Eskalation

 

Am Wochenende eskalierte die Situation zwischen Felix und Cameo. Nachdem Clive vermittelt wurde, hofften wir, dass sich die Beziehung zwischen den beiden wieder entspannen würde. Cameo bezog wieder seinen Tisch im Zentrum des Raums und jagte Felix wann immer Felix die Nase aus seinem Versteck schob, durch das Zimmer. Die Attacken wurden böser. Felix nutzte meine Anwesenheit, um zu trinken, zu essen und das Klo zu benutzten. Aber mir viel es auch immer schwerer Cameo abzulenken oder davon abzuhalten sich wieder auf Felix zu stürzten. Die Situation war für beide sehr stressig und wir beschlossen, die beiden zu separieren. Wie es zu der Eskalation kam ist schwierig zu beantworten. Vielleicht hatten wir die Beziehung schon von Anfang an falsch eingeschätzt. Vielleicht war Felix paradoxes Verhalten für Cameo schon immer bedrohlich, vielleicht war Cameos Bewachung für Felix gleichfalls ein großer Stressfaktor. Vielleicht hatte Cameo das aggressives Verhalten von Felix, in der Vergangenheit, kontrollieren können.

Eine solche Eskalation beschreibt Sabine Schroll in ihrem Buch „Verhaltensmedizin der Katze“, als Angststörung bei zusammenlebenden Katzen:

1.

Distanzierung: die Homezone/Rückzugsgebiet der anderen Katze wird gegenseitig noch akzeptiert, es kommt an den Grenzen und bei Begegnungen im neutralen Gebiet zu vokalen Drohungen

2.

Auseinandersetzung: Die aktive belästigende Katze beginnt die „Opferkatze“ zu verfolgen, zu bedrängen, anzustarren, und bricht in das Rückzugsgebiet ein. Die passive Katze flüchtet, wird angegriffen und verfolgt

3.

Obsession:Die aktive Katze fällt tendenziell in einen Hyperzustand (Schwanzschlagen, Rolling Skin, Hyperaktvität, umgerichtete Aggression, Angstaggression, Hypervigilanz etc.) Verfolgungen und Belästigungen im Rückzugsgebiet nehmen zu. Die passive Katze zieht sich zunehmend zurück, versteckt sich unter Möbeln und zeigt defensive Aggression. (Scheinangriffe, Distanzierungsangriffe, Angstaggression).

 

In den beiden letzten Tagen habe ich Felix alleine in seinem Zimmer besucht. Er kam wie immer auf mich zu gelaufen, um mich zu begrüßen. Er nutzte nun wieder das ganze Zimmer, auch den Außenbereich und lief nicht mehr mit leicht nach oben gebogenen Rücken und an den Körper gezogenem Schwanz, sondern mit ausgreifenden Schritten und meist aufrecht getragenem Schwanz. Er spielte mit der Federangel, an der ihn am meisten die dünne Schnur interessiert.

Die Interaktion mit mir lief wie bisher ab. Er kommt mit freundlichen Absichten, gibt Köpfchen, den Schwanz gerade nach hinten, die Schnurrhaare nach vorne, streift an mir vorbei und beim Vorbeistreifen und umdrehen, verändert sich sein Ausdruck. Der Schwanz beginnt zu schlagen und wird dazwischen seitlich an den Körper gezogen, die Schwanzspitze nach oben gebogen. Die Schnurrhaare gehen zur Seite, die Augen werden eng und fixieren und die Ohren gehen ein Stück nach hinten, der Körper wird wieder nach oben gebogen. Allerdings gibt es eine unangenehme Veränderung: An beiden Tagen hat er mich in diesem Moment gebissen. Bislang hatte er höchstens die Pfote gehoben und verwirrt gedroht. Nach dem Angriff ist er einige Schritte von mir weggegangen und hat unruhig mit dem Schwanz geschlagen. Kurz darauf hat er sich wieder freundlich genähert, den Kopf und die Flanke an mir gerieben. Auch Leckerchen hat er ruhig und freundlich von mir aus der Hand genommen. Das hatte er schon lange nicht mehr gemacht.

Ich hoffe, dass diese Aggression noch mit der Aufregung der vergangenen Tage zusammenhängt und verschwindet, wenn er sich beruhigen kann. Mir fällt es sehr schwer die Situation einzuschätzen. Ich hoffe dass es mir gelingt, den Ablauf auf Video festzuhalten, um es mit Kollegen zu besprechen.