Rosi

Ein ganz besonderes Katzenschicksal wurde uns im Januar zugestellt. An einer Futterstelle sollten Kinder eine alte Katze mit Steinen beworfen haben. Die Dame die diese Futterstelle betreute brachte uns Rosi. Rosi wurde auf 17 Jahre geschätzt und war taub und blind. Zu allem Überfluss hatte sie auch einen beginnende Niereninsuffizienz. An der Futterstelle sollte sie schon seit vielen Jahren leben. Ich stellte mir vor, wie eine so alte, blinde und taube Katze den vergangenen Winter alleine draußen hätte überleben sollen.

Rosi wurde in einer kleinen Box einquartiert und benahm sich dort nicht besonders kooperativ. Es hieß sie sei wild. Nun wie sollte man für so eine Maus ein Zuhause finden. Wie sollte man ihr die noch verbleibenden Tage oder Monate angenehm gestalten. Wie nimmt man mit einer verängstigten, desorientierten tauben und blinden Katze Kontakt auf. Ich hielt mich von Rosi fern, weil ich Angst hatte, dass ich sie einfach nicht da lassen könnte. Nach zwei Monaten erschien ein junger Mann, der Rosi auf der HP- des Tierheims gesehen hatte und fragte explizit nach Rosi. Er habe keinen Balkon und keine Möglichkeit einer Katze Freigang an zu bieten und daher leider keine eigene Katze. Er wollte wissen, ob Rosi mit einer Dreizimmerwohnung vorlieb nehmen könnte. Die Behinderungen scheuten ihn genauso wenig wie die Tatsache, dass Rosi sich sehr ruppig benahm. Ich besuchte ihn daraufhin und wir besprachen die Unterbringung und die Pflege. Dann zog Rosi um. Ich brachte sie zu dem jungen Mann und fand schon im Auto, dass sich Rosi nicht mehr so garstig anstellte. Wenn ich den Finger durch die Gitter des Transporters schob, roch sie an ihm und stubste ihn kurz an. Als ich Rosi in der Wohnung des jungen Mannes abstellte, war Rosi wie verwandelt, sie gab Köpfchen, rieb sich an meinen Händen und begann zu schnurren. Eine große Sorge fiel also von uns ab. Rosi war keine verwilderte Katze, sondern war nur verstört. Ich habe lange überlegt, warum sie im Tierheim so aggressiv reagierte und so desorientiert gewirkt hatte und hier innerhalb von wenigen Minuten eine ganz andere Katze war.

Eine Katze, die nichts sah und nichts hörte, welchen Unterschied nahm sie jetzt wahr? Welchen Eindruck hatte sie von ihrem neuen Unterbringungssort, das sie so entspannt und freundlich war? Sie konnte riechen und sicherlich hatte sie auch einen Eindruck von der Höhe und dem Untergrund auf dem sie stand. Im Tierheim war sie ja in einem dieser erhöhten Schaukästen untergebracht. Hatte Rosi die Tatsache verstört, dass sie sich nicht auf ebener Erde befand und nicht wusste, wo es runter ging und wo das Ende war? Hatte sie ständig befürchtet runter zu fallen? Ich fand keine befriedigende Antwort. Sie konnte schlicht nicht wissen, dass sie jetzt noch einmal ein liebevolles Zuhause bekommen hatte und eigentlich nach Aussage der Dame von der Futterstelle, sollte sie ja gar kein Zuhause kennen. Umso mehr freuten wir uns über Rosis Verwandlung. Nach einigen Unfällen und ein paar Mal heures in den ersten Tagen gewöhnte sich Rosi schnell ein. Ihr neuer Halter hat mir versprochen mich über ihre weitere Entwicklung zu informieren und ich werde sicherlich noch mehr von Rosi berichten.

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3 Kommentare

  1. Wie wundervoll. Auch ich hatte einen dicken Kloß im Hals, als ich die Geschichte las. Danke an den „Dosi“, dass er sich einer solch armen Seele annimmt.

  2. gut, dass es Leute wie die neuen Menschen von Rosi und walter gibt. Auch wir haben einen alten Kater aus dem Tierheim und ich bin dankbar für jede Minute, die wir ihm in unserem Zuhause geben dürfen.

  3. der Bericht hat mich zu Tränen gerührt
    Bin froh für Rosi und dankbar für die Hilfe.
    Ich selbst habe 2 junge Katzen aus dem Tierheim. Meine alte ist mit 19 an Krebs gestorben, sie war 10 Jahre eine treue Freundin.