unglücklicher Oskar

Oskar wurde Anfang des Jahres zu uns gebracht, weil die Halter umgezogen waren und ihm nun keinen Freigang mehr geben konnten. Oskar ist ein großer schwarzer Kater, der sehr aufgewühlt ins Tierheim kam und nicht verstanden hat, warum er hier gelandet ist. Ob seine Halter ihm mit der Entscheidung sich von ihm zu trennen einen Gefallen getan haben wage ich zu bezweifeln. Er lief ruhelos durch sein Zimmer und attackierte jeden der in seine Nähe kam. Er verwarnte nicht nur, sondern er biss einfach zu und fasste nach ohne los zu lassen. Also wurde ich gebeten mit Oskar zu sprechen. Ganz wohl war mir beim Anblick dieses schlecht gelaunten großen Katers nicht.

Ich nahm einen Badewannenvorleger, band ihn um meine Beine und setzte mich in Oskars Nähe. Als eine andere Katze Kontakt zu mir aufnahm, griff er mich an, ich schimpfte ihn und pustet ihn an. Dass machte ihn noch wütender und er griff mich wieder an. Wieder maßregelte ich ihn und pustete. Er verzog sich wütend schreiend und grummelnd unter ein Bett. Scheinbar hatte er nicht mit Gegenwehr gerechnet. Ich war froh, dass ich meine Beine geschützt hatte und dass ich eine richtig dicke Jacke anhatte. Ich blieb also unverletzt. Ich sprach ihn immer wieder freundlich an und warf ihm auch ein bisschen Hühnerfleisch zu. Er kam aus seiner Deckung und setzt sich in einiger Entfernung hin. Dann kam er scheinbar freundlich auf mich zu und strich um meine Beine, ich lobte ihn und zack, hing er wieder in der Badematte. ich schimpfte und pustete. Wieder zog er sich zurück. Als sich alles beruhigt hatte. Stand ich auf und wollte das Zimmer verlassen. Das passte Oskar aber auch nicht, wieder attackierte er meine Beine. Wieder wies ich ihn zurecht, erst als ich ihn anpustete, ließ er los. Dieses Szenario wiederholte sich noch zwei Tage, dann gab er nach und schloss mich in sein Herz.

Er schreit, wenn er mich hört, steht an der Tür und kratzt wie besessen. Ich besuche ihn regelmäßig, damit er zu seiner Schmuseeinheit kommt. Er klettert dann auf meinen Schoß, vergräbt seinen Kopf in meiner Armbeuge und tretelt mit den Vorderpfoten in meinem Bauch. Ihm fehlt ganz offensichtlich ein Mensch und die Gesamtsituation hat ihn aus dem Gleichgewicht gebracht.

An der Zimmertür passieren die meisten seiner Attacken, gerade auf die Pfleger, also trainieren wir jetzt beim rausgehen, dass Oskar, sich auf einen Sessel neben der Tür setzten muss, das gibt immer einen Vorsprung um aus der Tür zu kommen, auch wenn man kein festes Schuhwerk an hat. Beim Reinkommen wird genauso verfahren, wenn er auf dem Sessel sitzt bekommt er ein Leckerchen.

Andere Katzen toleriert er und er lässt sich von der stämmigen Lola auch einiges bieten. Auch der junge Jargosch, wird von ihm mit freundlicher Strenge gemaßregelt, wenn er ihn zu sehr bedrängt. Andere Menschen attackiert er noch immer, in der vergangenen Woche, hat er einen Besucher gebissen und es floss wieder einmal Blut. Sein schlechter Ruf, sein Alter und die einfache Tatsache, dass er ein schwarzer Kater ist, machen die Vermittlung sehr schwierig. Aber Oskar braucht ganz dringend ein Zuhause, ich glaube mehr, als Freigang.

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