Oktober 2011

Oktober 2011:

Anfang Oktober wurde Freddy vermittelt. Das Zimmer wurde ruhiger, da Tapsi ihr beliebtestes Angriffsziel verloren hatte.  Ich brachte nun gekochtes Hühnerfleisch mit, das alle super fanden.

Tapsi machte mir am meisten  Kopfzerbrechen. Ich hatte oft den Eindruck, sie stehe unter Hochdruck, wie ein Schnellkochtopf, und  wisse nicht wie sie Dampf ablassen könne. Nach ihren Temperamentsausbrüchen mit heftigem Schwanzzucken, wütenden Aufjaulen und durch das Gehege galoppieren, lag sie nun häufig am Gehegezaun weit weg von den anderen, auf dem Rücken. Nach wie vor spielte sie nicht mit mir, wenn ich sie berührte, zuckte sie meist zurück und schrie wütend.  Andererseits schmeichelte sie sich auch hin und wieder an mich an. Ich beschäftigte mich alleine mit ihr in dem ich ihr Sitz und Männchen beibrachte. Ich ließ zunächst auf einen erhöhten Platz springen und wartete, was Sie mir anbot um das Leckerchen zu bekommen. Die Aufgaben führte sie ruhig und konzentriert durch und zeigte keine Zeichen von Nervosität wie sonst.

Wenn ich das Hühnerfleisch ins Spiel brachte, versammelten sich alle um mich herum, Larry kletterte aufgeregt über mich rüber. Tapsi positionierte ich etwas erhöht hinter mir oder an einer Seite, da sie mit ihrer Kratzbürstigkeit oft die Versammlung aufmischte. Emilia und Vincent saßen zunächst in etwa einem Meter Abstand bei mir.

Larry hatte langsam Vertrauen gefasst und ließ sich streicheln. Er spielte viel mit der Gerte und ließ keinen anderen zum Zuge kommen. Sein Spiel wurde immer ausgelassener und menschliche Gesellschaft fand er toll. Er rollte sich beim Schmusen auf den Rücken, griff spielerisch meine Hand an, leckte sie anschließend ausgiebig und begann zu schnurren. Sein Fell wurde immer voller und dunkler, er war nicht schwarz sondern mokkbraun.

Emilia saß recht entspannt vor meinen Füssen und fraß dass Hühnerfleisch mit sichtlichem Genuss. Zunächst musste ich es ihr noch zu werfen, dann kam sie näher und ich konnte es ihr vor die Füße legen. Nach wenigen Tagen nahm sie es aus der geöffneten Hand zumindest, wenn ich ostentativ wegschaute. Bald darauf aus meinen Fingern. Nach und nach, durfte ich mit der Fingerspitze ihr Kinn oder ihre Backen berühren. Anfänglich zog sie sich nach den Berührungen einige Zentimeter zurück, aber sie blieb sitzen. In dieser Zeit hatte sie auch begonnen mit mir zu blinzeln, zunächst durch den Gehegezaun. Hin und wieder konnte man sie auch zu einem verhaltenen Pfötelspiel animieren. Sie zeigte Interesse an mir und saß nun während meiner Besuche oft neben mir undkletterte auch auf meine Beine, wenn ich ihr Huhn hinhielt. Ich durfte mit dem Zeigefinger ganz leicht ihre Brust berühren. Auch wenn sie nicht gestreichelt werden wollte, suchte sie doch meine Nähe und schien meine Aufmerksamkeit zu genießen. Insbesondere dass Blinzeln verstärkte sich.

Auch bei Vincent wirkte das Huhn Wunder. Bereits nach der zweiten Hühnerfutterung hat er aus meiner Hand gefressen und die Finger abgeleckt und leicht darauf herum gekaut. Das Stückchen Huhn nahm er mit gesenktem Blick aus meiner Hand und tippelte kauend ein paar Schritte zurück, um sofort wieder nach vorne zu laufen um einen weiteren Bissen entgegen zu nehmen. Hin und wieder erinnerte er sich seiner Angst. Er schreckte auf, flüchtete tippelnd etwa einen halben Meter, drehte sich um, leckte sich um den Mund und vergewisserte sich, dass nichts passiert war.

Zu dieser Zeit begann er sehr engagiert zu spielen, auf Bewegungsreize sprach er mit Begeisterung an. Zunächst spielte er immer nur aus seiner Deckung heraus. Seine Distanz zu mir blieb immer etwa 1-2 Meter. Aber er suchte aktiv seine Spielposition hinter einem abgesägten Baumstumpf  und einem Strauch auf. Er konkurriert hier mit Larry, um das Spielgerät, lässt ihm aber immer den Vortritt. Larry erschreckt ihn unabsichtlich, weil er sehr ungestüm spielte, war aber dabei nicht übergriffig.

Ich begann nun das Futter festzuhalten und ichdurfte Vincent unter dem Kinn zu berühren. Nach wenigen Tagen durfte ich ihm über die Seite streicheln, während er fraß. Nun legte ich Futterstückchen auf meine Beine  und tatsächlich kletterte er bald unbekümmert auf mir herum. Allerdings erschreckte er sich weiterhin grundlos. Ich entschloss mich, dass Futter noch enger mit mir zu verbinden, nicht nur mit meinen Händen und Beinen. Ich hielt ihm nun das Futter in Augenhöhe vor mich. Er musste mich also anschauen, wenn er das Hühnerfleisch haben wollte. Allein der Blickkontakt löste anfänglich sein Erschrecken und seine Fluchtreaktion aus. Er sah mich, blickte schnell nach unten und drehte um. Aber auch hier siegte der Reiz des gekochten Hühnerfleischs. Ende Oktober saß er bereits auf meinem Schoss und schaute mich bei jedem Happen an. Beiläufiges Streicheln erlaubte er nun auch hin und wieder vor oder nach dem Fressen. Allerdings gibt es für ihn, außer Hühnerfleisch, keinen anderen Grund sich mir so zu nähern.

Am Ende des Monats rannten Vincent und Larry mit Miauen auf mich zu, wenn ich mich dem Gehege näherte und blinzelten aufgeregt. Ich glaube sie riefen: „Die Hühnerfrau, die Hühnerfrau ist endlich wieder da!“