Oliver und Iris

Während Barney noch immer in der Tierklinik ist, aber mittlerweile auf dem Weg der Besserung hatte sich Oliver mit Iris, einer dreifarbigen entspannten jungen Katzendame, angefreundet. Die beiden gaben sich Köpfchen und kuschelten miteinander. Also beschlossen wir, den ruhigen Oliver mit ihr zu vermitteln, da er sich auch viel von ihr abschaute und immer zugänglicher wurde. Iris ging davon aus, dass alle Menschen nett seien und schmuste jeden freundlich an. Oliver saß in einiger Entfernung und betrachtete das alles mit Interesse und Neugier. Er kam immer näher zu mir, ließ sich beiläufig streicheln und hatte nach wenigen Tagen größere Fortschritte gemacht als in den vergangenen sechs Monaten. Tatsächlich erlaubte er es nach einigen Wochen sogar, dass ihn Besucher anfassten, zwar nicht von oben und von vorne aber seitlich und im Sitzen. Ich war sehr glücklich. Anfang September kam eine junge Frau mit ihrem Sohn und wollte Iris adoptieren allerdings alleine. Ich erklärte ihr, dass die beiden sich gut verstanden und wir sie nicht trennen wollten. Andere Einzelkatzen wollte sie nicht sehen und entschloss sich dann, Iris und Oliver aufzunehmen. Ich erklärte ihr, dass Oliver scheu sei und mehr Zeit bräuchte, dass er sich viel von Iris abschauen würde und sie Geduld haben müssten. Ich hatte den Eindruck, dass die Interessentin dies verstanden hatte und setzte auch auf den Ehrgeiz ihres Sohnes, sich in Olivers Herz zu spielen.

Nach vier Tagen erhielt ich den ersten Anruf, Oliver würde sie nur anfauchen und würde sich nur verstecken. Außerdem würden sich die beiden gar nicht verstehen, sie würden sich nur ignorieren. Iris sei eine so tolle Katze und würde sich mit ihrem Sohn so toll verstehen, aber Oliver sei ganz verstockt.

Ich versuchte zu beruhigen, bat um mehr Zeit und Geduld und versuchte zu erklären, dass die beiden jetzt ein neues Revier hätten, Oliver sicherlich sehr verunsichert sei und es für Katzen ganz normal sei, ihre Beziehung neu zu sortieren, nach einer solche Umstellung. Ich erklärte auch, dass Iris nicht plötzlich desinteressiert an Oliver sei, sondern das dies ihre Reaktion auf Olivers Verunsicherung sei und sich seine Menschen am besten ähnlich verhielten, eben seiner Verstörtheit keine Bedeutung beimessen sollten, in  Ruhe lassen sollten bis er sich akklimatisiert habe.

Zwei Tage später sprach mir die Frau auf den Anrufbeantworter, Oliver würde sie immer attackieren und nur fauchen und sie kämen nicht an ihn heran.

Als ich am nächsten Tag bei Ihnen anrief, erklärte mir ihr Lebensgefährte, dass Oliver zweimal in sein Körbchen gemacht hätte und sie ihn nun rausgelassen hätten.

Ich war wie vom Donner gerührt. Sie hatten den kleinen Kater knapp eine Woche und noch keinerlei Beziehung zu ihm aufgebaut und hatten ihn einfach vor die Tür gesetzt. Ich sagte, dass ich besorgt sei und dass wir unmissverständlich darauf hingewiesen hätten, dass der Kater mindestens 4-6 Wochen im Haus gelassen werden müsste. Ich fragte nach der Toilettensituation, da Oliver in seinem ganzen kleinen Leben noch nie unsauber gewesen war. Sie hätten eine Toilette im Badezimmer. Auch hier fragte ich wieso nicht wie besprochen zwei Toiletten aufgestellt wurden, und eine in unmittelbarer Nähe von Olivers Schlafplatz? Keine Antwort nur Ausflüchte.

Oliver kam in den folgenden Tagen nicht mehr in die Wohnung, wurde draußen gefüttert und zog sich immer mehr zurück. Es sei ja nicht ihre Schuld, sie würden ja alles tun, aber schließlich könnten sie die Tür nicht immer aufstehen lassen. Ich bat sie nach drei Tagen, die Oliver im Regen gesessen hatte, sich eine Falle bei uns zu holen und Oliver wieder zurück zu bringen. Als Antwort erhielt ich, dass sie nicht hundertmal hin und her fahren könnten. Außerdem ginge es ihm ja nicht schlecht bei ihnen.

Ich setzte ihr eine Frist in der ich darauf bestand, dass Oliver unbeschadet zurück gebracht würde. Sie hatte wirklich Glück, dass sie nicht vor mir stand und hatte dann auch noch die Traute zu sagen, sie fühle sich von mir schlecht behandelt.

Diese Herzlosigkeit und diese Verantwortungslosigkeit machten mich so wütend. Von Anfang an hatte sie eigentlich nur Iris gewollt. Oliver wurde so auf Umwegen und um eine schlimme Erfahrung reicher wieder abserviert. Ich hatte mich schon gewappnet und wollte am nächsten Tag losfahren und versuchen Oliver in Idstein in einem fremden Garten einzufangen, als er tatsächlich bereits zurück gebracht worden war und wieder an der Tür in seinem alten Zimmer stand und mich begrüßte. Er war leicht verunsichert in den ersten Tagen und versteckte sich, sobald sich jemand der Tür nähert und ließ sich nur von mir streicheln.

Die dreiste Dame hat nun auch die Vermittlungsgebühr für Oliver zurück gefordert.

 

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