Hertas erste Schulstunden

In der ersten Sitzung, fand mich Herta äußerst interessant. Huhn findet sie toll und das kann sie mehr sehr sanft und vorsichtig aus den Fingern nehmen. Da sie, wie versessen, Köpfchen gibt und Flanken reibt, hat sich ihre erste Clicker-Aufgabe fast automatisch ergeben. Ich halte meine flach ausgestreckte Hand senkrecht etwa 30 cm von ihr entfernt in die Luft und sie soll mit dem Kopf an meine Hand kommen und Köpfchen geben. Auch die Spieleinheiten mit der Federangel findet sie klasse. Sie klaut oft den Federpuschel und schleppt ihn in ihr Bett ein Körbchen mit einem flauschigen Teppich, den sie argwöhnisch bewacht und spielt dort alleine mit sich. Sie genießt auch passiv meine Nähe und legt sich entspannt in den Spiel- und Clickerpausen etwa eine Armlänge entfernt zu mir.

Bagihra hat auch bemerkt, dass Huhn toll ist und wartet geduldig, bis ich ihr etwas auf das Hochbett, ihren präferierten Liegeplatz, werfe. Hin und wieder zeigt sich ein zweiter schwarzer Kater, der etwa 2 m Abstand zu mir und Herta hält und Huhn auch sehr klasse findet. Ganz selten rennt eine kleine rote Katze ohne Schwanz am Fenster vorbei. Von den anderen Bewohnern keine Spur.

Zweite Sitzung. Ich gebe Herta ausgiebig Gelegenheit, an mir entlang zu reiben. Sie hat recht schnell begriffen, dass sie durch Manipulation meiner Hand an eine Belohnung kommt. Sie klettert über mich drüber und scheint keine Scheu zu haben, wenn ich sitze. Wenn ich allerdings das Zimmer betrete, schwankt ihr Ausdruck zwischen Zurückhaltung, Furcht und Erwartung. Außerdem verteidigt sie ihr Körbchen auch gegen mich. Sie hatte ihre „Beute“ die Federangel in ihr Körbchen getragen und dort eine Weile für sich gespielt, als sie das Interesse verlor und vor der Verandatür saß, krabbelte ich zu dem Körbchen, um die Angel zurückzuholen. Herta fixierte mich sofort und schlug unwillig mit dem Schwanz, als ich nach der Angel griff, täuschte sie einen Scheinangriff vor.

In der Dritten Sitzung ist Herta deutlich zurückhaltend, ich werde nicht begrüßt, Herta stromert noch eine Weile draußen herum. Als ich sie rufe und sie das Töpfchen mit dem Huhn erkennt, kommt sie rein. Sie steigert sich ins Köpfchen geben hinein und mit ihrer Aufregung steigt auch ihre Appetenz mich zu schlagen oder zu beißen. Ich darf sie nicht aktiv anfassen, nur wenn ich sie passiv an mir vorbei schubbern lasse, laufe ich nicht Gefahr einen Pfotenhieb zu kassieren. Insbesondere Berührungen am Rücken führen zu Irritationen, die mit Abwehr kommentiert werden. Nach einigen Clickereinheiten und einem gemäßigten Federangelspiel, legt sich Herta neben mich auf den Boden. Ich zeige ihr meine Hand und lege sie vor ihr auf den Boden. Herta haut zunächst spielerisch und ohne Krallen auf die Hand, dann etwas fester. Als ich nicht reagiere kneift sie in meine Hand und schaut mich an. Ich reaiere weiterhin nicht und Herta fasst nach und beißt fester zu, wieder schaut sie mich an; ich reagiere noch immer nicht und provoziere damit, dass sie noch fester zu beißt. Ich sage bestimmt „Nein“ und starre zurück. Herta lässt los, schlägt noch einmal nach meiner Hand und geht auf Distanz. Ich ignoriere sie für 5 min.

In der vierten Sitzung werde ich wieder nicht begrüßt, sie kommt aber als ich mich hingesetzt habe und sie rufe zu mir getrödelt. Sie erinnert sich noch an die Clicker-Aufgabe, die Belohnung nimmt sie ganz vorsichtig aus meinen Fingern, dann leckt sie meine Hand ab. Sie steigert sich wieder in ihre Köpfchengeberei und ihre Aufregung wächst, ich muss mich sehr beherrschen sie nicht zu streicheln. Einmal beißt sie wieder in meine Hand, lässt aber schnell los, als ich „Nein“ sage und distanziert sich von mir.

Baghira nähert sich maximal auf 2 m. Wenn sie diese Distanz unterschreitet wird sie von Herta in meinem Beisein fixiert. Einen körperlichen Angriff habe ich noch nicht beobachtet, weder gegen Baghira noch gegen eine andere Katze.

Herta scheint jedoch eine größere Individualdistanz zu haben und bislang konnte ich noch keine afiliativen Verhaltensweisen gegenüber Artgenossen beobachten.

Allerdings konnte ich sehen, dass Baghira, die kleine rote schwanzlose Katze angreift, obwohl diese sich nicht ihr sondern nur dem Futter in der entgegengesetzten Ecke des Zimmers genähert hat. Baghira stürzte fauchend auf dem Hochbett mit einem dicken Schwanz und gesträubten Fell nach vorne. Ich konnte den Angriff stoppen.

Herta, die unter dem Hochbett in ihrem Körbchen saß, wurde durch Baghiras Fauchen aufgeschreckt und sprang aus ihrem Körbchen, attackierte aber niemanden, sondern orientierte sich in Richtung Baghira. Die kleine rote schwanzlose Katze zog es vor, wie der nach draußen zu flüchten, auch dies war für Herta kein Grund zum Angriff.

Außer Baghira und der kleinen roten Katze taucht hin und wieder noch eine weitere schwarze Katze auf. Die restlichen Mitbewohner habe ich noch nicht gesichtet.