Agathe

Auch in Agathes Zimmer erfreue ich mich immer größerer Popularität. Obwohl Agathe schlecht hört sitzt sie immer vor der Tür und wartet auf mich, besser gesagt auf Ihre Portion Hühnchen. Sie wackelt dann fauchend vor mir her zu meinem Stammplatz an der Tür zum Außenbereich.  Agathe sitzt am dichtesten bei mir und ich muss mich immer beherrschen ihr nicht über den Rücken zu streicheln. Der große schwarze Cesare freut sich fast genauso auf das Hühnchen wie die hagere Agathe und lässt sich mittlerweile aus der Hand füttern. Er hat ganz eindeutig Vertrauen gefasste und würde gerne näher kommen und aber fühlt sich noch etwas unbehaglich. In der letzten Woche ist er sogar ins Zimmer gelaufen, als er mich hörte.
Romolus und Baby sind  an Hühnchen nicht interessiert, spielen  aber furchtbar gerne mit der Federangel. Sie rollen sich sogar vor Vergnügen auf den Rücken und genießen meine Anwesenheit immer mehr. Baby schnuppert schon an meinen Fingern und Romolus charmiert an jedem Busch und jedem Stuhl vorbei und reibt sich aufgeregt die Flanken und den Kopf.
Annabell und Francesca sind am zurückhaltensten aber auch sie nehmen regelmäßig an den Spiel- und Hühnchenrunden teil.
Hatte ich mich schon sehr über Cesares Zutrauen und Entwicklung gefreut, gab  es in der letzten Woche jedoch eine Begebenheit, die das in den Schatten stellte.
Agathe saß wie immer dich neben mir und wartete auf die extra für sie besonders klein gerupften Hühnerfleischstückchen, denn sie hat ja keine Zähen mehr. Ich legte ihr einige vor die Schnauzte, sie kaute engagiert und konzentriert und ich wollte die Gunst der Stunde nutzen und ihr einen losen Fellballen, der an  der Flanke abstand aus dem Fell zupfen. Agathe ließ sich das ohne Mucken gefallen und schlug nicht wie gewohnt fauchend nach mir. Ich war wie vom Donner gerührt und zupfte gleich noch eine Fellflocke weg. Dann fasste ich sie ganz sanft mit zwei Fingern an und fuhr langsam über den Rücken – keinerlei Abwehrreaktion. Ich legte ihr noch etwas Hühnerfleisch vor die Nase und streichelte ihr erneut über den Rücken, die kleine Katze streckte mir den Rücken zaghaft entgegen und fraß ungerührt weiter.
Ich durfte die kleine Maus tatsächlich während meiner gesamten Anwesenheit streicheln, selbstverständlich bekam sie zur Belohnung auch ihr heiß geliebtes Hühnerfleisch. Seit vielen Jahren war das der erste Menschenkontakt den sie erlaubte. Ich bin immer noch ganz perplex.
Agathe (2) Agathe Agathe (3)

Ein Kommentar

  1. Hallo Frau Reinschmidt,
    ich lese regelmäßig Ihre Artikel. Es ist immer wieder spannend zu hören was sich in den Katzenzimmern tut.
    Sie haben einen ganz besonderen Moment mit Agahte erlebt. Es berührt mich tief, wenn eine Katze, die lange den Kontakt zu Menschen nicht wollte, das Anfassen zulässt. Ich wünsche Ihnen das es so bleibt und der Kontakt zu Agathe noch enger wird.
    Viele Grüße
    Annette Müller