Nuss geknackt?

Paul war das absolute Highlight in meiner vergangenen Woche. Anfang der Woche hatte ich mich zu Beginn der Sitzung vergewissert, wo Paul war und lag vor dem Bett, um darunter zu schauen. Ohne Vorwarnung kletterte zu erst Aisha, entzückt über die neue Perspektive, auf mir herum. Dann kam Mia und gab mir murrend einen Nasenstüber. Auch Floh schnüffelte interessiert an mir herum Das fanden sie also toll, ich ausgestreckt auf dem Boden. Aber das Tollste: in Pauls Gesicht verschwand ein Teil seiner Skepsis, die Ohren richteten sich auf und die Schnurrhaare rückten nach vorne. Nach all den Monaten eine erste Regung, die nicht Angst und Abwehr signalisierte. Ich warf ihm ein Stängelchen zu und nach dem ich wieder unter dem Bett hervorgekrochen war, hörte ich ihn schmatzen. Auch Milo konnte ich mit Hühnchen und der Federangel aus der Reserve, bzw. unter seinem Stuhl hervorlocken. Auch wenn er noch zu gehemmt ist und immer noch schlangenhaft durch den Raum gleitet, überwindet er seine Angst und dass ist eine großartige Leistung. Sabrina bekommt ihr Huhn auf dem Stuhl serviert und meine Hand ist ihr definitiv zu nahe, aber sie faucht nicht und sie läuft nicht weg. Auch damit bin ich sehr glücklich. Mia und Floh gehen von Mal zu Mal gelassener mit den neuen Mitkatzen um. Mia und Aisha begrüßen sich immer mit einem Nasenkontakt und auch Milo wird in keinster Weise bedroht oder abgewehrt.

Aber das aller beste an dieser Woche geschah am Freitag. Ich schaute wieder unter das Bett und Paul knurrte, wie immer, doch dann richteten sich seine Ohren wieder auf, die Schnurrhaare glitten nach vorne. Ich nahm ein Stück Huhn, schob meine Hand langsam unter das Bett und beobachtete Paul dabei aufmerksam. Als meine Finger kurz vor seiner Nase stehen blieben, streckte er seinen Kopf nach vorne und schnüffelte an meinen Fingern. Ich traute meinen Augen nicht. Ich kraulte mit zwei Fingern sein Kinn und er rieb seinen Kopf energisch an meinen Fingern. Erst die linke Seite dann die rechte Seite und dann fing er leise an zu schnurren. Ich war sprachlos. Ich habe überlegt, wie es zu dem Umschwung gekommen sein kann und ich glaube, dass es hauptsächlich die Umgebungsveränderung war. Im Altbau saß er unter einem abgehängten Tisch, der nach oben Zugriff durch den Menschen ermöglichte und in dem es auf Grund der räumlichen Enge keine weiteren Verstecke oder Fluchtmöglichkeiten gab. In seinem neuen Zimmer, saß er unter einem Bett, ein Zugriff von oben war nicht möglich, er hätte in mindestens zwei Richtungen entkommen können und er hatte diverse andere Versteckmöglichkeiten, die ihm bei einer Flucht helfen würden vor mir zu verschwinden. Also konnte er sich auf eine Annäherung einlassen. Eine Veränderung auf die ich vermutlich in der alten Umgebung lange hätte warten können. Meine derzeit dickste Nuss ist geknackt! Große Freude! Es geht endlich voran!