint ihn nicht zu belasten. Er kommt an die Tür seiner Box wenn ich ihn rufe und freut sich sehr mich zu sehen, er schmust und spielt ausgiebig und hat sich auch mit den Pflegern angefreundet.

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Rätselhaftes Schicksal

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Tom kam halb verhungert und mit atrophierter Muskulatur der Hinterläufe zu uns ins Tierheim. Die Finder behaupteten, er sei versehentlich längere Zeit in einem Kellerraum eingeschlossen gewesen. Dies erklärt aber die Atrophie seiner Hinterbeinmuskulatur nicht. Die Pfleger hatten ihn bislang nur aggressiv erlebt und baten daher um meine Unterstützung.

Als ich ihn das erste Mal vor einigen Wochen sah, lag er verängstigt in einer Kuschelhöhle und beäugte mich misstrauisch. Er war ein großer sehr schöner Kater.

Ich sprach schmeichelnd mit ihm und testete mit einem Stück Hühnchen, wie nahe er mir erlaubte zu kommen. Alles in Reichweite seiner Vorderpfote wurde attackiert und dann zog sich Tom augenblicklich in die hinterste Ecke seiner Höhle zurück. Ich hielt ihm seinen Napf vor den Ausgang seiner Höhle und es stürzte sich mit großem Hunger auf sein Futter, trotz meiner relativen Nähe. Meine Hand hielt ich geschützt unter seinem Teller. Er fraß und fauchte abwechselnd. Offensichtlich, hatte er sich tagsüber, nicht getraut durch die kleine Box zu seinem Futter zu gehen.

In den ersten Tagen verstummten seine Abwehrdrohungen nach etwa 15 Minuten, Huhn, das ich vorsichtig zu ihm in die Höhle warf, wurde regelrecht eingeatmet. Spielzeug machte ihm anfangs noch große Angst, aber er gewann zunehmend Vertrauen zu mir. Zur Begrüßung wurde ich obligatorische durch Fauchen verwarnt, aber schon nach wenigen Minuten reagierte er auf meine Schmeicheleien mit ausgiebigem Köpfchenreiben an der Wand seiner Höhle. Sein Lieblingsspielzeug wurde ein Federwedel, mit dem ich ihn ausgiebig streicheln muss.

Mit Leckerbissen konnte ich ihn nach zwei Wochen bewegen auch ein paar Schritte aus seiner Höhle heraus zu kommen. Als zwei Boxen weiter ein Näpfchen mit leisem Knall umfiel, erschreckte er und fiel zur Seite um. Er fauchte in meine Richtung und rettet sich schnell zurück in seine Höhle. Seine Unsicherheit beruhte vermutlich auch zu einem großen Teil auf seinem unsicheren Gang.

Mittlerweile kommt er mir regelmäßig entgegen und begrüßt mich mit übermütigen Kontaktrufen und Köpfchengeben, sein Schwanz steil erhoben zittert vor Aufregung und er tretelt auf der Stelle. Aber noch immer schwingt auch Misstrauen mit. Trotz seiner Freude verändert sich sein Gesichtsausdruck bei Augenkontakt blitzartig und er wird steif, breche ich den Augenkontakt nicht rechtzeitig ab, attackiert er mich. Allerdings immer ohne Krallen und ohne mich tatsächlich zu verletzten. Nach einer Attacke dreht er um und zieht sich wieder wackelig zurück in seine Höhle. Ich würde zu gerne wissen, was Tom tatsächlich passiert ist. Die Atrophie seiner Beinmuskulatur lässt sich für mich nur so erklären, dass er so eng eingesperrt war, dass er sich nicht aufrichten konnte, denn eine Verletzung konnte der Tierarzt nicht feststellen. Dass Tom so schnell wieder Vertrauen zu einem Menschen fasst und so positiv auf mich reagiert, ist in den vergangenen Wochen mein größter Erfolg.

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Maunzi – ein Happy End

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Ist eine 9 jährige puschelige Grautigerin, die von der Silhouette und ihrem buschigen kurzen Schwanz an eine Wildkatze erinnert. In ihrem ersten Zuhause wurde sie misshandelt und landete mit zwei Jahren zum ersten Mal im Rüsselsheimer Tierheim. Nun ist ihre zweite Halterin unerwartet verstorben und Maunzi saß einige Tage unversorgt neben ihrem Frauchen.

Ich konnte Maunzi bislang fast nur durch den offenen Schieber sehen. Mit einen Menschen im selben engen Raum zu sein, erträgt sie fast nicht. Zweimal sprang sie auf Grund meiner Anwesenheit schreiend in das Gitter ihres Zwingers und suchte verzweifelt nach einem rettenden Ausgang.

Mittlerweile besuche ich sie nur noch in ihrem Freigehege. Dort ist sie etwas gelassener. Sie sitzt unter dem Abgehängten Stuhl und ich am anderen Ende des Zwingers und lese ihr leise vor, spiele für mich mit der Federangel. Sofern ich ein Loch in ihrer Deckung entdecke lasse ich die Federangel in ihrem Sichtfeld vorbei huschen. Maunzi reagiert leider auch nicht auf Futter.

 

Tatsächlich hat sich auch für Maunzi jemand gefunden. Eine junge Frau war so von Maunzis Schicksal gerührt, dass sie sich auf das Abenteuer eine so verstörte Katze zu adoptieren eingelassen hat. Wir haben viel besprochen und bei einem Hausbesuch alle Vorkehrungen abgestimmt. Ich habe ein gutes Gefühl, dass sich Maunzi hier wieder regenerieren kann und drücke allen beiden feste die Daumen.