Wie kommt das Runde in das Kratzbürstige?

Hilfreiche Tipps rund um die Medikamentengabe für Katzen!

Glücklich kann sich schätzen, wer eine entspannte Katze sein eigen nennt. Eine Katze, die alles stoisch über sich ergehen lässt, ob man ihr nun Tabletten in die Schnute stopft, sie mit Augen oder Ohrentropfen traktiert, ihr täglich mehrmals den Blutzuckerspiegel misst, sie mit Lanzetten piekst oder an die Infusion hängt. Eine Katze, die zwar unlustig, aber keineswegs widerstrebend selbstständig in die Transportbox trottet, wenn man sie nur freundlich bittet. Die generell gegen Manipulationen, wie Zecken entfernen und die Krallen kürzen nicht rebelliert, die Schicksalsergeben Wundversorgung und Salbenverbände hinnimmt und selbst mit einer Halskrause Contenance bewahrt.

Aber es gibt auch die anderen, die sich mit achtzehn Krallen, allen noch vorhandenen Zähnen und einer bei chinesischen Kinderakrobaten abgeschauten Beweglichkeit aus unseren hilflosen Versuchen, sie zu fixieren oder zu fesseln entwinden. Die bei Bedarf Pit-Bullgleiche Kiefernkräfte aufbieten, um die Schnauze auf keinen Fall auch nur für einen einzigen Blick kurz zu öffnen. Katzen, die sich schon 5 Minuten bevor mir einfällt, dass sie ihre Tropfen brauchen, in Luft aufgelöst haben. Die Tabletten und Lösungen mit großer Zielsicherheit und einer teilweise recht erstaunlichen Reichweite wieder ausspucken, obwohl man überall lesen kann, dass dies den katzenartigen wegen der nach hinten gebogenen Papillen auf der Zunge unmöglich sei.

Viele Katzenhalter, mich eingeschlossen, versetzt die Aussicht der eigenen Katze Medikamente verabreichen zu müssen in blanke Panik. Fatal wird dies, wenn es sich um eine Langzeittherapie handelt.

Doch es gibt einige Tricks und Tipps, die helfen können das Grauen zu reduzieren.

Training, Training, Training

Die wirkungsvollste Methode um von der Katze in gewissen Grenzen kooperatives Verhalten zu erhalten, besteht in einem frühzeitigen Training. Die Katze lernt durch gezielte positive Verstärkung ein Verhalten (Pfote geben zum Krallenschneiden) mit einer angenehmen Erfahrung (Belohnung) zu verknüpfen (operante Konditionierung).
Der Erfolg des (medizinisches) Trainings beruht einerseits darauf, dass die Katze mit dem Vorgang etwas positives verbindet und andererseits darauf, dass die Katze mit verschiedensten Manipulationen vertraut gemacht wurde. Sie kennt den Ablauf und die Dauer der Manipulation (z. B. Krallenschneiden), die damit verbundenen Geräusche (z.B. Krallenschere) und Gerüche (z.B. Ohrentropfen) und weiß, was auf sie zukommt und dass sie sich nicht in einer Bedrohungslage befindet, sondern danach auch noch etwas Tolles passiert.
Das Training wird in kleinen Schritten aufgebaut und beginnt zunächst mit sehr kurzen Übungseinheiten. Geübt werden sollte vom ersten Tag an, regelmäßig, täglich, in freundlicher Stimmung und mit Spaß, sprich mit Belohnungen und viel sanfter Überzeugungskraft. Geübt wird mit einer entspannten Katze, an einem Ort an dem viel Positives im Leben der Katze passiert, wie spielen, bürsten, schmusen, ruhen. Geübt wird nicht an Fress- oder Ausscheidungsplätzen. Diese Orte sind Tabu, hier dürfen niemals Dinge passieren, die die Katze auch nur im mindesten unangenehm empfindet oder Dinge, die sie nicht toleriert. Denn genauso schnell, wie die Katze Ort, Zeit, Mensch, aktuellen Geruch und Geräusche mit einer positiven Erfahrung (Belohnung) verknüpft, verknüpft sie diese Dinge mit einer unangenehmen Erfahrung und kann nicht mehr entspannt essen oder die Toilette benutzen.
Hilfreich sind sicherlich Erfahrungen mit dem Clickertraining. Zum einen ist positive Verstärkung der Dreh- und Angelpunkt jedes Verhaltenstrainings. Zum anderen kann der Halter in unbefangeneren Situationen mit Timing und Aufbau weniger komplexer Übungen Erfahrungen sammeln.

Geübt werden sollten alle Vorgänge, die bei einer Eingangsuntersuchung durch den Tierarzt durchgeführt werden und alle Maßnahmen mit denen die Katze im Rahmen einer soliden Gesundheitsvorsorge konfrontiert wird. Hierzu gehört:

  • Kontrolle von Zähnen, Rachen, Augen, Ohren
  • Abtasten, Abhören
  • Fieber messen
  • Rasieren
  • Injektionen
  • Krallen schneiden
  • Anlegen eines Stauschlauchs
  • Tragen eines Kragens oder einer Halskrause
  • Tragen eines OP-Katzenbodys oder Thundershirts[1]
  • Einsteigen in die Transportbox
  • verabreichen von Tabletten oder Flüssigkeiten mit und ohne Hilfsmittel

Die einzelnen Übungen sollte man unbedingt vorher mit seinem Tierarzt zumindest theoretisch durchgehen. Bei der Kontrolle der Ohren niemals zu tief in das Ohrinnere eindringen oder bei der Kontrolle der Augen nie die Lieder oder Nickhäute manipulieren.

Erbse beim Tablettentraining

 

 

Hier zwei exemplarische Beispiele für den Aufbau einer solchen Übung:

Kontrolle von Zähnen und Rachen:

  1. Die Katze lernt, dass sich der Mensch mit seinem Kopf in ungewohnter Weise ihrem Kopf nähert. Dies ist für ängstliche oder scheue Katzen bereits ein Albtraum, da die Katze eine berechtigte Angst vor den Zähnen anderer Spezies hat. So stellen andauernder Blickkontakt und die unmittelbare Nähe zum menschlichen Mund eine gefährliche Exponierung für die Katze dar.
  2. Die Katze lernt, dass der Mensch ihr sanft die Mundregion und die Lippen massieren darf
  3. Die Katze lernt, dass der Mensch einen Finger hinter die Backenzähne schieben oder die Lippen hochziehen und an einem Zahn kratzen darf. Die Schnauze, Lippen und Vibrissen sind sehr berührungsempfindlich und ungewohnte Manipulationen sind unangenehm. Einen Finger im Mund zu haben, fühlt sich für eine Katze ähnlich an, wie wenn wir eine ganze Hand in den Mund gesteckt bekommen, man kann nicht schlucken und bekommt einen Würgereiz.
  4. Die Katze lernt, dass der Mensch den Kopf mit einer Hand umfasst und leicht nach oben anheben darf. Dieser Griff ist sehr bedrohlich, da nicht nur die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt wird, sondern auch die sehr verwundbare Kehle exponiert wird.
  5. Die Katze lernt, den Mund zu öffnen und auf zu halten, wenn der Halter mit dem Zeigefinger den Unterkiefer an den Schneidezähnen herabdrückt. Damit entwaffnet sich die Katze freiwillig.

Diese Übung kann Ausgangspunkt für die regelmäßige Zahnpflege sein, wenn man die Katze in kleinen Teilschritten mit einer Katzenzahnpaste und einer weichen Zahnbürste vertraut macht. Darf man das Zahnfleisch der Katze berühren, zeigt man ihr die Zahnpasta, lässt sie riechen und schmecken. Findet sie die Zahnpasta akzeptabel, dann kann man sie sanft mit einem Finger auf Zahnfleisch und Zähnen verreiben, ekelt sie sich vor der Zahnpasta, sollte man eine andere Marke versuchen oder ohne Zahnpasta arbeiten. Dann kommt die weiche Zahnbürste dazu, auch damit soll sich die Katze erst bekannt machen und bevor man die Zähne damit streichelt, sollte man erst unsensiblere Körperpartien damit berühren. Es kann hilfreich sein, die Zahnbürste in Thunfischsaft zu tauchen .

Kontrolle der Ohren

  1. Die Katze lernt, dass sich der Mensch mit seinem Kopf ihrem Kopf nähern darf (siehe 1.1)
  2. Die Katze lernt, dass der Mensch ihre Ohren anfassen und massieren darf.
  3. Die Katze lernt, dass der Mensch den Kopf umfassen darf.
  4. Die Katze lernt, dass der Mensch in die Ohren reinschauen darf und auch mit einem Finger (Otoskop) und einem weichen Tuch in die Ohrmuschel greifen darf
  5. Die Katze wird mit einer leeren Flasche Ohrentropfen bekannt gemacht
  6. Die Katze lernt das Geräusch kennen, dass das Ohrentropfenfläschchen beim Drücken macht
  7. Die Katze lernt, dass der Mensch das leere Fläschchen in die Ohrmuschel halten darf
  8. Die Katze lernt, den sensorischen und akustischen Reiz beim Drücken des Fläschchens im Ohr zu ertragen

Jeder Halter sollte zunächst die einzelnen Handgriffe der jeweiligen Übung ohne Katze üben und sich über Ablauf und Teilschritte klarwerden. Jeder Teilschritt wird dann einzeln mit Katze geübt und langsam hintereinandergeschaltet. Klappt ein oben beschriebener Teilschritt überhaupt nicht, muss er oft noch feiner unterteilt werden.

Ankündigungen

Ankündigungen klären die Katze über unsere Vorhaben auf und geben der Katze enorme Sicherheit. Meine Katze Erbse hat schreckliche Angst vor Menschen. Selbst ich bin ihr nach acht Jahren in bestimmten Situationen unheimlich. Die Verwendung von Ankündigungen, macht ihr mein Verhalten vorhersehbar und damit kalkulierbarer. Begegnen wir uns im engen Treppenhaus, so wende ich mich leicht ab und sage „Passieren“, so weiß sie, dass ich stehen bleibe und ihr den Vortritt gebe. Sitzt sie am geschlossenen Fenster und möchte ich es für sie öffnen, muss ich mich ihr nähern und den Arm nach dem Fenstergriff heben, für Erbse eine bedrohliche Situation, die ich damit entschärfe, dass ich „Fenster“ sage. Erbse weiß nun, dass ich nicht nach ihr greifen werde, sondern nur das Fenster öffne und sie beruhigt sitzen bleiben darf.

Ankündigungen sind gerade beim medizinischen Training eine hilfreiche und auch der Katze gegenüber faire Vorgehensweise. Man sollte sich für jede einzelne Übung ein Wort ausdenken, dass man sagt bevor die Manipulation/Übung beginnt. Auch sollte die Katze immer die Möglichkeit erhalten, sich mit allen erforderlichen Hilfsmittel vertraut zu machen, so dass sie Anblick, Geruch, Geräusch von Tablettengeber, Ohrentropfen und Krallenschere etc. kennt. Bevor diese Gerätschaften zum Einsatz kommen, sollte der Halter sie der Katze zeigen und mit einem gängigen Begriff ankündigen.

intermediäre Brücken

Übungen, die von der Katze verlangen etwas Unangenehmes auszuhalten, zum Beispiel bei der Untersuchung der Zähne den Mund geöffnet zu lassen oder bei einer Spritze stillzuhalten, können durch sogenannte „intermediäre Brücken“ für die Katze ertragbarer gestaltet werden.

Intermediäre Brücken sind akustische Durchhaltesignale, die der Katze anzeigen, dass die unangenehme Situation noch einen Augenblick weiter ertragen werden muss, bevor sie beendet wird und die Katze belohnt wird. Ertönt die intermediäre Brücke, weiß die Katze, dass die unangenehme Situation auch wieder beendet wird und nicht ewig dauert und danach eine Belohnung auf sie wartet. Diese Gewissheit beruhigt und erlaubt der Katze die Situation entspannter zu meistern.

Intermediäre Brücken folgen auf Ankündigungen („Spritze“) oder Kommandos („Bleib!“) und sind sprachlich gedehnte oder oft wiederholte Worte „Eeeeeeeeeaaaaaaaaaaasyyyyy“ oder Silben (lalalalalalalalalalalalalalalala), die während der gesamten Dauer, die die Katze ein bestimmtes Verhalten einfrieren oder halten soll, wiederholt werden.

Die Ankündigung bereitet die Katze also auf das bevorstehende Procedere z. B. „Spritze“ vor.

Die intermediäre Brücke markiert die Zeit, die die Katze etwas (aus-)halten soll. „Eeeeeeeaaaaaaaaasssssssyyyyy“

Der Haltezustand wird durch ein Erlösungssignal („Supiii“) oder den Marker („Click“) beendet. Sie signalisieren der Katze, dass sie alles richtig gemacht hat und nun für ihre Geduld belohnt wird[2].

Entspannungssignale

Entspannungssignale dienen der Katze dazu, die Gefährlichkeit einer Situation zu bestimmen und wirken zumindest in milden Angstsituationen oder bei Stress und Anspannung beruhigend. Bei echter Panik, sind sie nach meiner Erfahrung wirkungslos. Ein Entspannungssignal etabliert man in entspannten Situationen, zum Beispiel, wenn es sich die Katze auf Ihrem Schoß bequem macht. Nun beobachten Sie die Katze und warten Sie bis die Atmung tiefer und langsamer wird, bis das treteln der Katze langsamer wird, sie sich in eine offene Position legt (Seitenlage oder Rückenlage), bis sie blinzelt oder die Augen langsam schließt. In diesen Situationen wiederholen Sie nun Ihr Entspannungsmantra mit ruhiger Stimme und streicheln die Katze mit langen und ruhigen Strichen, an den Stellen, die die Katze mag. Mit der Zeit verknüpft die Katze den Zustand der Entspannung mit dem Entspannungssignal (klassische Konditionierung). Ziel ist es, dass das Wort die Katze an den emotionalen Zustand der Entspannung erinnert und automatisch entspannt oder zumindest die Erregung senkt. Die Wirkung des Entspannungssignals wird durch den Einsatz in angespannten Situationen verringert, denn das Wort wird automatisch auch mit der unangenehmen Erfahrung verknüpft. Aus diesem Grund muss man die Verknüpfung mit der positiven entspannten Situation erneuern. Allerdings klappt diese Erneuerung nicht immer. Als sich Erbse zwei Tage nach einem Tierarztbesuch auf meinem Schoß einkuschelte und ich unser Entspannungssignal („Sweeeet“) wieder aufladen wollte, stand sie grußlos auf und ging. Das Signal hatte sich als Entspannungssignal erledigt.
Hilfreich kann auch ein ruhiges Musikstück[3] sein, dass man genauso wie das Entspannungssignal in ruhigen Situationen, während Schmuse und Kuschelstunden laufen lässt. Es kann bei länger andauernden stressvollen Erfahrungen (Autofahrten/Physiotherapie/Fellpflege …) der Vermittlung einer positiven Gemütslage dienen.

Tricks rund um die Tablette

Haben Sie keine Zeit die Medikamentengabe mit ihrer Katze zu trainieren, bleibt Ihnen zu nächst nichts Anderes übrig, als sie zu bezirzen oder zu zwingen. Ist eine längerfristige Medikamentengabe erforderlich, sollten Sie parallel mit dem Training beginnen. Die folgenden Tipps können in das Training integriert werden und stellen eine Notlösung dar, z. B. wenn man ein erkranktes Tier übernimmt oder im Tierheim ein untrainiertes Tier behandeln muss.

Bei vielen Katzen ist der Moment am besten für Manipulationen geeignet, wenn sie aus einem Schläfchen erwachen und noch etwas dösen. Je gleichmütiger und beiläufiger Sie die Maßnahme durchführen, desto gelassener bleibt Ihre Katze. Am einfachsten ist es, wenn die Katze bereits erhöht liegt oder, wenn Sie sie an einen erhöhten Ort locken können. Positionieren Sie sich leicht seitlich hinter der Katze, so können Sie verhindern, dass die Katze zur Seite und nach hinten entfleucht. Sind Sie Rechtshänder, positionieren Sie sich rechts von der Katze, so, dass Ihre rechte Hand das Medikament verabreicht, während die linke Hand den Kopf der Katze fixieren kann. Sind sie Linkshänder stellen Sie sich am besten auf die linke Seite. Legen Sie vor die Katze ein Leckerchen und streicheln Sie sie mit langen Strichen und reden sie beruhigend mit ihr. Greifen Sie mit der der Katze zugewandten Hand sanft den Kopf halten Sie ihn waagerecht, bitte nicht nach hinten oder oben ziehen und überstrecken, die Katze kann so nicht schlucken. Mit der von der Katze abgewandten Hand schieben Sie die Medikamente seitlich hinter den Backenzähnen in den Mund. Öffnet die Katze nicht freiwillig den Mund, können Sie mit einem Finger der Hand, die den Kopf festhält, leichten Druck auf die Kiefer hinter den Backenzähnen ausüben, so dass die Katze kurz den Mund aufmacht. Sie können auch die Tablette zwischen Zeigefinger und Daumen festhalten und mit dem Mittelfinger versuchen den Unterkiefer auf Höhe der Schneidezähne nach unten zu drücken. Platzieren Sie die Tablette dann soweit wie möglichhinten im Rachen.
Beginnt die Katze zu zappeln, können Sie die Katze in dieser Position zwischen ihrem Oberkörper und dem Arm, der den Kopf festhält, fixieren. Neigt Ihre Katze dazu, an Ihnen hoch zu klettern, um sich der Prozedur zu entziehen oder schlägt sie auf Ihre Hände, so hilft es ein großes Badehandtuch oder eine leichte Decke zur Fixierung zu Hilfe zu nehmen. Schlagen Sie das Handtuch oder die Decke locker um den Hals der Katze, und raffen Sie es hinter einem Ohr zusammen, so dass die Vorderbeine komplett unter dem Handtuch verschwinden. Die Katze kann Sie so nicht verletzen und nicht an Ihnen hochklettern.
Ist die Medizin in der Katze muss der Kopf noch einen Augenblick festgehalten werden und das Maul zu, bis die Katze geschluckt hat. Den Schluckreflex kann man auslösen in dem man den Hals mit der freien Hand leicht streichelt oder in dem man mit einer Spritze (ohne Kanüle) einen winzigen Schluck Wasser nachschiebt. Auch eine sanfte Berührung des Nasenspiegels kann die Katze dazu anregen, sich die Nase zu lecken und dabei zu schlucken. Die Katze wird sofort für ihre heldenhafte Leistung überschwänglich gelobt, geknuddelt und belohnt. Freudentänze sind erwünscht!

Der „Suppentrick“

Prinzipiell ist eine flüssige Medizin einfacher zu applizieren als eine Tablette. Tabletten bleiben oft im vorderen Bereich des Mundes stecken und werden wieder ausgespuckt. Fragen Sie den Arzt, ob die Tablette in Flüssigkeit aufgelöst und dann verabreicht werden kann. Es gibt Tabletten, die mit einem Magenschutzfilm überzogen sind oder Tabletten, die nach und nach ihre Wirkstoffe freisetzen sollen, diese Tabletten dürfen nicht geteilt oder in Flüssigkeit aufgelöst werden[4].
Gibt Ihr Tierarzt grünes Licht, nehmen Sie etwas Hühnerbrühe oder Thunfischsaft, je nach persönlicher Vorliebe der Katze und lösen das Medikament in so wenig Brühe wie möglich auf. Ein Tablettenmörser kann hier hilfreich sein. Beachten Sie, dass warme Brühe oder warmes Wasser den Geruch und Geschmack generell verstärkt, und eine „bittere Pille“ damit noch unangenehmer wird. Schlabbert die Katze die Lösung nicht freiwillig, ziehen Sie es in eine Spritze ohne Kanüle auf und verfahren Sie wie oben beschrieben. Bei einer größeren Menge Flüssigkeit muss die Katze zwischendrin abschlucken dürfen.

Das trojanische Pferd

Eine weitere Möglichkeit ist das Verstecken in besonders beliebtem Futter (Leberwurst und allerlei Pasten), sofern der Tierarzt der Verabreichung mit Futter zustimmt, denn manche Medikamente müssen nüchtern eingenommen werden. Leider finden viele Katzen schnell heraus, dass man etwas versteckt hat. Ich kenne tatsächlich Halter, die mit einem Nagelknipser eine Ecke einer Knuspertasche abgezwickt haben und mit einer Stopfnadel den Inhalt rauskratzen, um die gemörserte Tablette mit Hilfe kleiner Medizinspachtel in der Knuspertasche zu versenken.
Das Verstecken in Futter hat den Nachteil, dass die Katze alles aufessen muss, damit auch die gesamte Dosis in der Katze landet. Das bringt mit sich, dass man unter Umständen einer heiklen Katze das Futter den ganzen Tag hinterhertragen muss und es immer wieder streckt, damit das Futter nicht vollends verschmäht wird, weil es schon angelaufen ist. Als Versteck eignen sich weiche stark riechende Lebensmittel mit einem starken Eigengeschmack, wie Ziegenfrischkäse, Leberwurst, Dosen-Thunfisch, griechischer Schafssahnejoghurt. Die Lebensmittel sollten kühl sein und die Tablette sollte ganz darin verschwinden. Da die Katze erfahrungsgemäß die erste Portion eingehend auf Genießbarkeit prüft, sollte diese ohne Medikament gegeben werden. Sie können gerne auch andeuten, dass Sie das tolle Geschenk nicht so gerne hergibt, ist die Katze gierig, entfällt oft die olfaktorische Vorkontrolle.
Ist die Katze verspielt, machen Sie ein Jagdspiel draus und schnicken oder werfen Sie die Beute. Auch im Jagdfieber vergisst die Katze oft die Beute sorgfältig zu überprüfen. Nach dem das Leckerchen mit Tablette in der Katze ist, bekommt die Katze noch schnell zwei oder drei Leckereien, damit der ggf. unangenehme Geschmack schnell vergessen wird.
Relativ unwiderstehlich hat sich folgender Trick erwiesen: Medikament zerdrücken mit einer kleinen Portion Butter vermischen, mit Hilfe von Butterbrotpapier zu einer kleinen Kugel formen und kurz im Kühlschrank wieder fest werden lassen.
Wenn Ihre Katze Sie genau zu lesen weiß, kann es sein, dass sie Ihre unbewussten Hinweise, wann die „vergiftete“ Portion anrollt, erkennt und genau diese Portion liegen lässt. In diesem Fall kann man es mit einer Doppelblindverkostung probieren. Stellen Sie einige Kügelchen ohne und ein Kügelchen mit Medikament her. Dann mischen Sie diese so, dass Sie selber nicht mehr wissen, in welcher Portion das Medikament ist. Der Nachteil ist, dass die Katze alle Kügelchen essen muss, um sicherzustellen, dass alles in der Katze angekommen ist.
Anstelle von Butter eignen sich auch Käserollis, die man zerdrücken kann und mit einem Tropfen Wasser wieder zu einer Kugel formen kann, in der sich eine Tablette versteckt. Die Firma Greenies vertreibt „Pill Pockets“, runde kleine Leckerchen, die Stängelchen ähneln, in denen man eine Tablette verstecken kann. Sie haben bei meinen Versuchen eine hohe Akzeptanz

Kleine und große Helfer

Magistrale Zubereitung von Medikamenten in Apotheken

In der Pädiatrie ist es üblich, Medikamente für Kinder „lecker“ zu machen, um die Verabreichung zu erleichtern. Dieser Trick wirkt selbstverständlich auch bei Tieren und so haben einige Tierärzte und Apotheker begonnen, Medikamente für Tiere zu aromatisieren. Manche Medikamente, wie Fortekor oder Onsior, werden bereits aromatisiert hergestellt[5]. Wenn es sich um einen gängigen Wirkstoff handelt kann man sich diesen in einer Apotheke[6], die sich auf magistrale Zubereitung von Medikamenten versteht, ansetzen lassen.
Das hat viele Vorteile:

  • der Halter erhält das Medikament bereits in der verordneten Dosis in einer managbaren Form und muss keine 2mm Tablette in 16 Teile zerstückeln.
  • das Medikament kann bereits in flüssiger Form hergestellt werden, was in vielen Fällen einfacher zu verabreichen ist.
  • bestimmte Zusätze, die der einzelne Patient nicht verträgt, können weggelassen werden.
  • das Medikament kann aromatisiert werden. Geschmackszusätze für die Katze variieren von Huhn, Sardine zu Tuhnfisch und Käse, für Hunde von Büffel, Rind hin zu Huhn und Leberwurst. Bei Vegetariern überwiegen Fruchtvarianten, so gibt es z. B. Panacur für Pferde mit Apfel-Zimtgeschmack.

Auch hier ist das Vorgehen mit dem Arzt abzustimmen.

Applikatoren

Ein Tabletten-Applikator kann hilfreich sein, wenn die Tabletten nicht aufgelöst werden dürfen und nicht mit Futter eingegeben werden können. Die Tablette lässt sich einfacher weit hinten im Rachen der Katze platzieren, als mit den Fingern ohne einen Würgereflex auszuüben. Mit etwas Übung merkt die Katze gar nicht, dass sie etwas verschluckt hat. An einen Tabletten Applikator kann man die Katze ganz einfach gewöhnen, in dem man ihr Leckerchen mit dem  pplikator reicht und das „Abfeuern“ spielerisch steigert.

Tablettenmörser, Tablettenteiler, Medizinspachtel, Tablettengeber, Einwegspritze

Tablettenmörser & Tablettenteiler

Der Tablettenteiler ist ein kleiner nützlicher Helfer, um die Tabletten akkurat in gleiche Teile zu teilen, um entweder eine schluckbare Größe zu erhalten oder die Wirkstoffmenge auf die vorgeschriebene Dosis zu reduzieren. Bei kleinen Tabletten wird diese Methode allerdings schnell zu einer filigranen Gradwanderung. Einfach ist es dann die Tablette im Mörser zu zerdrücken und dann mit Hilfe eines Spachtels zu teilen. Aber Achtung wie oben erläutert, nicht alle Tabletten dürfen geteilt oder zerstoßen verabreicht werden.

Leerhüllen

Leerhüllen kann man in unterschiedlichen Größen im Internet bestellen und mit der verordneten Dosis befüllen. Sie sind vor allem dann wichtig, wenn Sie Tabletten teilen oder zerstoßen müssen, um die richtige Dosis zu erhalten, die ausdrücklich nicht geteilt werden dürfen (s. o.).

Hände waschen nicht vergessen

Bitte achten Sie darauf sich nach allen Zerdrück-, Pulverisierungs- oder Verabreichungsaktionen die Hände zu waschen. Schließlich sollen die Wirkstoffe der Medikamente weder Ihnen, noch anderen Lebewesen versehentlich zusätzlich verabreicht werden!

Die Injektion[7]

Subkutan zu verabreichende Medikamente, wie einige Schmerzmittel, Antibiotika, Krampflöser oder Insulin können auch vom Halter zu Hause verabreicht werden. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn die Medikamente täglich oder über einen langen Zeitraum gegeben werden müssen und man der Katze so den Stress eines Tierarztbesuches erspart. Auch bei einer Injektion wartet man einen ruhigen Augenblick für die Verabreichung ab. Zwischen den Schulterblättern ist die Haut am lockersten und flexibelsten. Man greift mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte direkt zwischen den Schulterblättern hinter dem Genick und zieht diese etwas hoch. Es entsteht eine Hautfalte, die wie ein Zelt oder ein umgedrehtes „V“ aussieht. Die Injektionsnadel wird sanft und gleichmäßig parallel zum Körper in das Zentrum der „V“-Hautfalte geschoben. Bevor man die Spritze auslöst zieht man den Kolben ein kleines Stück zurück, dringt nun Blut in die Spritze ein, hat man ein Blutgefäß getroffen und sollte eine andere Stelle für die Injektion suchen. Bilden sich Luftbläschen, hat man durch die Hautfalte hindurch gestochen und Luft angesaugt. Auch in diesem Fall muss man es nochmals versuchen. Dringen weder Luftbläschen noch Blut ein, kann man die Injektion langsam und gleichmäßig auslösen. Damit die Katze den Einstich nicht oder nur mäßig wahrnimmt, kann man ein Ablenkungsmanöver anwenden, indem man eine andere Hautstelle energisch krabbelt, bis die Injektion erfolgt ist. Diese Irritation lenkt die Aufmerksamkeit von den Handgriffen des Tierarztes ab, die Katze konzentriert sich auf Ihre Manipulation und ignoriert im besten Fall den Einstich komplett – zumindest wenn es sich nicht um ein brennendes Mittel wie z. B. Vitamin B handelt.

[1] www.easy-dogs.net/home/blog/training/gastautor/thundershirt.html

[2] Die Belohnung ist nicht immer ein Leckerchen und kann beim Tierarztbesuch darin bestehen, nach der Untersuchung oder der Spritze wieder in die Transportbox zurück zu dürfen.

[3] www.youtube.com/watch?v=05o–LM53p4 oder www.musicforcats.com

[4] www.hexal.de/praeparate/arzneimittel-richtig-anwenden/tabletten-kapseln/hinweise-tabletten-kapseln.php

[5] m.tierwelt.ch/?rub=4483&id=34254 oder www.praeventivmedizin-praxis.de/Praventivmedizin-Praxis/Bioidentische_Hormone_-_Apotheken_und_Arzte.html

[6] www.aponet.de/wissen/arzneimitteldatenbank/arzneimittel/rezepturen.html

[7] de.wikihow.com/Einer-Katze-eine-Injektion-verabreichen