Komplizierte Machtverhältnisse

Ich trainiere nun mit Herta schon einige Wochen und ihre  Abwehrreaktionen auf Berührungen, die vom Menschen ausgehen, werden schwächer und seltener. Sie steht an der Tür, wenn sie mich hört und gibt der Glastür freudig Köpfchen, dabei steigt sie auf die Hinterbeine  und drückt Kopf und Schultern energisch gegen die Tür. Auch an mein Humpeln, ich habe mir vor drei Wochen das Bein gebrochen, hat sie sich schnell gewöhnt.

Das Zimmer ist in mindestens drei verschiedene Bereiche aufgeteilt.

Das Hochbett und der rechte Teil des Zimmers, von der Tür ausgesehen, gehört Bagihra, eine schwarze ca. dreijährige Fundkatze, die mit schweren Bissverletzungen ins Tierheim kam.  Bagihra ist an mir oder meinem Hühnchen  interessiert, kommt aber nur selten zu uns auf den Boden.  Gestern ist sie zum ersten Mal gehemmt auf einen Spielversuch mit der Federangel eingegangen. Anfassen findet sie doof.

 

 

 

 

 

 

 

Dominique wohnt unter Bagihra und dem Hochbett und kontrolliert Katzenklappe und den rechten hinteren Teil des Zimmers. Dominique ist etwa 4 Jahre schwarz und ebenfalls ängstlich. Nach dem er sich in den letzten Wochen von meiner Ungefährlichkeit überzeugt hat und gekochtes Huhn leidenschaftlich liebt, haben wir eine gute Ausgangsbasis für ein Streicheltraining gefunden.

 

 

 

 

 

 

 

Herta gehört ein großer Liegesessel im linken hinteren Bereich des Zimmers und wenn Dominique nicht da ist, die linke Seite der Matratze die unter dem Hochbett liegt.

 

 

 

 

 

 
An den Grenzen zwischen den Bereichen gibt es ständig wütende Auseinandersetzungen, die teilweise blutig enden.  Der Kernbereich (Rückzugsort) des anderen wird aber meist respektiert. So konnte ich  bislang nicht beobachten, dass Herta Bagihra bis auf ihr Hochbett jagt, oder Dominique Herta das Recht auf Ihren Liegesessel streitig macht.

Allerdings führt Hertas Training unweigerlich dazu, dass Dominique in ihr Territorium vordringt, was die Sachlage oft erschwert.

Die anderen Bewohner trauen sich nur selten in das Zimmer. Vor einigen Tagen ließ sich Biggy sehen, eine kleine rote Katze, ohne Schwanz. Zunächst stand sie nur draußen vor der geöffneten Terrassentür.  Ich warf ihr Hühnchen zu und nach einigen Tagen traute sie sich zu uns herein. Herta und Dominique machten es ihr nicht einfach, aber sie fand einen Platz zwischen den Kontrahenten.  Bald saß sie fast in Streichelnähe bei mir und das brachte ihr ein neues Zuhause ein. Durch die Glastür schaute zufällig an diesem Tag eine Dame, die sich sofort in die kleine rote Biggy verliebte.