Turbulenzen durch Neuzugang Yemimah

In der vergangenen Woche zog zu meiner lieben Hertha und ihren Kollegen aus Zimmer 5 eine einäugige weiße Katze mit viel orientalischem Blut. Yemimah ist nicht nur eine sehr agile Katze, sie mag auch keine Artgenossen, vielleicht einfach durch die Beeinträchtigung in ihrem Sichtfeld. Sie führte sich wie eine Furie in dem Zimmer auf und Hertha zog es bereits am ersten Tag vor sich nur noch draußen aufzuhalten. Sie kam noch etwas verunsichert in meine Nähe, begrüßte mich aber nicht und suchte fluchtartig das weite, wenn die „kleine weiße Pest“,  unverhofft aus einem Hinterhalt schoss. Zunächst versuchte ich die Situation zu befrieden. Aber Yemimah war so garstig und so schnell und praktisch immer und überall, dass auch Dominique und Chandro einen großen Sicherheitsabstand zu mir und Yemimah einhielten, die ständig um mich herum flitzte. Yemimah war auch nicht müde zu spielen, ein Bündel Energie, dass im wahrsten Sinne des Wortes über Stühle und Bänke ging und jeden Artgenossen, der sich auch nur im entferntesten zeigte, wütend fauchend verjagte um gleich wieder fröhlich um zu drehen und mit mir weiter zu spielen. Nur Baghira hielt die Stellung, thronte weiter auf Ihrem Hochbett und verfolgte das Geschehen skeptisch.

Alle waren aufgebracht und nervös, die Überfälle kamen schnell und trafen die einzelnen Katzen oft unvorbereitet. Yemimah verbreitete Angst und Schrecken.

Am nächsten Tag war sogar Baghira, die ich noch nie im Freigehege gesehen hatte, nach draußen um gezogen und saß unter einem abgehängten Liegestuhl und zitterte.

Hertah war unsichtbar geworden und ließ sich von mir nicht locken, obwohl ich Yemimah drinnen eingesperrt hatte. Das war für mich sehr traurig, weil ich sehr an Hertha hänge und wir gemeinsam ja schon so viel erreicht hatten. Ich durchstreifte das Freigehege und fand Hertha unter einem Busch, als ich sie ansprach zuckte sie zusammen und distanzierte sich von mir, sie nahm kein Hühnchen an, auch nicht als ich es ihr vor die Füße warf.

Chandro kam am besten mit der neuen Situation zu Recht. Er wird mir gegenüber immer zutraulicher. Wenn ich sitze hält er nur noch einen Abstand von einem halben Meter für erforderlich und kommt immer sofort in mein Sichtfeld, wenn ich auftauche. Er ließ sich von Yemimah auch vertreiben, kam aber immer schnell wieder zum Vorschein.

Dominiques Nerven lagen blank, er wollte ja gerne zu mir, besser zu dem Hühnchen, aber bei dem kleinsten Geräusch oder einer schnelleren Bewegung meinerseits war er sofort verschwunden.

Ich wunderte mich darüber, dass sie sich alle vertreiben ließen und keiner Yemimah die Stirn bot. In einem Kampf, hätte nach meiner Einschätzung keiner der dreien ein größeres Problem mit Yemimah gehabt.

Es war nun klar, Yemimah musste das Zimmer verlassen, es konnten nicht fünf Katzen, zu Gunsten einer Katze, in Angst und Schrecken leben. Auf Grund der derzeitigen Überfüllung muss Yemimah leider im Fundhaus in einem der schrecklichen Glasboxen wohnen, und dass bei ihrem Bewegungsdrang. Ich gehe nun jeden Tag zu Yemimah und spiele mit ihr, das ist natürlich keine ausreichende Beschäftigung. Ich hoffe ganz doll, dass wir für diese verspielte, lebhafte und anhängliche Katze bald einen Katzenliebhaber finden, der sich über einen solchen Wirbelwind freut.

Zwei Tage nach Yemimahs Auszug war Hertha noch immer verstört, sie begrüßte mich nur nach langem zureden und war sehr verhalten. Baghira war auch noch nicht wieder auf ihrem Bett eingezogen, sondern lag in einem Sessel neben der Tür und kontrollierte den Zugang zum Zimmer. Dominique war sehr nervös und zuckte ständig zusammen. Yemimahs Geruch wird bald verblassen und sie werden bald wissen, dass das Kapital abgeschlossen ist. Ich hoffe, dass Hertha mir bald wieder ihr Vertrauen schenkt. Chandro begrüßte mich wie einen alten Bekannten. Er rieb sich aufgeregt an einem Gartenstuhl und hätte fast vergessen, dass er vor mir Angst hat, denn er kam fast bis zu meiner Hand um sich ein Stück Huhn zu ergattern. Dass hat mich sehr gefreut.

 

Nachtrag

Jemimah durfte auch aus der kleinen Box ausziehen. Hier besuche ich sie weiterhin regelmäßig, um etwas mit ihr zu spielen, denn sie leidet sehr an der Unterforderung und wird dann im Spiel etwas übergriffig. Sie ist eine wunderbare Katze, die einen turbulenten Haushalt braucht.