Matze – ein imposanter Kater

Matze, Abgabekater, ♂, 10 Jahre, Schwarz übergewichtig, verklebtes Rückenfell,

Vor zwei Wochen saß im Eingangsbereich in einer der großen Flugtransportboxen ein großer trauriger schwarzer Kater. Matze kauerte ganz hinten in der Box und wurde ganz steif, wenn man die Tür öffnete und  mit ihm sprach. Ich nahm ein Stückchen Huhn und streckte meinen Arm vorsichtig in seine Richtung. Matze wurde etwas steifer und fixierte meine Hand. Ich war mir nicht sicher, ob es eine gute Idee war ihm so nahe zu kommen, aber da er nicht fauchte und sich weder zurückzog, noch die Ohren oder die Schnurrhaare anlegte, legte ich ihm das Huhn direkt vor die Nase, das er aber verschmähte. Er reagierte die ersten Male überhaupt nicht auf meine Annäherungsversuche. Jedes Mal wenn ich bei ihm vorbei kam, sprach ich etwas mit ihm und gab ihm ein Leckerchen

Erst nach zwei oder drei Tagen wurden meine Bemühungen belohnt Matze gab eifrig Köpfchen und schmuste sich sabbernd in meine Hand. Aber irgendetwas an seinem Verhalten, soweit man davon in der Box überhaupt sprechen konnte, verunsicherte mich. Ich hoffte mehr von ihm zu sehen und zu verstehen, wenn er erst in einer größeren Box oder in einem Zimmer einquartiert würde.

Nach einer Woche wurde er umgesetzt in eine Glasbox im Fundhaus. Auch dort kauerte er in einem kleinen Häuschen und musterte mich zunächst kritisch. Ich reichte ihm die üblichen Leckerchen und krabbelte in die Box zu ihm. Wie üblich schmust er mit mir, aber ich hatte ein ungutes Gefühl. Ich versuchte mein Unbehagen zu überspielen in dem ich viel blinzelte und den Kopf abwand. Aber unversehens wurde meine Vorahnung bestätigt. Matze führ wütend und sehr bedrohlich aus seinem Häuschen und biss in meinen Daumen, an dem er sich eben noch schnurrend gerieben hatte. Das war mir schon sehr lange nicht mehr passiert.

Ich kletterte aus der Box und schloss die kleine Tür schnell hinter mir, denn Matze hat zum nächsten Angriff geblasen. Ich desinfizierte meinen Daumen und ging wieder zu Matzes Box. Er saß in seinem Häuschen und blickte mich unverwandt an. Langsam dämmerte mir, warum ich solchen Respekt vor ihm hatte, er starrte, kein Blinzeln, kein Wegschauen, er blickte mich unverwandt an.

Als ich ihn ansprach, begann er sich in seinem Häuschen zu rekeln und zu drehen. Ich öffnete die Box wieder und er begann zu schnurren und sich auf den Rücken zu wälzen. Seine Vorderpfoten krallten sich genüsslich in das Stoffhäuschen und er fühlte sich nun sichtlich wohl. Ich warf ihm nun mit gebührendem Abstand ein Leckerchen zu, anstatt es ihm unter die Nase zu halten, und kniete mich hin um auf gleicher Höhe mit ihm zu sein. Ich blinzelte ihn an und versuchte ihn zum Zurückblinzeln zu bewegen, ohne Erfolg. Hin und wieder hielt er in seinem Rekeln inne und starrte mich unverwandt an. Ich entschuldigte den Ausrutscher an diesem Tag mit möglichen Rückenschmerzen, da sein hinterer Rückenbereich in einem schlechten Pflegezustand war und dies durchaus bei seinem Übergewicht auf degenerative Probleme zurück zu führen sein könnte.

Auch in den nächsten Tagen verunsicherte mich sein schlecht zu deutendes Verhalten. Er saß in seinem Häuschen und rieb und rekelte sich aufgeregt, so dass ich ihn doch hin und wieder am Kopf kraulte, immer gespannt, um meine Hand aus der Gefahrenzone zu ziehen. Da er aber in seinem Häuschen blieb, war ich außerhalb der Box in Sicherheit. Er versuchte noch zweimal zu beißen, aber ich war schneller, dann stellte ich das Anfassen komplett ein, und ging dazu über, ihn nur noch mit einem Federpuschel zu kraulen. Auch dass genoss er sichtlich. Manchmal konnte ich ihn kurzfristig zu kleinen Spielsequenzen verführen.

Gestern kam er bei meinem Anblick gleich aus seinem Häuschen heraus gestürmt, wieder konnte ich zunächst nicht sagen, ob er sich freute oder nicht. Aber er fing an sich an der Tür zu reiben und aufgeregt auf und ab zu streifen. Ich wagte die Tür zu öffnen und warf ihm ein Stückchen Hühnchen zu, dass fand er klasse, aber ich war vorsichtig geworden. Hatte er in den vergangenen Tagen in seinem Häuschen gesessen, so dass ich mich relativ gefahrlos aus der Gefahrenzone bringen konnte, war ich nun seinen Stimmungsumschwüngen viel direkter ausgesetzt, da er aufgeregt durch die kleine Box lief und sich heftig rieb und rollte. Dabei schnurrte er und wenn er stehen blieb, begann er auf der Stelle zu treteln. Er fraß die Leckerchen, die ich ihm hinwarf und ließ sich hin und wieder mit dem Federpuschel ablenken, aber wenn er direkt auf mich zu schoss wurde mir schon bange und ich schloss schnell die Tür. Ohne für mich erkennbaren Grund, schlug seine Stimmung wieder um, er attackierte mich und die Tür, fauchte und versuchte mich zu beißen. Ich schloss aus Sicherheitsgründen die Tür, denn ich hätte nicht gewusst, wie ich ihm hätte Herr werden sollen, wenn er bei einem Angriff aus der Box gesprungen wäre. Ich kniete mich vor ihn und sprach mit ihm, er attackierte mich noch weitere drei Mal durch die Tür. Jedes Mal wurde sein Zorn durch das Scheppern der Tür und der Fensterscheibe wütender. Ich versuchte die Tür so festzuhalten, dass sie nicht mehr klapperte und hielt seinen Angriffen, geschützt durch die Glasscheibe ungerührt stand. Ich maßregelte ihn verbal und wartete, dass er sich wieder beruhigte.

Ohne dass ich sagen konnte warum, verrauchte sein Zorn, so schnell wie er gekommen war. Sofort gab er Köpfchen und beschmuste alle Gegenstände in seiner Box. Er setzte sich vor mich und miaute kläglich, als würde er nicht verstehen, warum ich so distanziert wäre und ihn nicht mehr kraulte. Ich nutzte die freundliche Stimmung und blinzelte wieder und tatsächlich schloss er zwei Mal ansatzweise die Augen.

In den kleinen Boxen bin ich irritierendes Verhalten gewöhnt, und ich bin gespannt, wie er sich aufführt, wenn er einen echten Rückzugsort hat.