Minka und der Handschuh

Minka bekam nun seit 6 Wochen Bachblüten zur Beruhigung und gegen ihre Wut. Die Multivitaminpaste mit den Bachblüten wurde ein kleines Ritual zwischen uns. Wenn sie mich vor dem Zimmer hörte, schaute sie aus ihrer Höhle und wartete darauf, dass ich ihr das Näpfchen vor die Nase stellte. Ich durfte mich dann mit der Hand unbeschadet auf 20 cm an Ihre Höhle heranwagen, sie brummte nicht einmal. Allerdings nur, wenn ich das besagte Schüsselchen mit der geliebten Paste in der Hand hatte. Alle anderen Annäherungen wurden mit Brummen, Grollen, Fauchen und wütenden Pfotenschlägen kommentiert.

Wenn ich außer Sicht saß und mit dem Federpuschel an der  Öffnung ihrer Höhle vorbei spielte, pfötelte sie nach draußen. Sah sie aber meine Hand, schlug sie zornig oder schoß manchmal bis zu den Schultern aus ihrer Höhle heraus, um mich zu verjagen. Knuspertaschen durfte ich ihr zu werfen, meine Hände durften ihr aber nicht näher als 50 cm kommen, dann schlug sie zu.

Sie fixierte bei allem was ich tat meine Hände und wusste sehr wohl, dass ich einen großen Respekt vor ihrer Geschwindigkeit und ihrer guten Reaktion hatte. Weil ich immer zurück zuckte, hatte Minka gelernt, wie sie sich mich vom Leib halten konnte. Also entschied ich mich, dass sie lernen musste, dass mich ihr Drohen und ihre Scheinangriffe nicht beeindruckten und zog einen Papageienhandschuh aus Leder an. Damit das nicht nur doof für Minka wurde, hielt ich in der behandschuhten Hand ein begehrtes Leckerchen, ein Katzenstängelchen.

Selbstverständlich war Minka wütend und schlug kraftvoll und zornig in den ersten drei Übungseinheiten (5 min) auf den Handschuh ein, sie erbeute hin und wieder sogar das Stängelchen, dass im hohen Bogen wegflog, manchmal direkt in ihre Trutzburg.  Am vierten Tag, lag sie nur brummelnd in ihrer Höhle und war beleidigt. Einen Tag später nahm sie das Stängelchen vorsichtig und brummelnd aus meiner Hand. Nach einigen weiteren Sitzungen legte ich den Handschuh weg und Minka nahm noch immer misstrauisch die Leckerei direkt aus meiner bloßen Hand. Nach einem Rückfall in alte Verhaltensmuster und zwei weiteren Sitzungen mit Handschuh, nimmt sie nun auch Knuspertaschen aus meinen Fingern. In der letzten Sitzung, legte sie ganz leicht ihre kleine weiße Pfote auf meinen Finger und puhlte die Knuspertasche zwischen meinen Fingerkuppen hervor.  Natürlich ist das noch immer Verhandlungssache zwischen uns und wenn ich zu keck bin und ihren Kopf mit der Fingerspitze berühre, bekomme ich die Quittung dafür. Aber ich bin sehr stolz auf meine dicke Dame, die man mittlerweile auch während der Öffnungszeiten mitten im Zimmer zwischen ihren Artgenossen an der Futterschüssel sitzen sehen kann.