Sanfte Abschreckung

Kusma ist ein riesiger wunderschöner sanfter Kater, der sich in den vergangenen Monaten im Tierheim völlig zurückgezogen hat und alle menschlichen Annäherungsversuche mit furchteinflössendem Fauchen boykottiert. Seit etwa drei Wochen bringe ich ihm Hühnchen und darf ihn mittlerweile Streicheln, obwohl er dies nicht genießt und nur duldet. Er sitzt immer draußen auf einer abgehängten Bank unter einem Laken und ist sozusagen unsichtbar. Wenn ich zu ihm rausgehe und mit ihm spreche, kommt er mir inzwischen unter dem Laken etwas entgegen und wartet auf sein Hühnerfleisch. Seit kurzem wird Kusma tagsüber auch bei kurzen Rundgängen im Gehege beobachtet.

Eine Etage tiefer, unter der Bank wohnt Fritzti. Fritzi kam in einem ganz erbärmlichen Zustand ins Tierheim. Nach dem alles wieder verheilte und das Fell langsam wieder ansehnlich wird und nachwächst, fing Fritzti an sich Menschen gegenüber wieder zivilisiert zu benehmen. Sie läuft mir schon entgegen, wenn ich mich dem Gehege nähere und gibt mir hocherfreut Köpfchen und klettert über mich drüber. Sie weicht mir nicht von der Seite und kontrolliert genau, dass nicht nur Kusma von dem tollen Huhn bekommt, sondern auch sie und zwar schön abwechselnd. Wenn ich nicht aufmerksam bin, wischt sie mir eine und faucht. Allerdings immer ohne mich zu verletzten, sondern nur als gezielten Hinweis, mich etwas mehr zusammen zu reißen.