Rätselhaftes Schicksal

Tom kam halb verhungert und mit atrophierter Muskulatur der Hinterläufe zu uns ins Tierheim. Die Finder behaupteten, er sei versehentlich längere Zeit in einem Kellerraum eingeschlossen gewesen. Dies erklärt aber die Atrophie seiner Hinterbeinmuskulatur nicht. Die Pfleger hatten ihn bislang nur aggressiv erlebt und baten daher um meine Unterstützung.

Als ich ihn das erste Mal vor einigen Wochen sah, lag er verängstigt in einer Kuschelhöhle und beäugte mich misstrauisch. Er war ein großer sehr schöner Kater.

Ich sprach schmeichelnd mit ihm und testete mit einem Stück Hühnchen, wie nahe er mir erlaubte zu kommen. Alles in Reichweite seiner Vorderpfote wurde attackiert und dann zog sich Tom augenblicklich in die hinterste Ecke seiner Höhle zurück. Ich hielt ihm seinen Napf vor den Ausgang seiner Höhle und es stürzte sich mit großem Hunger auf sein Futter, trotz meiner relativen Nähe. Meine Hand hielt ich geschützt unter seinem Teller. Er fraß und fauchte abwechselnd. Offensichtlich, hatte er sich tagsüber, nicht getraut durch die kleine Box zu seinem Futter zu gehen.

In den ersten Tagen verstummten seine Abwehrdrohungen nach etwa 15 Minuten, Huhn, das ich vorsichtig zu ihm in die Höhle warf, wurde regelrecht eingeatmet. Spielzeug machte ihm anfangs noch große Angst, aber er gewann zunehmend Vertrauen zu mir. Zur Begrüßung wurde ich obligatorische durch Fauchen verwarnt, aber schon nach wenigen Minuten reagierte er auf meine Schmeicheleien mit ausgiebigem Köpfchenreiben an der Wand seiner Höhle. Sein Lieblingsspielzeug wurde ein Federwedel, mit dem ich ihn ausgiebig streicheln muss.

Mit Leckerbissen konnte ich ihn nach zwei Wochen bewegen auch ein paar Schritte aus seiner Höhle heraus zu kommen. Als zwei Boxen weiter ein Näpfchen mit leisem Knall umfiel, erschreckte er und fiel zur Seite um. Er fauchte in meine Richtung und rettet sich schnell zurück in seine Höhle. Seine Unsicherheit beruhte vermutlich auch zu einem großen Teil auf seinem unsicheren Gang.

Mittlerweile kommt er mir regelmäßig entgegen und begrüßt mich mit übermütigen Kontaktrufen und Köpfchengeben, sein Schwanz steil erhoben zittert vor Aufregung und er tretelt auf der Stelle. Aber noch immer schwingt auch Misstrauen mit. Trotz seiner Freude verändert sich sein Gesichtsausdruck bei Augenkontakt blitzartig und er wird steif, breche ich den Augenkontakt nicht rechtzeitig ab, attackiert er mich. Allerdings immer ohne Krallen und ohne mich tatsächlich zu verletzten. Nach einer Attacke dreht er um und zieht sich wieder wackelig zurück in seine Höhle. Ich würde zu gerne wissen, was Tom tatsächlich passiert ist. Die Atrophie seiner Beinmuskulatur lässt sich für mich nur so erklären, dass er so eng eingesperrt war, dass er sich nicht aufrichten konnte, denn eine Verletzung konnte der Tierarzt nicht feststellen. Dass Tom so schnell wieder Vertrauen zu einem Menschen fasst und so positiv auf mich reagiert, ist in den vergangenen Wochen mein größter Erfolg.

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